Interviews ·Lifestyle

Iris Krebs im Interview

Interview mit Iris Krebs | © Janett Kaatz Fotografie
© Janett Kaatz Fotografie

Iris Krebs im Interview

Liebe Iris, vielen Dank für den informativen Beitrag über Osteopathie und dass du dir Zeit genommen hast, hier Frage und Antwort zu stehen! Zuerst würde ich dich bitten einmal kurz zu erzählen, wie so ein Tag im Leben eines Osteopathen aussieht.

Ich stehe morgens meist gegen 6.00 Uhr auf und kümmere mich erst mal darum, dass meine Tochter gut versorgt in die Schule kommt. Behandlungstermine lege ich daher in der Regel nicht vor 10.00 Uhr. Wie viele Behandlungen am Tag anstehen, ist sehr unterschiedlich, das kann von einem bis zu sieben variieren. Am liebsten sind mir 3 – 4 Behandlungen am Tag, da ein Komplettcheck zwischen 1,5 – 2 Stunden dauert. Ich fahre ca. 40.000 – 50.000 km pro Jahr… da kann man sich ausrechnen, wie es mit den Fahrtwegen aussieht. Darin enthalten sind natürlich auch Privatfahrten und Wege zu Fortbildungen usw., aber in dem Beruf sollte man schon gern unterwegs sein.

Den typischen Behandlungsfall gibt es eigentlich nicht, häufig melden sich die Patientenbesitzerinnen, wenn es reiterliche Probleme gibt, nach OPs oder bei Verhaltensauffälligkeiten. Das ist aber auch genau das, was ich an diesem Beruf so liebe, es ist jedes mal anders und immer individuell zu betrachten.

Nach den Behandlungen stehen meist noch die Nacharbeiten an, d.h. eventuelle  Fütterungs-, Haltungs-, Trainer-, Tierarzt-, Zahnarzt, Sattler- und Hufschmiedempfehlungen schriftlich an die Kunden zu übermitteln. Telefonate mit Tierärzten zur Optimierung der Behandlung, sowie Recherchen  gehören ebenfalls zum Tagesgeschäft. Zusätzlich muss man sich um die administrativen Tätigkeiten kümmern, wie z.B. die Buchhaltung.

Du hast dich vor allem auf die Craniosacrale Therapie spezialisiert. Was macht diese Behandlungsform für dich so besonders und welche Behandlungsformen bietest du dazu noch an?

Jeder Therapeut lernt während seiner Ausbildung viele verschiedene Behandlungsmethoden kennen und entwickelt mit der Zeit Vorlieben für bestimmte Techniken. Ich habe für mich sehr schnell raus gefunden, dass die sanfteste Technik der Osteopathie meinem Wesen am besten entspricht. Mit der craniosacralen Therapie kann ich ganzheitlich behandeln, kann Körper, Geist und Seele therapieren. Ich persönlich lasse mich von meiner Ärztin ebenfalls nur ganzheitlich therapieren und der Erfolg zeigt mir, dass es keinen anderen Weg gibt, um nachhaltig gesund zu sein bzw. zu werden. Das ist meine persönliche Überzeugung und dies gebe ich auch so an meine Patienten weiter.

Diese Einstellung zur Heilung ist selbstverständlich sehr individuell zu sehen. Die besten Heilungserfolge erreicht man sowieso nur dann, wenn alle die am Pferd arbeiten, Hand in Hand an einem Strick ziehen. Um meine Behandlungen zu ergänzen und zu vertiefen, ist die Akupunktur ein großer, weiterer Baustein meiner Therapie am Pferd. Die TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) hat ebenfalls immer den gesamten Organismus im Blick, also auch Geist und Seele.

Die Blutegeltherapie und die Physiotherapie runden, wo nötig, meine Behandlungen ab.

Mittlerweile ist der Beruf Osteopath sehr bekannt und in Mode gekommen, viele junge Leute wollen diesen beruflichen Weg ebenfalls einschlagen und suchen im Internet nach Schulungs- und Ausbildungsmöglichkeiten. Wie kamst du auf die Idee Osteopathin zu werden und wie war dein beruflicher Werdegang?

Mein berufliches Leben war immer von Nützlichkeit geprägt. Was passt zu den jeweiligen Lebensphasen. Ich habe noch zwei weitere abgeschlossene Berufsausbildungen und vieles in meinem beruflichem Leben ausprobiert. Das Meiste davon hat mich für eine Zeit lang interessiert und gefordert, nach einer gewissen Zeit aber gelangweilt.

Mit Ende 30 war ich soweit meiner Leidenschaft zu folgen, mit Tieren zu arbeiten, speziell mit Pferden. Wie es dann eben so passiert, wenn man bereit ist, kommen die Lehrer ins Leben. Ich habe eine Pferdeosteopathin kennen gelernt und durfte sie eine Weile bei der Arbeit begleiten. Ich bin jemand, der sich sehr schnell entscheidet und ich habe nicht lange überlegen müssen. Mein Entschluss einen beruflichen Neuanfang zu wagen, stand fest.

Ich bereue diesen Entschluss keine Sekunde! Ich liebe diesen Beruf wie keinen anderen zuvor, ich werde täglich gefordert, lerne täglich Neues und es wird niemals eintönig. Das gute Gefühl zu helfen, die Reaktionen der Pferde und der Besitzerinnen sind mein allerschönster Lohn.

Wer sich für diesen Beruf entscheidet, sollte vor allem eins mitbringen: Hingabe. Wer denkt, er verdient schnell viel Geld, den muss ich enttäuschen. Man braucht einen langen Atem, um sich einen Namen zu machen und zu beweisen, dass man ein guter Therapeut ist. 3 – 5 Jahre Anlaufzeit sind hier realistisch. Das ist allerdings bei fast jeder Selbständigkeit der Fall. Ich habe damals alle Ersparnisse aufgebraucht, zum einen um die Ausbildung und Fortbildungen zu bezahlen und zum anderen für den Lebensunterhalt. Hier ein großes Danke auch an meine Familie, die mich unglaublich unterstützt hat, ohne sie hätte ich es nicht geschafft.

Du unterrichtest mittlerweile auch selbst an Osteopathie – Schulen. Für welche Bereiche bist du dort zuständig und wie kamst du dazu?

Ich unterrichte ab 2017 die Unterrichtsthemen „Organlehre“ und „Nervensystem“, sowie eine Einführung in die craniosacrale Therapie. Seit Oktober 2016 habe ich meine eigene Kursreihe im Fachzentrum für Pferdeosteopathie bekommen und bilde zum Craniosacral – Therapeuten aus.

Neben deinem Beruf, deinem Kind und deiner Lehrtätigkeit hast du natürlich auch noch ein eigenes Pferd, um das du dich kümmern musst. Erzähle uns doch mal von deinem Pferd!

Ja, das stimmt. Ich habe einen 9jährigen Pinto-Hunter Wallach, kurz Ari, Harry, Zuckerschnute oder, wenn er Quatsch macht, unter vollem Namen bekannt als ARATOS. Meine Tochter hat eine 16jährige Lewitzer-Vollblut Ponydame namens Maja oder Majachen.

Ich habe leider nicht sehr viel Zeit für mein eigenes Pferd, aber er ist auch nicht wirklich arbeitswütig. Er steht auf einem Hof, auf dem es 60ha Land gibt, er also viel Platz hat und sich viel bewegen kann. Mit ihm habe ich schon so einiges durch… Das erste halbe Jahr in meinem Besitz, war er kaum händelbar und wie ein wilder Hengst unterwegs, das hat sehr viele Nerven gekostet. Er ist in vielen Bereichen mein Lehrer gewesen, auch hat er gerne und ständig irgendwelche kleinen Wehwehchen und hat mir somit auch im gesundheitlichem Bereich viel beigebracht. Dank der wunderbaren Hilfe meiner Trainerin Helen Green und dem gesamten Hofpersonal, ist er mittlerweile ein absolutes Verlasspferd und hat sich einen fetten Platz in meinem Herzen erobert. Ich gehe am Liebsten ins Gelände mit ihm.

Meine Tochter hat dieses Jahr ihren Kutschführerschein gemacht und fährt nun mit der kleinen Maja durchs Gelände, aber auch Ausritte und Unterricht gehören zum Programm. Maja kam letztes Jahr aus einem Schulbetrieb zu uns. Sie ist eine absolute zuckersüße Stute, die ebenfalls fest zu unserer Familie gehört.

Plaudere doch mal aus dem Nähkästchen: Was war in deiner bisherigen Karriere dein spektakulärster und aufregendster Fall und welcher dein Erfreulichster?

Gar nicht so leicht zu beantworten… Jedes mal, wenn eine Besitzerin mich anruft oder schreibt, dass das Pferd sich plötzlich wunderbar bewegen kann, ausgeglichen ist oder sich ein Problem gelöst hat, geht mir das Herz auf. Das ist keine Floskel, das Gefühl ist einfach unbeschreiblich schön.

Es gibt aber natürlich Fälle, bzw. Pferde die man nicht vergisst.

Ein sehr trauriger Fall war eine junge Stute, die vor dem Schlachter gerettet wurde und mit total vereitertem Auge auf der Koppel eines Züchters stand. Er wollte warten, bis der Schlachtpreis steigt und er ließ sie unbehandelt einfach stehen. Eine junge Frau kaufte sie und wir haben über ein Jahr für diese Stute gekämpft. Klinik, Tierärzte, Heilpraktiker, Ich… Die Besitzerin hat hier unglaubliches geleistet! Es gab Höhen und Tiefen und als wir dachten, sie ist über den Berg, kam die Diagnose Lymphdrüsenkrebs. Diese Stute war etwas ganz besonderes und während ich hier darüber rede, kommen mir immer noch die Tränen.

Eine sehr schöne Geschichte gibt es im Gegenzug von einem wunderbaren Wallach zu erzählen. Er hatte eine infektiöse Entzündung im Sprunggelenk, war schulmedizinisch austherapiert. Er ging immer noch lahm, an Reiten war nicht zu denken. Ihn habe ich ein halbes Jahr engmaschig therapiert, die Besitzerin hat ganz wundervoll mit ihm das Reha – Training eingehalten. Jetzt ist er lahmfrei und kann wieder geritten werden. Das sind Erfolge, die einen auf Wolke 7 schweben lassen.

Dramatisch war wohl der Wallach, zu dem ich gerufen wurde und bei dem ich sofort den Verdacht hatte, dass ein Beckenbruch vorliegt. Hier konnte ich nichts weiter tun, als sofort den Tierarzt zu informieren.

Wie gesagt, es wird nie langweilig und man weiß nie wirklich was einen erwartet. Lernen musste ich auch, dass ich einen gewissen Abstand wahren muss und nicht jedes Pferd retten kann. Wenn man alles zu sehr an sich heran lässt, geht man daran kaputt. Mir geht es jedenfalls so.

Liebe Iris, ich danke dir vielmals für deine Zeit! Gibt es zum Schluss noch etwas, was du den Leuten mit auf dem Weg geben möchtest?

Ich danke Dir, dass ich die Osteopathie aus meiner Sicht bei Dir schildern durfte.

Meine Bitte an die Pferdemenschen da draußen: Hört auf Euer Bauchgefühl, informiert Euch über die Natur der Pferde und was es heißt, artgerecht zu leben und versorgt zu werden. Geht Euren eigenen Weg, auch wenn die Stallkollegen das für dumm oder nutzlos halten. Nur weil einer ein paar Schleifen an der Stalltür hängen hat, weiß er nicht besser Bescheid.

Gewalt und Zwang brechen die Pferde, diese hochsensiblen Wesen. Nehmt Euch Zeit bei der Ausbildung, auch und gerade dann, wenn Ihr ehrgeizige Ziele habt.

Bleibt immer liebevoll und fair, genauso wie Ihr das bei Euren Kindern machen würdet. Erziehung hat nichts mit Strafe und Härte zu tun, sondern mit Einfühlungsvermögen und Lenken in die richtige Richtung. Belohnt positives Verhalten und Ihr werdet einen wundervollen Freund gewinnen.

Bei dem Anspruch an eine osteopathische Behandlung erwartet bitte kein schnelles Hau-Ruck und alles ist in Ordnung. Der Körper braucht Zeit zu heilen und manchmal ist eine Behandlung nicht ausreichend.

Die Seele spricht zum Körper: „Geh Du voran, auf mich hört der Mensch ja nicht.“
Der Körper antwortet: „In Ordnung, ich werde krank, dann hört er auf Dich.“

Vielen Dank für Euer Interesse, alles Liebe

Iris

Über Iris Krebs

Iris Krebs geb. März 1972 in Frankfurt am Main, ist geprüfte Pferdeosteopathin und Physiotherapeutin. 2013 schloss sie ihre Ausbildung zur Pferdeosteopathin und Physiotherapeutin im FN zertifizierten Fachzentrum für Pferdeosteopathie in Schleswig-Holstein ab. 2014 – 2016 machte sie ihre Ausbildung zur craniosacral Therapeutin für Pferde am Upledger Institut, Deutschland. Zusätzlich ist sie seit 2015 Dozentin im Fachzentrum für Pferdeosteopathie und hat dort seit 2016 ihre eigene Kursreihe: „Ausbildung zum craniosacral Therapeuten“.

Zusätzliche besuchte sie weitere Fortbildungen in: Blutegeltherapie, Akupunktur (hier stehen fortführende Ausbildungen an) inkl. Praktika bei renommierten Akupunkteuren, Hufbearbeitung, praktische Labordiagnostik und viele mehr.

Alle Infos findet ihr auch noch einmal auf ihrer Webseite:
Iris Krebs – Pferdeosteophatin und Physiotherapeutin ZePo

Wer sich weiter mit Osteopathie beschäftigen möchte, hier gehts zu ihrem Gastbeitrag:
Osteopathie – Sanfte Heilmethode für nachhaltige Gesundheit