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Problempferde

Problempferde | © A. S.
© A. S. | pixelio.de

Problempferde

In einer Facebook Gruppe kam neulich die Frage auf: „Ab wann ist ein Pferd für euch ein Problempferd?“, und wie man sich denken kann, entbrannte sofort eine Diskussion mit sinnvollen und weniger sinnvollen Kommentaren darüber. Auch ich habe mich, wenn auch nur kurz, mit ein, zwei Sätzen eingemischt. Am meisten haben mich jedoch die unterschiedlichen Meinungen und Betrachtungsweisen interessiert, denn die Frage an sich ließ mich nicht mehr los.

Gibt es denn überhaupt Problempferde?
Und ab wann ist ein Pferd ein Problempferd?
Und vor allem: Wer ist schuld an einem Problempferd?

Es fiel vor allem dieser Satz: „Es gibt keine Problempferde, nur Missverständnisse zwischen Pferd und Mensch.“

Doch ist das wirklich so? Können wir es uns wirklich so leicht machen? Dieser Satz klingt schön und vermittelt den Eindruck von Weisheit. Doch so einfach ist es leider nicht.

Besser: So einfach dürfen wir es uns nicht machen.

Definition Problempferd

Das Wort Problempferd setzt sich lediglich aus „Problem“ und „Pferd“ zusammen. Es gibt also  keinerlei Anzeichen auf einen Schuldigen und sagt nur aus, dass im Zusammenhang mit dem Pferd eine Problematik besteht.

Die Frage ist jedoch, wer hat denn das Problem? Gehen wir doch einige Beispiele durch:

„Mein Pferd ist ein Montagspferd. Erst war die Zahnwurzel vereitert, dann die Sehne angerissen und das Knie ist auch noch nicht richtig verheilt.“

Das Pferd hat eindeutig Probleme und diese nicht zu knapp! Selbstverständlich können aus diesen Umständen auch Probleme für den Besitzer entstehen, man denke nur an die immensen Tierarztkosten. Ich sehe hier also eindeutig einen überforderten (und wahrscheinlich auch sehr unglücklichen) Besitzer und sein Problempferd.

Spinnen wir etwas weiter: Wodurch sind diese Probleme entstanden? Hat der Besitzer das Pferd vielleicht einfach überfordert? Hatte das Pferd einfach nur Pech? Wurde es vom Koppelfreund gejagt und ist dabei gestürzt?

„Durch die hohe Population der Wildpferde in Amerika, ändert sich nach und nach die Vegetation. Die Wiesenflächen sind abgefressen und bieten für andere Lebewesen keinen geeigneten Lebensraum mehr.“

In diesem Beispiel wird das Pferd zu einem Problem für seine Umwelt. Der Mensch mag momentan nicht in Gefahr sein, doch was ist mit den anderen Tieren, denen dadurch der Lebensraum genommen wird?

Auch hier ließe sich weiter spinnen: Wie geht man das Problem der Überbevölkerung an? Die Anzahl der Tiere muss sich dezimieren, egal ob man sie einfängt und versucht zu zähmen oder zur Jagd frei gibt.

„In meinem Stall steht ein wunderschöner, aber auch leider sehr unerzogener Hengst, den seine Hormone etwas überfordern. Sofern er eine Stute auch nur riecht, schlägt, tritt und beißt er wie wild um sich – sehr zum Leidwesen des Pflegers.“

Hier wird das Pferd wiederum für den Menschen zum Problem.

Und genau hier fängt die Diskussion bei vielen leider erst an. Dabei gibt es Problempferde in so vielen Situationen, sodass wir jede einzeln betrachten müssen. Warum gilt das Problem eines Pferdes, das zum Beispiel durch falsche Fütterung ein Stoffwechselproblem hat, als weniger schwerwiegend, als das eines verhaltensgestörten Pferdes, welches den Menschen angreift?

Ist es nicht ein wenig egoistisch von uns, das Problem kleiner zu definieren, nur weil der Mensch nicht unmittelbar in Gefahr ist?

 „Eigentlich würde ich unheimlich gern mit meinem Pferd ausreiten, aber ich habe immer Angst, dass er im Gelände durchgeht. Gehen wir die ersten Schritte, beginnt er sofort nervös zu werden und ich schlottere schon seit dem ersten Schritt mit den Knien.“

Und wer ist hier eigentlich wessen Problem?

Kategorisierung des Problems

Vielleicht sollten wir den Begriff „Problempferd“ als übergeordnet ansehen und uns von einseitigen Gedankengängen befreien. Wir brauchen Beiwörter, beschreibende Wörter, die die Situation näher erläutern und uns einen Hinweis auf das eigentliche Problem geben.

Natürlich wird das Wort immer negativ behaftet sein, schließlich sind Probleme selten erfreulich, doch man sollte der ungünstigen Situation auch eine Chance geben. Jedes Problem braucht eine Lösung und genau auf diese kommt es doch im Endeffekt an. Hier fängt der Mensch an, sich intensiver mit der Thematik auseinander zu setzen, neue Wege zu beschreiten, dazu zu lernen und das Problem von allen Seiten zu betrachten. Lösungswege machen Probleme interessant und spannend!

Die Schuldfrage

Leider kann man behaupten, dass in den meisten Fällen wirklich der Mensch Schuld am Problem Pferd ist. Seien es Umweltprobleme, gesundheitliche Probleme oder auch Verhaltensprobleme. Eben deswegen sollten wir uns als Pferdebesitzer immer wieder fortbilden, um das Ausmaß an Problemen gering zu halten.

Ich gehe nicht davon aus, dass ein Mensch sein Pferd mit Absicht zu einem Problempferd werden lässt, meist sind es dann doch eher die sogenannten Missverständnisse, die es so weit kommen lassen.

Wichtig ist, dass wir nicht mit einer Überlegenheit, vielleicht sogar mit einer gewissen Arroganz über Menschen mit Problempferden stehen und dies mit einem flotten Halbwahrheits-Spruch abzuwerten. Wir sollten uns eher vor Augen halten, dass Mensch und Pferd in diesem Moment Hilfe brauchen.

Ich wage auch zu behaupten, dass jeder von uns schon einmal mit einem Problempferd konfrontiert war, wenn auch der Grad des Problems vielleicht minimal war. Jeder von uns hat auch schon einmal die falsche Entscheidung getroffen und wahrscheinlich nicht zum Wohle des Pferdes gehandelt.

Frage dich einmal selbst: War mein Pferd schon einmal krank? Bin ich daran wirklich komplett unschuldig? Habe ich wirklich nie Probleme im Umgang mit meinem Pferd gehabt?

Auch ich habe definitiv ein Problempferd. Mein Pferd ist längst nicht so gesund, wie es sein sollte und ich setze alles daran, dass es das irgendwann ist. Dabei sind nicht alle Lösungsansätze richtig, auch hier habe ich Fehler gemacht. Doch ich gebe nicht auf und suche weiter. Ich nehme helfende Hände gerne an, anstatt sie wegzuschlagen und ich bin auch nicht zu stolz um Hilfe zu bitten.

Keiner ist perfekt. Wir sind nicht perfekt. Ich bin nicht perfekt.

Fazit

Problempferde gibt es und sie sind gar nicht selten.

Der Grad des Problems ist jedoch sehr unterschiedlich. Wir sollten uns durch den Begriff nicht negativ leiten lassen oder diese Thematik überdramatisieren. Wichtig ist, dass wir lernen, Probleme frühzeitig zu erkennen und zu lösen. Das setzt voraus, dass wir wieder anfangen uns gegenseitig zu helfen und zu unterstützen, anstatt von oben auf andere herab zu schauen.

Weiterführendes

Ein Thema, viele Ansätze, viele Meinungen!
Hier findet ihr Beiträge von anderen Bloggern zum Thema:

Nordfalben – Problempferd: Fluch oder Segen?
Penny das Pony – Problempferde gibt es nicht!