Bodenarbeit & Zirkuslektionen ·Training

Tragen einer Kuhglocke

Das Tragen einer Kuhglocke

Trägt das Pferd eine Kuhglocke, wird es dabei stetig mit dem lauten Klang der Glocke konfrontiert. Die Kuhglocke eignet sich somit wunderbar für das Gelassenheits- bzw. Schrecktraining. Beim Tragen macht die Glocke jedoch nicht nur Lärm, sie schlägt mit jedem Schritt auch stetig gegen das Pferd. Auch das kann das Pferd lernen zu akzeptieren und nicht als Bedrohung oder treibenden Druck anzusehen.

Übungsaufbau

Selbstverständlich sollte das Pferd vorher gut auf die Glocke vorbereitet und sanft an sie herangeführt werden. Nur so können schlussendlich beide Seiten mit der Glocke eine Menge Spaß haben und daraus ein sinnvolles Training gestalten.

Für ein besseres Verständnis, kannst du dir parallel zur Übung auch das Video ansehen:

1. Bekanntmachen mit der Kuhglocke

Ganz zu Beginn solltet ihr austesten, wie euer Pferd überhaupt auf den lauten Klang der Kuhglocke reagiert. Dazu geht ihr am besten auf den Paddock, in die Halle, auf den Platz oder in einen anderen großen Auslauf mit eurem Pferd. Wichtig ist, dass sich das Pferd dort wohlfühlen sollte, denn an bekannten Orten entspannt sich das Pferd am meisten. Auf jeden Fall sollte das Pferd bei der ersten Konfrontation mit der Glocke frei laufen können und nicht mit einem Strick oder einer Longe festgehalten werden. Reagiert es sehr schreckhaft auf die Glocke, ist die Verletzungsgefahr sonst einfach zu hoch für Reiter und Pferd.

In den meisten Fällen wird man überrascht sein, wie gut sie das Klingen der Glocke akzeptieren und gegebenenfalls nur kurz zusammen zucken. Hier könnt ihr euch Schritt für Schritt dem Pferd nähern, es an der Glocke schnuppern lassen oder auch damit um das Pferd laufen. Lasst die Glocke zwischendurch ruhig auch mal auf den Boden fallen – auch hier sollte das Pferd ruhig bleiben.

Bei panischeren Exemplaren solltet ihr langsamer vorgehen und das Pferd erst einmal von Weiten an den Glockenklang gewöhnen, ehe ihr ihm schrittweise näher kommt. Panischen Pferden kann es auch helfen, wenn sie verstehen, wo der Klang genau herkommt. Haltet dabei den Schwengel im Inneren der Glocke fest, so dass sie nicht mehr Läuten kann und lasst dann euer Pferd an der Glocke schnuppern. Dann nehmt ihr den Schwengel und schlagt ihn vorsichtig selbst an die Glockenwand, um einen nicht allzu lauten Klang zu erzeugen. Lasst das Pferd dabei weiter schnuppern und den Gegenstand anschauen. Kann das Pferd den Laut dem Gegenstand zuordnen, ist er meist gar nicht mehr so gruselig.

Noch ein kleiner Tipp: Wer das Parken auf der Matte bereits geübt hat, kann beide Übungen auch verbinden. So fühlt sich das Pferd an seinem Entspannungsplatz sicher, während die Glocke fröhlich vor sich hin läutet. Wichtig dabei ist, dass ihr auf der Matte das Pferd nur mit dem Geräusch konfrontiert und nicht mit der Glocke selbst, sonst macht ihr aus dem Entspannungsplatz unbewusst einen Arbeitsplatz.

2. Berühren mit der Kuhglocke

Reagiert euer Pferd gelassen auf die Kuhglocke in seiner Nähe, könnt ihr ihm euch nun in Schritt 2 noch weiter nähern. Schlussendlich soll die Kuhglocke am Pferd hängen, dabei berührt sie natürlich stetig das Pferd und schlägt bei jedem Schritt sanft gegen Brust, Hals oder andere Körperregionen, je nachdem wo man die Glocke fixiert. Im nächsten Schritt sollte das Pferd also nun mit der Glocke berührt werden können.

Lasst euer Pferd wieder zuerst an der Glocke schnuppern und versucht sie dann vorsichtig und langsam an das Pferd zu legen. Klappt das gut, lobt euer Pferd! Lob und Bestätigung sind an dieser Stelle sehr wichtig, um dem Pferd zu vermitteln, dass seine Reaktion genau das ist, was wir möchten. Schließlich muss es ja verstehen, was wir von ihm wollen.

Sind vorsichtige Berührungen kein Problem, so könnt ihr das Pferd nach und nach überall am Körper mit der Glocke berühren und es damit abstreichen. Diese Streichbewegungen dürfen mit der Zeit auch etwas gröber und lauter werden, solange das Pferd dabei noch ruhig und entspannt steht. Ziel von Schritt zwei sollte sein, dass wir die Glocke an überall am Pferd leicht anhauen können und es dabei weder angespannt ist noch verschreckt wird. Erst dann solltet ihr weiter zu Schritt 3 übergehen.

Achtung: Der Klang der Glocke ist laut und auf Dauer auch nervig für das Pferd! Habt ihr schon eine Weile an Schritt 1 und 2 gearbeitet, so macht für heute Schluss und führt die Übung erst am nächsten Tag weiter. Bekommt das Pferd irgendwann schlechte Laune vom Glockenklang, haben wir genau das Gegenteil vom Trainingsziel erreicht.

3. Gehen mit der Kuhglocke

Ehe wir nun dem Pferd die Glocke umhängen, sollten wir im Zwischenschritt auf Sicherheit setzen und erst einmal schauen, wie das Pferd reagiert, wenn es mit der Kuhglocke gehen muss. Nehmt dazu den Strick vom Halfter in die äußere Hand und die Kuhglocke in innere Hand, die direkt am Pferd ist.

Zunächst versucht ihr, langsam mit der Glocke in der Hand eine Runde Runde zu laufen und das Pferd dabei neben euch zu führen. In der zweiten Runde könnt ihr dann die Glocke beim Laufen langsam und vorsichtig an das Pferd Halten. Die Glocke schwingt nun durch das Ranhalten bei jedem Schritt gegen das Pferd und erzeugt einen lauten Klang. Reagiert euer Pferd dabei zu ängstlich, solltet ihr sofort einen Schritt zurück gehen und die Glocke erst einmal neben das laufende Pferd mit etwas Abstand halten.

Auch hier achtet wieder darauf, dass der Übungsschritt nicht zu lange durchgeführt wird, damit das Pferd vom Glockenklang nicht zu sehr gereizt wird. Macht zwischendurch lieber etwas längere Pausen oder bringt auch andere Übungen mit ein, um die Übungssequenzen kurz zu halten. Vergesst zudem nicht euer Pferd ausgiebig nach jedem auch noch so kleinen Erfolg zu Loben. Solche Übungen lassen sich nur mit genügend Motivation vom Pferd durchführen!

4. Umhängen der Kuhglocke

Ihr habt es fast geschafft! Jetzt könnt ihr euch einen Strick nehmen und die Kuhglocke an ihm befestigen. Auf dem Bild und im Video sehr ihr, wie ich den Strick fest gemacht habe. Ihr könnt die Glocke aber natürlich auch einfach durch den Strick fädeln. Ganz wichtig: In diesem Schritt wird die Glocke noch nicht am Pferd festgebunden! Haltet das Strickende nur fest und lasst es offen.

Geht ihr nun mit dem Pferd los, so fühlt es sich für das Pferd schon festgebunden an. Die Glocke pendelt gegen das Pferd und hängt völlig frei. Reagiert es nun aber noch panisch, so könnt ihr den Strick mit der Glocke einfach loslassen und sie fällt zu Boden. Die Gefahr ist weg vom Pferd und es wird sich dementsprechend auch wieder schnell beruhigen. Dieser Schritt ist im Endeffekt der letzte Sicherheitsschritt und beugt vor, dass das Pferd panisch mit der festgebunden Glocke losrennt und ihr keine Chance habt, die Glocke vom Pferd zu lösen.

5. Tragen der Kuhglocke

Ist Schritt 4 für euch auch kein Problem, könnt ihr endlich zum letzten Schritt übergehen und die Glocke direkt am Pferd festbinden. Habt ihr den Strick so an der Glocke befestigt wie ich, könnt ihr nun mit dem langen Strickende einfach einen Anbindeknoten knoten. So habt ihr im Bedarfsfall immer eine Notöffnung, falls die Glocke doch mal schnell vom Pferd abfallen muss. Gerade, wenn die Übung noch neu ist, kann ich euch diese Anbindetechnik empfehlen.

Theoretisch könnt ihr mit der Glocke alle Gangarten durchprobieren, seid aber vorsichtig! Die Berührungen können dabei vom Pferd wieder ganz anders wahrgenommen werden und es kann doch noch einmal Panik aufkommen. Auch werden mit erhöhter Geschwindigkeit die Töne der Glocke lauter, denn sie schlägt ja nun heftiger gegen das Pferd. Das geht nicht nur uns, sondern auch dem Pferd auf das Gehör. Haltet die Sequenzen also wieder kurz und lobt euer Pferd für jeden noch so kleinen Erfolgsschritt!

Weiterführendes

Hier findest du den Equipment Hack zur Kuhglocke:
Tipps & Tricks > Equipment Hacks > Equipment Hack: Kuhglocke

Weitere Übungen zum Thema findest du hier:
Training > Bodenarbeit & Zirkuslektionen

Werbung

*Alle Links in diesem Block sind Affiliate-Links.