Gesundheit

PAT-Werte beim Pferd: Temperatur

Fiebermessen beim Pferd
Foto: Ariane Briese (privat)

PAT-Werte beim Pferd: Temperatur

Die PAT-Werte geben Auskunft über die drei wichtigsten Vitalwerte Puls, Atmung und Temperatur, die als Besitzer auch jederzeit selbst überprüft werden können. Benimmt sich das Pferd anders als sonst, ist es vielleicht abgeschlagen, träge oder möchte nicht fressen, so sollten vor allem diese Werte als erstes überprüft werden, um eine mögliche Erkrankung des Pferdes schnell und frühzeitig zu erkennen.

Diese Werte helfen nicht nur uns, sondern auch dem Tierarzt, wenn es um die Einschätzung der Lage geht. Notfälle können so besser erkannt und in die Tour dementsprechend eingeplant werden.

Wie messe ich die Temperatur beim Pferd?

Um die Temperatur zu messen, braucht man nichts weiter als ein handelsübliches Thermometer aus dem Drogeriemarkt oder der Apotheke. Grundsätzlich ist egal, ob man sich für ein altes, analoges Thermometer aus Glas entscheidet oder für ein digitales Thermometer, denn beide Varianten können die Temperatur zuverlässig beim Pferd messen. Einzig aus Sicherheitsaspekten empfiehlt sich jedoch ein digitales Thermometer zu verwenden, da es weder giftiges Quecksilber enthält, noch gefährliche Glassplitter hinterlässt, sollte es zerbrechen.

Die Temperatur wird beim Pferd immer im Mastdarm gemessen, dabei wird das Thermometer mindestens 10 – 15 cm in den After eingeführt, um auch wirklich die Kerntemperatur zu erwischen. Wer es sich etwas einfacher und dem Pferd etwas angenehmer machen möchte, kann den vorderen Teil des Thermometers zusätzlich mit einem Gleitmittel einreiben. Dazu eignet sich zum Beispiel Vaseline oder auch Babyöl.

Da bei der Messung das Thermometer fast komplett im After verschwindet und nur noch ein kleines Stück heraus guckt, gibt es verschiedene Methoden das Thermometer bei der Messung zu sichern. Sollte es aus Versehen doch mal komplett im Pferd verschwinden, so kommt es im Normalfall beim nächsten Äppeln wieder problemlos mit heraus. Das Risiko, dass sich das Thermometer im Darm verdreht oder verkeilt ist jedoch allgegenwärtig, weswegen man solch einen Fall immer versuchen sollte zu vermeiden.

Kleiner Tipp: Damit die Pferde beim Messen brav stehen bleiben, sollte man solche Situationen immer in das alltägliche Training mit einbauen und für den Fall der Fälle üben. So erspart man sich und dem Pferd im Krankheitsfall unnötigen und zusätzlichen Stress.

Die Bindfaden – Methode

Hierzu wird an das Ende des Thermometers ein langer Bindfaden angebracht. Man kann den Bindfaden um das Thermometer wickeln und gut zuknoten, damit er nicht wegrutscht. Zur doppelten Sicherung kann man aber auch das Batteriefach des Thermometers ein kleinen Spalt öffnen und den Bindfaden dort noch einmal einklemmen. Eine weitere Möglichkeit ist, den Bindfaden zusätzlich mit Klebeband zu fixieren.

Am Ende des Bindfaden wird danach eine Wäscheklammer geknotet, die man dann später an den Schweif des Pferdes klammert. Der Vorteil bei dieser Methode ist, dass man das Thermometer nicht dauerhaft festhalten muss. Besonders bei unruhigen Pferden kann das eine, besonders für den Reiter, sichere Methode sein.

Die Festhalten – Methode

Ist das Pferd brav und ruhig, kann man das Thermometer während des Messvorganges auch gut festhalten, damit es durch den kontrahierenden Schließmuskel nicht im After des Pferdes verschwindet. Hier sollte man dann allerdings vorsichtig mit eventuellen Gleitmitteln sein, denn diese machen nicht nur das Thermometer, sondern auch die Hände rutschig!

Spezielle Thermometer

Um auf der ganz sicheren Seite zu sein, kann man sich auch speziell für Tiere entwickelte Thermometer kaufen. Die haben entweder eine Öse am Ende um einen Bindfaden stramm und sicher befestigen zu können oder werden zum Ende hin größer, damit ein Hineinrutschen von vornherein ausgeschlossen werden kann.

Was sagt die gemessene Temperatur aus?

In den meisten Fällen möchte man herausfinden, ob das Pferd erhöhte Temperatur, also Fieber hat. Deswegen spricht man oft auch vom Fiebermessen. Doch auch eine zu niedrige Temperatur, sprich Unterkühlung, kann für das Pferd gefährlich werden.

Die Normaltemperatur bei einem ausgewachsenen Pferd liegt zwischen 37,5 °C und 38,5 °C, bei einem Fohlen unter 7 Monaten zwischen 38,0 °C und 39,0 °C. Der Toleranzbereich ist mit einem Grad Celsius also recht klein gehalten.

Hat das Pferd geringe Werte darüber oder darunter, so muss man jedoch nicht gleich in Panik verfallen, denn auch die Bewegungsintensität spielt bei der Messung eine große Rolle. War das Pferd kurz vor der Messung unter großer Anstrengung, sind leicht erhöhte Werte vollkommen normal und unbedenklich. Durch die großen, Wärme produzierenden Verdauungsorgane kann die Körpertemperatur nach dem Fressen ebenfalls um rund 0,9 °C ansteigen. Anders herum ist es bei der Wasseraufnahme, hier kann die Temperatur bei größeren Wassermengen auch um rund 0,9 °C absinken.

Auch Tageszeit und Umgebung haben Einfluss auf die Körpertemperatur des Pferdes. Während morgens die Temperatur am niedrigsten ist, erreicht sie am Abend ihren Höhepunkt. Eine heiße Umgebungstemperatur, wie zum Beispiel bei einem Sonnenplatz an einem heißen Sommertag, lässt die Körpertemperatur ebenfalls teilweise deutlich ansteigen. Bei zu hohen Werten spricht man dann von einer Überhitzung statt Fieber. Anders herum ist es bei kalter Umgebungstemperatur. Hat das Pferd auf Grund von Kälteeinflüssen eine zu niedrige Köpertemperatur, bezeichnet man den Zustand dann als Unterkühlung. Dies kann zum Beispiel durch längeres Liegen auf kalten Böden entstehen.

Die Rasse des Pferdes hat übrigens keinen bedeutenden Einfluss auf die Körpertemperatur, auch wenn Begriffe wie Kaltblut oder Warmblut das im ersten Moment suggerieren.

Möchte man einen aussagekräftigen Wert erhalten, ist es also besonders wichtig, die Temperatur im Ruhemodus und unter alltäglich normalen Stallbedingungen zu messen.

Wichtig: Sollten die Werte über 39 °C oder unter 37 °C sein, sollte immer ein Tierarzt zu Rate gezogen werden!

Erste Hilfe Maßnahmen bei zu hoher Temperatur

Ist die gemessene Körpertemperatur des Pferdes zu hoch und der Tierarzt bereits informiert, kann man in der Wartezeit erste Hilfe Maßnahmen ergreifen, um das Fieber schnellstmöglich zu senken.

Das Pferd an einen kühlen Ort bringen

Wenn man die Möglichkeit hat, sollte das Pferd zuerst an einen kühleren Ort gebracht werden. Das kann eine kühle, schattige Stallgasse sein oder auch eine kühle Krankenbox. Gerade im Sommer bei praller Sonne, sollte das Pferd sofort an einen Schattenplatz gestellt werden um weitere Überhitzung zu vermeiden.

Das Pferd mit kühlem Wasser abspritzen

Um die Körpertemperatur schnellstmöglich zu senken, kann man die Beine des Pferdes vorsichtig und langsam mit kühlem Wasser abspülen. Man sollte dabei jedoch auf die aktuelle Wetterlage achten. Im tiefsten Winter bei Minusgraden empfiehlt sich solch eine Maßnahme nur in einer wärmeren (vor allem frostfreien) und windgeschützten Stallgasse. Auch sollte nicht das komplette Pferd mit Wasser abgespritzt werden, um einen Kreislaufkollaps zu vermeiden.

Kalte Wickel anglegen

Eine weitere, gut bewährte Methode sind kalte Wickel an den Pferdebeinen. Dazu können Bandagen oder andere wickelfähige Stoffe genutzt werden. Diese werden in kaltes Wasser getaucht, gut ausgewrungen und um den unteren Teil der Pferdebeine gewickelt. Diesen Vorgang wiederholt man immer wieder, sodass die Wickel stets kühl sind und die Temperatur des Pferdes langsam absinken kann.

Mittlerweile werden von verschiedenen Herstellern auch sogenannte Kühlgamaschen angeboten, die im Kühlschrank gelagert werden und für solch einen Fall genutzt werden können. Den Luxus eines Kühlschranks im Stall hat jedoch leider nicht jeder.

Erste Hilfe Maßnahmen bei zu niedriger Temperatur

Auch bei Unterkühlung gibt es Erste Hilfe Maßnahmen, die man beim Warten auf den Tierarzt selbst in die Wege leiten kann.

Das Pferd an einen warmen Ort bringen

Um weitere Unterkühlung zu vermeiden, sollte das Pferd zuerst an einen warmen Ort gebracht werden. Das muss in dem Sinne nicht unbedingt ein beheizter Raum sein, oft reicht auch schon eine  windgeschützte Stallgasse oder ein überdachter Unterstand. So ist das Pferd vor Wind, Regen und weiteren Wettereinflüssen weitestgehend geschützt und kann sich in Ruhe regenerieren.

Das Pferd eindecken

Am sinnvollsten ist in diesem Fall eine Decke, dabei spielt die Art der Decke im Notfall keine große Rolle (allem vorausgesetzt es ist keine hauchdünne Fliegendecke). Jede Decke schützt und wärmt das Pferd in diesem Moment und lässt die Körpertemperatur wieder stetig ansteigen. Man sollte jedoch unbedingt darauf achten, dass das Pferd nicht nach kurzer Zeit durch zu viel Wärme überhitzt und zu schwitzen anfängt. Diese extremen Temperaturwechsel gehen auch auf den Kreislauf des sowieso schon geschwächten Pferdes und sollten vermieden werden.

Warme Wickel anlegen

So wie es kalte Wickel gibt, gibt es natürlich auch warme Wickel, die man im Bedarfsfall anlegen kann. Dabei wärmt sich das Blut an der gewickelten Stelle auf und fließt, dank des Blutkreislaufes, durch den ganzen Körper. Das Pferd wird somit nach und nach von innen aufgewärmt, ohne den Kreislauf mit schnellen und heftigen Temperaturwechseln zu überfordern. Diese Methode ist sehr sanft und besonders für Pferde mit einem geschwächten Kreislaufsystem zu empfehlen.

Das Pferd unter Rotlichtlampe / Solarium stellen

Für schnelle Erfolge, kann man das Pferd auch unter eine Rotlichtlampe oder unter das Solarium stellen, die Wärmestrahlen dringen tief in das Gewebe ein und wärmen das Pferd gründlich durch. Vorsicht ist jedoch bei kleinen Rotlichtlampen geboten, die dem Pferd in die Box gestellt werden. Diese Lampen werden sehr heiß und können im schlimmsten Fall Heu und Stroh entzünden! Man sollte mobile Rotlichtlampen also immer nur unter Aufsicht verwenden und nicht in direkter Nähe von leicht entzündlichen Dingen stellen.

Hinweis

Zu niedrige oder auch erhöhte Körpertemperatur beim Pferd kann ein Zeiger von verschiedensten Krankheiten sein und sollte nie auf die leichte Schulter genommen werden. Im Zweifelsfall sollte der Tierarzt lieber einmal zu viel statt zu wenig kontaktiert werden.

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