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Medical Training: Wurmkur geben

Medical Training: Wurmkur geben

Nach welcher Methode man auch immer entwurmt, Fakt ist: Das Pferd muss meist mindestens einmal im Jahr eine Wurmkur verabreicht bekommen. Diese wird oral verabreicht und ist zumeist in einen Applikator enthalten, der aussieht wie eine Spritze.

Da die Paste den meisten Pferden nicht schmeckt, ist das Drama oft vorprogrammiert. Da wird das Pferd am Halfter zu zweit festgehalten, ein dritter versucht seitlich an der Maulspalte verzweifelt die Wurmkur in das Pferd zu bekommen. Danach werden die Daumen gedrückt, dass das Pferd die Paste nicht wieder ausspuckt. So oder so ähnlich läuft es leider in den meisten Ställen ab, dabei könnte man es sich mit dem Medical Training viel einfacher gestalten und das Pferd auf medizinische Untersuchungen und Behandlungen bestens vorbereiten.

Übungsutensilien

 

1. Einwegspritze

Die Einwegspritze simuliert in diesem Fall die Wurmkurspritze. Für die richtige Größe, sollte die Einwegspritze mindestens ein Füllvolumen von 10 ml oder mehr haben. Alles unter 10 ml ist leider zu klein um eine echte Wurmkur zu simulieren und kann außerdem zu leicht im Pferdemaul verschwinden. Wer hat, kann natürlich auch einen alten Wurmkur Applikator nutzen! Diesen einfach gut mit Wasser und Essig ausspülen und schon habt ihr die perfekte Übungsspritze. Kostenpunkt der Einwegspritze liegt bei rund 40 Cent das Stück.

2. Apfelmus / Bananenmus

Um dem Pferd die Wurmkur schmackhaft zu machen, kann man Apfelmus, Bananenmus oder anderes Fruchtmus als Wurmkur Dummy verwenden. Achtet dabei darauf, dass die Produkte kein zusätzlichen Zucker oder andere Zusatzstoffe enthalten und Bio Qualität haben. Vorsicht auch bei Light Produkten, diese enthalten meist Süßstoffe statt Zucker, die auch nicht unbedingt im Pferd landen sollten! Zuckerfreien Apfelmus gibt es im Handel für circa 2,00 €.

Schritt 1: Dem Pferd die Angst vor der Spritze nehmen

In den meisten Fällen ist das Kind ja schon in den Brunnen gefallen und das Pferd ist schon angespannt, sofern es auch nur eine Maulspritze sieht. Ehe die Dummy Wurmkur also überhaupt im Pferdemaul landet, sollte zuerst etwas gegen die Angst getan werden.

Dazu wird dem Pferd die Spritze erst einmal vor die Nase gehalten, mit dem Ziel, dass das Pferd sich der Spritze von alleine nähert und daran schnuppert. Kommt es der Spritze mit seinem Kopf auch nur leicht entgegen, loben wir das Pferd ausgiebig dafür und machen eine kurze Pause. Wer möchte, kann hier auch gezielt mit dem Clicker arbeiten, das Pferd sollte aber vorher angeclickert sein, heißt: Ihm sollte die Funktion des Clickers vorher schon beigebracht worden sein.

Kommt das Pferd der Spritze entgegen, soll es nun den Dummy von alleine mit der Nase berühren oder zumindest daran schnuppern. Auch hier sollte das Pferd nach Erfolg wieder kräftig gelobt werden, ehe im nächsten Schritt nun die Spritze vorsichtig in das Maul geschoben wird. Nimmt das Pferd freiwillig aus Neugierde die Spritze ins Maul, so kann man nun vorsichtig ein bisschen Apfelmus dabei in das Maul spritzen. Das Pferd wird den leckeren Geschmack sehr schnell wittern und mehr wollen.

Ziel dieses Trainings ist ein ruhiges, nicht angespanntes und ängstliches Pferd, das neugierig auf die Wurmkur Spritze reagiert. Erst dann solltet ihr zum zweiten Schritt übergehen. Das kann an einem Tag klappen, das kann aber auch mehre Trainingseinheiten benötigen. Seid hier geduldig und nehmt auf euer Pferd Rücksicht.

Schritt 2: Die Wurmkur in das Pferdemaul geben

Klappt der erste Schritt einwandfrei, ist mit der Angstfreiheit schon viel erreicht worden! Jetzt wird der Bewegungsablauf etwas verändert, damit das Pferd die nicht schmeckende Wurmkur später auch nicht ausspucken kann. Dabei sollte das Pferd weiterhin angstfrei und entspannt bleiben, man muss also das Ganze wieder in kleine Schritte aufteilen.

Zuerst stellt man sich seitlich zum Pferd, wie man es in einer echten Situation auch machen würde und hält das Pferd am Halfter fest. Fühlt es sich jetzt schon bedrängt, wird erst einmal nur dieser Schritt geübt, bis das Pferd wieder gelassen ist. Wichtig ist, dass ihr dabei nicht am Halfter zieht oder zerrt, sollte das Pferd sich wehren oder zurück gehen. So fühlt es sich noch mehr bedrängt und bekommt wieder Angst. Man kann diesen Ablauf auch mit der Gabe von Leckerlies unterstützen. Immer, wenn man sich seitlich zum Pferd stellt und es am Halfter greift, bekommt es mit der freien Hand ein Leckerli hingehalten oder (noch besser) vorsichtig seitlich in die Maulspalte geschoben.

Jetzt tauscht man das Leckerli mit der präparierten Apfelmus-Wurmkur-Spritze aus.  Ziel ist es nun, die Spritze seitlich an das Pferdemaul zu halten, ohne dass es zurück weicht oder wieder unruhig wird. Für den Belohnungseffekt, wird dabei ein bisschen Apfelmus mit der Spritze in die Maulspalte gegeben. Dabei soll die Spritze jedoch zu Beginn noch nicht tief in das Maul gedrückt werden, sondern erst nach und nach, wenn das Pferd merkt, dass ihm nichts passiert.

Erst im letzten Schritt wird nun, wie bei einer echten Wurmkur auch, die Spritze noch einmal voll befüllt und komplett in das Pferdemaul gegeben.

Zwischen den einzelnen Schritten sollte immer wieder eine Pause stattfinden, damit das Pferd die neuen Informationen verarbeiten kann und nicht durch das zu lange Herumgespiele am Maul missmutig wird. Auch der zweite Schritt kann mehrere Trainingseinheiten in Anspruch nehmen und sollte über einen Zeitraum von mehreren Tagen geübt werden, damit der Ablauf fest im Kopf des Pferdes verankert wird.

Weiterführendes

Hier geht es zu allen Übungen aus dem Medical Training:
Training > Medical Training

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