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Magengeschwüre beim Pferd

Magengeschwüre beim Pferd

Magengeschwüre beim Pferd

Magengeschwüre, auch Magenulzera genannt, entwickeln sich bei Pferden häufig innerhalb weniger Tage. Besonders häufig betroffen sind Rennpferde: Mehr als 80 Prozent von ihnen leiden unter Geschwüren im Magenbereich. Aber auch bei Turnierpferden, Fohlen und Freizeitpferden kommen diese Zellzerstörungen der Magenschleimhaut oft vor. Da viele Tiere zunächst keine starken Symptome zeigen, ist es wichtig, gezielt darauf zu achten.

Was ist ein Magengeschwür?

Bei einem Magengeschwür handelt es sich um eine Magenschleimhautläsion. Das bedeutet: Hier liegt keine Zellwucherung vor, sondern eine Zellzerstörung. Häufig geht den Magenulzera beim Pferd eine Magenschleimhautentzündung („Gastritis“) voran. Durch ein ungewöhnlich hohes Säurevorkommen im Magen wird die Schleimhaut angegriffen. Das führt entweder zunächst zur Magenschleimhautentzündung oder über den direkten Weg zum Geschwür.

Anatomisch gesehen ist ein Magengeschwür eine Verletzung in der Magenschleimhaut, die relativ oberflächlich oder auch recht tief sein kann. Teilweise kommt es hierdurch auch zu blutenden Verletzungen.

Hinter dieser unangenehmen Reaktion auf einen Säureüberschuss steht die Tatsache, dass der Pferdemagen auf eine regelmäßige, kontinuierliche Aufnahme von Futter ausgelegt ist. Er produziert stetig Magensäure, die durch den Speichel des Pferdes, der einen basischen pH-Wert hat, etwas abgepuffert wird. Dieser Speichel spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Magengeschwüre beim Pferd: Wird viel von dieser basischen Substanz produziert, kann auch ein Überschuss an Säure weitgehend abgepuffert werden. Faserreiches Futter wie Heu ist daher so elementar für Pferde: Durch das gründliche Kauen erfolgt eine gute Speichelproduktion.

Ursachen: Oft steckt ein falsches Futter-Management dahinter.

Ein Magengeschwür beim Pferd entsteht also vor allem, wenn ein Überschuss an Säure die empfindliche Magenschleimhaut angreift. Aber auch, wenn die Schutzmechanismen der Magenschleimhaut schwach sind, werden sie leicht von dieser Säure angegriffen. Eine wichtige Ursache von Magengeschwüren bei Pferden ist eine falsche Fütterung. Große Mengen an Kraftfutter führen dazu, dass nicht genug basischer Speichel produziert wird. Ein Mangel an Heu verstärkt diesen Effekt. Ein Grund hierfür ist, dass die Futteraufnahme bei Kraftfutter in deutlich kürzerer Zeit erfolgt als beispielsweise bei Heu. Je länger und gründlicher Pferde kauen, umso mehr wird das Futter eingespeichelt. Der Futterbrei kann besser vom sauren Mageninhalt durchsetzt werden, was auch einen keimabtötenden Effekt hat.

Getreide enthält zudem viele leicht lösliche Kohlenhydrate. Diese ermöglichen die Bildung organischer Säuren im Magen, was wiederum zu einer Senkung des pH-Wertes führt. Neben einem schlechten Futtermanagement kann aber auch Stress zu Magengeschwüren führen. Dahinter stecken meist

• häufige Transporte,
• Stress durch Wettkämpfe,
• Probleme im Offenstall oder
• intensives Training.

Negativer Stress senkt die Durchblutung im Magen und im Darm des Pferdes. Die Fähigkeit zur Regeneration der Magenschleimhaut nimmt ab. Wichtige Schutzsubstanzen wie Säurepuffer
oder Schleime werden in geringerer Menge produziert – die Magenschleimhaut wird anfälliger.

Nicht zuletzt sind auch Medikamente verantwortlich für die Entstehung von Magengeschwüren bei Pferden – allen voran nichtsteroidale Antiphlogistika. Sie können den natürlichen Schutz der
Magenschleimhaut zerstören und sie so anfälliger gegenüber Reizen wie Magensäure machen.

Mit welchen Folgen und Nebenerkrankungen ist zu rechnen?

Werden Magengeschwüre bei Pferden nicht entdeckt oder nicht behandelt, wachsen sie in einigen Fällen in die Magenwand hinein, wo sie Blutgefäße verletzen können. Die Folge können
Blutungen oder ein Magendurchbruch sein.

Magengeschwüre, die akut auftreten, bewirken häufig Koliken. Diese wiederum können eine Darmverlagerung oder eine Darmverschlingung auslösen, wenn sie zu spät therapiert werden.

Symptome: Wie machen sich Magenulzera bei Pferden bemerkbar?

Die Symptome von Magengeschwüren sind bei Pferden recht unspezifisch. Jedes Pferd kann andere Anzeichen zeigen – und manche Tiere zeigen überhaupt keine äußeren Symptome.

Am häufigsten stellen Besitzer fest, dass ihr Pferd erst gierig und schnell Kraftfutter frisst, um kurz darauf wieder das Futter zu verweigern. Auch das Flehmen kann ein Zeichen von Schmerzen sein, die von Magengeschwüren verursacht werden. Weitere Anzeichen sind

• Koliken,
• Leerkauen,
• vermehrtes Speicheln und
• eine mangelnde Leistungsbereitschaft.

Diagnostik: Sicherheit bringt nur eine Gastroskopie

Der erste Verdacht auf ein Magengeschwür entsteht aufgrund der vorliegenden Symptome. Dieser Verdacht kann sich im Rahmen einer Palpation (Abtasten durch den Tierarzt) verhärten. Eine sichere, zuverlässige Diagnose ist jedoch nur möglich, wenn der Tierarzt eine Magenspiegelung (Gastroskopie) durchführt. Dabei wird ein Endoskop durch die Nase des Tieres eingeführt, um die inneren Verdauungswege zu betrachten und die Geschwüre aufzuspüren. Dabei kann auch deren Ausmaß und Stadium bestimmt werden.

Behandlung und therapeutische Maßnahmen: Was hilft wirklich?

Wenn die Diagnose Magengeschwür gestellt wird, erfolgt zunächst eine Behandlung mit dem Wirkstoff Omeprazol. Dieser verringert die Ausschüttung von Magensäure in den Pferdemagen,
sodass die Magenschleimhaut sich erholen und regenerieren kann.

Wichtig ist jedoch, die Ursachen des Geschwüres zu finden und zu beseitigen. Ein gute Futtermanagement mit viel Heu und die Vermeidung von Stress haben hier oberste Priorität.

Magenschonendes Zusatzfutter bietet sich zur Unterstützung der Ernährung an. Für den Prozess der Heilung sollten einige Wochen eingeplant werden – die Veränderungen bezüglich Stress und Ernährung sind jedoch dauerhaft einzuhalten, damit es nicht zu einem erneuten Auftreten der Erkrankung kommt.

Dieser Gastbeitrag wurde von Christina Heß verfasst.