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Praxisseminar Kinesiotaping für Pferd und Hund

Praxisseminar Kinesiotaping für Pferd und Hund

von und mit Stephanie Reineke

Nachdem ich mir letztes Jahr das (doch recht kostenintensive) Buch über Kinesiotaping beim Pferd von Renate Ettl gekauft habe, war ich natürlich mehr als gespannt nun endlich von der Theorie in die Praxis zu gelangen. Zur Auffrischung habe ich mir das Buch zwei Wochen vor Seminarbeginn auch noch einmal teilweise durchgelesen. Da es doch sehr medizinisch geschrieben ist, brauchte ich den Kurs umso mehr um wirklich alles im Nachhinein verstehen zu können.

Als ich auf der Western Stable Ranch in Zülichendorf ankam, traf ich auf eine bunte Gruppe von 10 Teilnehmern, mit dabei drei Hunde, die gleichzeitig als Testobjekte für unser neu erworbenes Wissen dienen sollten. Besonders überrascht war ich von der guten Vorbereitung des Seminarraumes. Ich habe ja schon einige Kurse / Seminare mitgemacht, so gut vorbereitet war jedoch bisher keiner (da muss ich jetzt wirklich mal ein großes Lob aussprechen!).

Ich habe nicht nur ein Platzkärtchen mit meinem Namen bekommen, sondern auch ein rundum Sorglospaket, was einen vorbereiteten Hefter mit den Folien des Vortrags, ein Notizblock mit Stift und eine Speisekarte vom Italiener nebenan beinhaltete, auf der ich mir mein Mittagessen aussuchen konnte (das übrigens im Seminarpreis inklusive war). Auch die Tische im Seminarraum waren geschmückt mit Getränken, Müsliriegeln, Obst und allem, was das Schülerherz begehrt.

So eine liebevolle Vorbereitung habe ich bisher wirklich noch nie erlebt!

Wir starteten zunächst mit einer kleinen Vorstellungsrunde, bei der ich dann erfahren hab, dass ausnahmslos alle Teilnehmer Physiotherapeut, Osteopath oder Trainer waren. Da musste ich doch etwas schlucken und kam mir spontan etwas unbedeutend vor. So viel (Fach-)Kompetenz auf einem Haufen habe ich in Seminaren bisher doch eher selten erlebt. Das Potential darin habe ich jedoch sehr schnell erkannt, denn bei so vielen Fachleuten sind die Diskussionen und Fragen immer besonders tiefgehend und spannend.

Der theoretische Teil

Nun ging es ans Eingemachte! Ehe wir uns auf unsere Testhunde und -pferde stürzen konnten, brauchten wir natürlich etwas Vorbildung. Stephanie Reineke startete ganz rudimentär mit dem geschichtlichen Hintergund des Kinesiotapings. Erstaunlich war vor allem, dass die Tapes schon in den 70iger Jahren in Japan erwickelt worden sind und mir bisher anscheinend verborgen blieben. Den Hype um die Tapes habe ich erst in den letzten 2 – 3 Jahren mitbekommen.

Möchte man die Tapes am Tier anlegen, schwirren einem besonders die Fragen im Kopf herum, wie die Tapes auf dem (doch meist) langem Fell haften bleiben. Auch hier wurde intensiv darauf eingegangen. Zum einen wurde gezeigt, wie man das Pferd (oder den Hund) am besten vorbereitet. Dazu gehört, dass das Fell trocken und sauber sein sollte. Hat man kompliziertere, sehr bewegungsstarke Stellen, so gibt es auch Haftspray, das den Halt der Tapes stärken soll. Das Spray konnten wir im Praxisteil dann sogar an einem stark behaarten Fjordpferd austesten. Der Unterschied war tatsächlich sehr deutlich zu erkennen!

Auch das Material und die Qualität der Tapes spielen bei der Haftungsdauer natürlich eine sehr große Rolle. Somit waren wir auch schon beim nächsten Abschnitt: Das Tapematerial. Stephanie hatte einen ganzen Koffer voller verschiedener Tapes mitgebracht und Schnittmuster herumgereicht, sodass wir alle uns von verschiedenen Marken und Qualitäten ein Bild machen konnten.

 

Das nächste Thema war die Wirkung der Tapes. Hier ist Stephanie sehr gründlich auf alle möglichen Wirkungsweisen eingegangen, wie die Wirkung über die Faszien, Muskeln und Gelenken, die Anregung des Stoffwechsels, die Aktivierung des lymphatischen Systems und die daraus folgende Schmerzreduktion.

Früher dachte ich immer, dass die blauen und roten Tapes nicht nur farblich, sondern auch im Material unterschiedlich sind und dementsprechend für unterschiedliche Problematiken eingesetzt werden. Doch die Tapes sind trotz unterschiedlicher Farben im Material und Struktur identisch. Die Farben haben sich erst später entwickelt. Früher waren die Tapes wohl alle beige, was natürlich nicht besonders schön auf der Haut aussah. Hier zählt somit nicht nur der medizinische Effekt, sondern auch das persönliche empfinden.

Die bunten Tapes kommen natürlich auch Therapeuten mit farbtherapeutischen Ansätzen zu Gute. Jeder hat bei einer Farbe ein anderes Empfinden, dass selbstverständlich auch aufs Gemüt schlagen und somit in den Heilungsprozess mit einfließen kann. Ich muss allerdings zugeben, dass Farb- und Lichttheraphie mir doch etwas zu esoterisch ist und ich an einen körperlichen Heilungsprozess mittels einer Tapingfarbe nicht ganz glauben kann. Für mich sind die Tapes einfach „schön bunt“.

Den Ansatz „Warme Farben wirken tonisierend, kalte Farben detonisierend.“ nehme ich für mich jedoch in soweit mit, dass ich nach diesem Prinzip tape, um später noch zu wissen, was ich wo am Pferdekörper erreichen wollte. Zu Übungsszwecken habe ich mir deshalb auch nur die bekannten Standardfarben Blau und Rot / Pink gekauft.

Ehe wir uns in den lang ersehnten Praxisteil stürtzen, erläutere Stephanie noch alle gängigen Tapeanlagen mit dazugehörigen Beispielbildern. Hier konnte ich auch mein Kinesiotaping Buch von Renate Ettl mit einbringen, in dem ebenfalls sehr viele Beispielbilder zu finden sind. So hatten wir viele schöne Lehrbeispiele, über die wir diskutieren und uns später dran orientieren konnten.

Der praktische Teil

Jetzt ging es endlich los! Ehe wir uns auf den Weg zu den Pferden machen, haben wir erst einmal die drei mitgebrachten Hunde genaustens analysiert. Wichtig ist natürlich, sich die Problematik des jeweiligen Patienten ganzheitlich anzusehen und nicht einfach wie wild drauf los zu tapen. Der erste Hund hatte irgendwie alles. Ich kann mich gar nicht genau erinnern, was er nun genau für Gebrechen hatte, aber die Liste war (leider viel zu) lang. Nun hieß es, die wichtigste Problematik heraus zu filtern, denn alles auf einmal zu tapen ist keine gute Idee und würde den kranken Organismus überlasten. Wo hat er momentan besonders Schmerzen und wie können wir ihn im Heilungsprozess unterstützen.

Zusammen mit einer anderen Hundephysiotherapeutin, die ebenfalls den Kurs besuchte, entschieden wir uns dann für ein Rückentape. Bei dem anderen Hund legten wir dann ein Knietape an. Das fand ich doch sehr spannend, besonders, da bei Hunden alles so viel kleiner ist, im Gegensatz zum (für mich Hauptpatient) Pferd.

Nachdem auch der dritte Hund getaped war, gingen wir runter zu den Pferden. Das mitbringen von eigenen Pferden ist auf der Western Stable Ranch aus Platzgründen nicht möglich, dafür werden aber die vier hauseigenen Pferde jederzeit zur Verfügung gestellt.

Auch hier begannen wir zunächst mit einer ersten Anamnese, ehe wir wie wild drauf losklebten. Die Mustangstute hatte, wie viele Pferde heutzutage, besonders im Rücken Probleme gehabt, die wir mit den verschiedensten Tapeanlagen behandelten. Bei so vielen Leuten und dementsprechend vielen Tapings bleiben im Nachhinein natürlich nicht alle Anlagen am Pferd. Auch in diesem Fall gilt hier eher: Weniger ist mehr. Wichtig war jedoch, dass jeder mal ran kam und sich ausprobieren konnte. Das Handling der Tapes bedarf zunächst etwas Anleitung, damit man die Tapes später auch wirklich am Pferd und nicht an den Fingern kleben hat.

Meine Übungsanlage war das pinke Tapeblümchen in der Mitte! Dies soll besonders gut bei Schmerzen im Bereich des Iliosakralgelenks (ISG) helfen.

Mein persönliches Fazit

Ich hatte bei diesem Seminar unglaublich Spaß und wahnsinnig viel gelernt. Auch wenn ich mein Kinesiobuch vorher schon gelesen hatte, ist so ein praktischer Kurs natürlich um weiten besser, als trockene Theorie. So konnte ich Fragen stellen, hatte bei der Anlage der Tapes immer eine Nachkontrolle vom Fachmann und zusätzlich noch tolle Tipps und Tricks zum Handling der Tapes bekommen.

Der Mann von Stephanie Reineke ist Barhufpfleger und an diesem Tag ebenfalls anwesend gewesen. Auch hier hatte ich ein sehr interessantes, fachliches Gespräch führen können. Keine Frage war zu doof und es wurde sich für jeden einzelnen Zeit genommen. Was soll ich sagen… Im Endeffekt war ich so begeistert von diesem Kurs, seiner Vorbereitung, der Dozentin und den Teilnehmen, dass ich an dem gleichen Abend noch beschloss, den am nächsten Tag folgenden Kurs „Praxisseminar Blutegeltherapie“ auch noch zu buchen.

Natürlich bin ich mit einem Kurs jetzt kein Vollprofi was das Tapen angeht, doch der Grundstein wurde gelegt und darauf kann ich solide aufbauen. Ich werde mein Selbststudium in pferdischer Anatomie auf jeden Fall weiter intensivieren um den Pferden um mich herum ein ganzheitliches Training und ganzheitliche Pflege gewährleisten zu können. Jetzt heißt es also vor allem:

Üben, üben, üben!

Weiterführendes

Alle Informationen über Stephanie Reineke und ihre Arbeit findet ihr hier:
Pferdephysio & Hundeosteo SR – Stephanie Reineke

Die Western Stable Ranch hat es sich zur Aufgabe gemacht, Seminare rund um Pferd, Hund und Mensch zu veranstalten. Alle aktuellen Veranstaltungen findet ihr hier:
Western Stable Ranch

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