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Constanze Röhm im Interview

Conny Röhm

Constanze Röhm im Interview

Liebe Conny, vielen Dank dass du dir Zeit genommen hast, hier Frage und Antwort zu stehen! Zuerst würde ich dich bitten einmal kurz zu erzählen, wie so ein Tag im Leben einer Futterberaterin aussieht.

In meinem Beruf hat man verschiedene Arten von Tagen: An Beratungstagen fahre ich sehr viel Auto um meine Kunden zu erreichen. Pro Jahr fahre ich rund 70.000km. 16 Stunden-Tage sind da durchaus die Regel. An Bürotagen geht es ruhiger zu. Diese bestehen aus Bearbeitung der Akten, Buchhaltung, dem Beantworten von unzähligen Mails und natürlich aus Literaturstudium. Dazu kommt der ganze Orgakram, den man als Selbstständiger so hat. Ich arbeite eng mit Tierärzten und Amtsveterinären zusammen und habe viele Kontakte in die Industrie aber auch in die Lehre.

Und dazu kommen natürlich die Seminar- und Webinartage, bei denen ich die Stunden außerhalb des eigentlichen Events mit Vorbereitung und Anfahrt verbringe. Und dann bin ich natürlich noch bei zahllosen Messen und Events als Redner geladen. In diesem Jahr waren es über 30 Messe- und Veranstaltungstage. Für gewöhnlich arbeite ich rund 60-70 Stunden pro Woche. Neben meinem Beruf habe ich natürlich Pferde und Hunde und bin Bundesdelegierte des VFD, Mitglied im Fachbeirat für Ethik und Tierschutz sowie Beirat bei Standpunkt Pferd. Und wenn ich dann noch Langeweile habe, schreibe ich Artikel und Kolumnen für Pferdezeitschriften und Bücher wie „Purzel speckt ab!“ und „Rashid hat Kotwasser“. Zur Equitana 2017 erscheinen zwei weitere.

Meine Kunden stammen aus allen Sparten der Reiterei. Im Vordergrund der Beratung steht immer der Tierschutzaspekt und die Gesunderhaltung. Für gewöhnlich sind die Fälle, die ich betreue, sehr krank. Ich sehe im Jahr mehrere hundert Pferde, meist mit Gastrointestinalerkrankungen.

In dem Themenbereich sind Webinare recht einzigartig. Wie bist du auf die Idee gekommen und welche Themen sind von dir noch geplant?

Ich gebe seit mehreren Jahren Webinare und seit 2015 auf der Plattform Edudip. Ein Webinar zu halten ist aufwändiger als ein Seminar. Allerdings kann ich im Webinar sehr spezielle und einzelne Themen besser aufgreifen, für die es an einem Seminarort nicht ausreichend Nachfrage gäbe. Das macht es angenehm für beide Seiten. Es gibt zahlreiche Themen. Für 2017 wird es eine Vertiefung der Ausbildung für Profis geben und natürlich eine Ausbildungsreihe Phytotherapie für Profis. Es ist sinnvoll, sich als Pferdebesitzer erst in die Basisreihe einzuarbeiten und von dort aus zu starten.

Mittlerweile findet man ja überall Fütterungsempfehlungen, die sich gut und gerne auch mal widersprechen. Ist Fütterung wirklich so ein schwieriges und unerforschtes Thema?

Nein, da gibt es schon viel Forschung. Und an sich wird es erst kompliziert, wenn das Pferd wirklich krank ist. Aber ein Teil der wissenschaftlichen Ausbildung besteht nun mal darin, Forschungsaussagen auf ihr Gewicht hin evaluieren zu können. Meist liest aber irgendwer einen Satz aus einem Forschungstext und plappert ihn zusammenhangslos und ohne Kontext und kritischer Auseinandersetzung nach. So entstehen Mythen. Dazu kommt, dass es Firmen gibt, die einfach „normale“ Phänomene als Krankheit stilisieren und damit Angst und Unsicherheit sähen. Das verkauft sich gut und der Besitzer ist verunsichert und beginnt diesen Mythen nachzujagen. Ich halte Bildung daher für wertvoller als seltsame Zusatzfuttermittel für Phantomkrankheiten.

Besonders die Kräuterfütterung ist momentan ja der letzte Schrei – wie stehst du dazu? Ist Kräuterfütterung sinnvoll und so wirksam, wie sie angepriesen wird?

An Kräutern ist per se nichts auszusetzen. Ich arbeite viel mit Kräutern. Man sollte aber, bevor man wahllos mit großen Mengen hantiert, eine Ausbildung machen. Meist wird der Fehler begangen, dass man ein Kraut XY für diese oder jene Erscheinung einsetzt, aber weder das Gesamtbild betrachtet noch die Kreuzreaktionen oder Sekundärwirkungen im Auge hat. An Mischungen ist nichts auszusetzen. Aber die gesamte Mischung sollte schon zum Problem passen.

Neben deinem Beruf, den Webinaren und deiner Beratertätigkeit, hast du natürlich auch noch ein eigenes Pferd, um das du dich kümmern musst. Erzähle uns doch mal von deinem Pferd! Was bekommt denn das zu Fressen?

Ich habe einen kleinen Bestand an Pferden. Die Leute wären erstaunt, wenn sie sehen würden wie unspektakulär Pferdeernährung sein kann. Wir füttern Heu, Stroh und frische Äste und Zweige. Dazu lasse ich passend zum Heu ein Mineralfutter mischen und die Pferde (und Maultiere) bekommen, dem Bedarf entsprechend, Kraft- und Zusatzfutter. Meine Equiden werden geritten und gefahren.

Noch ein kleiner Abstecher zum Nähkästchen: Was war in deiner bisherigen Karriere dein spektakulärster und aufregendster Fall und welcher dein Erfreulichster?

Da gibt es Zahllose, von denen ich immer mal wieder berichte. Wenn ich sie zusammen fasse, kann ich sagen, dass ich gesehen habe, zu was ein Körper im Stande ist. Die Selbstheilungskräfte eines Organismus sind immer wieder höchst erstaunlich. Sobald das Pferd also anständig gefüttert war, lässt man Mutter Natur ihre Arbeit machen. Das lässt mich immer wieder in bewundernder Demut zurück wenn man diesen Zauber der Natur bestaunen darf.

Liebe Conny, ich danke dir vielmals für deine Zeit! Gibt es zum Schluss noch etwas, was du den Leuten mit auf dem Weg geben möchtest?

Alles wird gut! Bildet euch, denn je mehr ihr wisst, desto souveräner könnt ihr mit etwaig auftauchenden Herausforderungen rund um die Pferdegesundheit umgehen.

Über Constanze Röhm

Constanze Röhm ist Futterberaterin, Unternehmensberaterin für pferdehaltende Betriebe und Futtermittelhersteller, Autorin und Dozentin. Hier geht es zu ihrer Webseite: Unabhängige Futterberatung Röhm

Ihre beiden Bücher „Purzel speckt ab!“ und „Rashid hat Kotwasser“, thematisieren eines der größten Problemfelder in der heutigen Pferdehaltung: Übergewicht und Verdauungsprobleme.

Ich habe mich rein gelesen und bin begeistert. Meine Rezension von „Rashid hat Kotwasser“ findet ihr hier: Rashid hat Kotwasser.

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