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Parken auf der Matte

Parken auf der Matte

Einem Pferd beizubringen, dass es einen bestimmten Ort hat, den es zum Parken oder auch Entspannen nutzen soll, kann in vielen Situationen sehr hilfreich sein. Einerseits dient konditionierte Entspannung vor allem dazu, dem Pferd in aufregenden oder stressigen Situationen zu helfen.

Ein Beispiel wäre, dass das Pferd sich gerade erschrocken hat, ungewohnter Weise sehr nervös an dem Tag ist oder aus anderen Gründen unter Stress steht. In solch einem Moment wird es einen bekannten, ruhigen Platz bevorzugen, der ihm Sicherheit und Entspannung gibt. Hat man die Entspannungswirkung auf einen bestimmten Gegenstand oder auf einen bestimmten Ort konditioniert, so wird es diesen in solchen Situationen meist schon von selbst aufsuchen. Im Ernstfall kann das bedeuten, dass euer Pferd nur ein paar Schritte zügig zur Matte rennt, statt unkontrolliert und voller Panik immer wieder durch die komplette Bahn.

Andererseits kann es natürlich sehr praktisch sein, wenn man das Pferd zwischendurch irgendwo parken kann, um ein paar andere Dinge in der Zeit zu erledigen.

Man stelle sich zum Beispiel vor, dass man den Reitplatz mit Stangen und Pylonen bestückt hat und diese nun anders anordnen möchte. In diesem Fall kann das Pferd bequem auf einer Matte abgestellt werden, bis alles so umgebaut ist, wie man es sich vorstellt, ohne dass das Pferd dabei unkontrolliert durch die Halle läuft oder, noch umständlicher, man es mit einem Zügel um den Arm mit nehmen muss, obwohl man eigentlich alle Hände voll hat. Erschreckt es sich in diesem Moment dann auch noch, sind unschöne Unfälle vorprogrammiert.

Besser ist: Das Pferd kann in der Zeit entspannen, Pause machen und den Reiter bei seinem Treiben beobachten.

Um den Entspannungseffekt jederzeit ortsunabhängig nutzen zu können, bietet sich eine Matte an, die in diesem Fall als Target verwendet wird. So kann die Matte auch auf einem aufregenden Turnier mitgenommen werden und jederzeit zum Einsatz kommen.

Übungsaufbau

Für ein besseres Verständnis, kannst du dir parallel zur Übung auch das Video ansehen:

Ich persönliche mache diese Übung mit dem Clicker und einer darauf folgenden Futtergabe, zusätzlich kraule ich das Pferd an Lieblingsstellen und versuche dabei immer selbst sehr ruhig und gelassen zu sein. Ihr könnt für euch natürlich ein Lob eurer Wahl nutzen.

Aber Achtung: Ein überschwängliches oder zu heftiges Klopfen am Hals kann vom Pferd als unangenehm angesehen werden oder auch Hektik vermitteln! Versucht also hier eher eine ruhigere Variante des Lobs zu wählen.

Ganz wichtig ist auch, dass das Pferd diese Matte wirklich als Pausen-/Entspannungsplatz ansieht. Ihr solltet also keine anderen Aufgaben von eurem Pferd fordern, wenn euer Pferd dort drauf steht. Jede noch so kleinste Übung kann das Pferd wieder mit Arbeit verbinden und schon ist euer Entspannungs-/Pausenplatz wieder zu einem Arbeitsplatz geworden.

Nutzt diese Matte also wirklich nur für die zwei Aufgaben: Stehenbleiben und Entspannen!

 

Schritt 1: Das Pferd auf die Matte stellen

Um auf der Matte parken zu können, sollte das Pferd zu aller erst natürlich erst einmal auf die Matte gehen. Diesen Schritt setze ich in der Übung voraus! Wenn das Pferd das noch nicht angstfrei kann, ist das natürlich kein Problem. Dann übt erst einmal das Stehen, ehe wir mit dem Stehenbleiben weiter machen.

Schritt 2: Stehenbleiben neben dem Pferd

Steht das Pferd erfolgreich mit den Vorderhufen auf der Matte, ist nun der erste Schritt, neben dem Pferd stehen zu bleiben und es mit Lob und Keksen zu überschütten. Dieser Schritt ist besonders wichtig, damit das Pferd gleich zu Beginn lernt, dass die Matte der schönste und beste Ort der Welt ist.

Diesen Schritt muss das Pferd also zu hundert Prozent verinnerlichen, damit wir den Entspannungseffekt mit der Matte zusammen konditionieren zu können.

Wichtig ist auch, dass ihr nicht zu aufgeregt lobt, denn schließlich soll das Pferd ja später entspannen und nicht vollkommen aufgeputscht werden. Versucht also hektisches Klopfen durch ruhiges, langsames Streicheln zu ersetzen, hohe Stimmlagen durch tiefere Töne zu ersetzen und Futterlob in einem ruhigen Rhymus zu geben.

Macht das Ganze zu Beginn für circa 30 Sekunden, wobei das Pferd in den vollen dreißig Sekunden belobt und belohnt wird. Danach lasst ihr für 5 – 10 Sekunden Ruhe einkehren, atmet selbst einmal tief ein und aus und verlasst dann zusammen mit dem Pferd die Matte. Sofern das Pferd von der Matte runter ist, beginnt für euch wieder die Arbeitsphase!

Nach einer kurzen Arbeitsphase stellt ihr euch wieder auf die Matte und wiederholt die oben beschriebene Lob-Phase.

Geht diesen Ablauf mindesten drei mal durch, ehe ihr zum nächsten Schritt übergeht. Wer Zeit und Geduld hat, verinnerlicht diesen Übungschritt auch erst einmal für drei bis vier Trainingsstunden und geht dann erst zu Schritt drei über. So hat das Pferd die Matte definitiv schon als positiven Ort in seinem Kopf abgespeichert und das Stehenbleiben fällt euch später leichter.

Schritt 3: Abstand um das Pferd herum

Im dritten Schritt, versuchen wir nun schon etwas Platz zwischen uns und dem Pferd zu schaffen.

Nachdem wir am Anfang das Pferd noch aktiv für ein paar Sekunden gelobt haben, gehen wir nun am besten langsam und Stück für Stück vom Kopf zur Hinterhand und verlängern somit unsere Lob-Phasen. Aktiv sieht das dann so aus:

Ich lobe mein Pferd, drehe mich neben ihm um, gehe zur Schulter (Clicke, wer mit dem Clicker arbeitet), drehe mich wieder um, gehe zurück zum Kopf und lobe mein Pferd mit einem Leckerli. Danach wiederhole ich den Vorgang, gehe dann aber bis zum Bauch, danach zur Flanke, und so weiter und so fort.

Am Ende des dritten Schritts sollten wir das stehende Pferd in Ruhe einmal (mit einer Armlänge Abstand) umrunden können.

Schritt 4: Aktiv vom Pferd weg gehen

Erst jetzt, in Schritt vier, sollten wir uns aktiv vom Pferd wegbewegen.

Dazu stellen wir das Pferd wieder auf die Matte, gehen in kurzen Erinnerungssequenzen Schritt eins  und zwei noch einmal durch und gehen dann, dem Pferd den Rücken zugekehrt, ein Schritt weg.

Macht es euch einfach und geht nicht sofort direkt am Kopf einen Schritt weg, da der Automatismus, dem Rücken des Reiter zu folgen, sehr tief sitzen kann. Geht lieber von der Schulter, von der Hinterhand oder auch vom Bauch aus ein Schritt weg. Ich habe am Anfang auch immer sehr darauf geachtet mit meinem Körper nicht zum Folgen einladend zu wirken, heißt: Ich habe das Pferd nicht angesehen, besonders zu Beginn eher auf den Boden geschaut als gerade aus, und mich immer eher vom Pferd abgewendet, statt direkt dem Pferd vorweg zu gehen.

Auch hier solltet ihr immer kleine Schritte und einen nach dem anderen machen. Nach jedem Schritt weiter weg, kommt ihr wieder zum Pferd zurück und lobt es wieder. So erhalten wir uns nicht nur die Motivation, unser Pferd lernt auch, dass es sich auf uns verlassen kann, dass wir definitiv wiederkommen und es dort niemals komplett zurück lassen. Es kann also in Ruhe stehenbleiben, seine Aufgabe erledigen und dabei entspannen.

Schritt 5: Dinge ohne Pferd erledigen

Mit Schritt vier habt ihr es eigentlich schon geschafft! Schritt fünf verbindet nun noch einmal das Angenehme mit dem Nützlichen.

Während euer Pferd auf der Matte entspannt, könnt ihr nun versuchen den Reitplatz um zu bauen (Stange, Pylonen, Gassen bewegen) oder auch eure Abschwitzdecke von der Bande holen. Geht dazu wieder schön kleinschrittig vor und beobachtet beim Transport von gruseligen Gegenständen euer Pferd ganz genau. So könnt ihr sofort reagieren, wenn es sich doch einmal erschreckt.

Und apropos erschrecken: Wer ganz hoch hinaus möchte, kann natürlich auch später ein Gelassenheitstraining mit einbauen. Heißt konkret: Das Pferd soll auch auf der Matte stehen bleiben, wenn plötzlich einer mit einer Ballhupe hupt, mit einer Plastikplane raschelt oder andere gruselige Geräusche macht!

Besonders für Show- und Turnierreiter wäre dieser Schritt eine sinnvolle Ergänzung!

Hinweis

Auch wenn euer Pferd das Stehenbleiben gelernt hat, so lasst es jedoch bitte niemals unbeaufsichtigt irgendwo stehen, wenn es dort entkommen könnte oder auch Trainingsgegenstände trägt, mit denen es sich verletzen kann!

Weiterführendes

Weitere spannende Übungen findest du hier:
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