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Hupen mit einer Ballhupe

Hupen mit einer Ballhupe

Die Ballhupe bietet eine wundervolle Möglichkeit das Pferd nicht nur gelassener zu werden, sondern ist zudem auch eine schöne Übung für das kognitive Training des Pferdes. Gerade in den Wintermonaten, wenn man keinen wetterfesten Platz oder eine Halle zur Verfügung hat, bieten Bodenarbeitsübungen wie diese eine schöne Gelegenheit das Pferd trotzdem geistig auszulasten und fit zu halten.

Für Turnierteilnehmer oder Showreiter hat die Hupe weiterhin den Effekt, dass das Pferd sich an laute, spontane Töne gewöhnt und eher neugierig darauf zugeht, statt panisch weg zu rennen. Im Fall der Fälle kann das die hart erarbeiteten Punkte auf einem Turnier retten! Und natürlich ist es bei einer Show auch eine schöne Kleinigkeit, die man in das Programm mit aufnehmen kann, um dem Publikum einen Lacher zu entlocken.

Übungsaufbau

Für ein besseres Verständnis, kannst du dir parallel zur Übung auch das Video ansehen:

Ehe es losgeht noch ein kleiner Hinweis: Ich erarbeite solche Übung immer mit dem Clicker und darauf folgendem Futterlob. Ihr könnt das natürlich auch anders gestalten. Wichtig ist, dass das Pferd bei jedem Schritt in die richtige Richtung ein ausgiebiges Lob erhält, damit es nach und nach versteht, was wir von ihm wollen und es sich nicht unter Druck gesetzt fühlt.

Mit zu viel Druck klappen solche Übungen meist sehr selten und sind mit Zwang auch eigentlich kaum zu gestalten. Wer versuchen will den Kopf von einem Pferd festzuhalten und die Hupe mit Gewalt in das Maul zu schieben, wird hier wenig Erfolg haben (und ich bezweifle auch die Kraft dazu haben), geschweige denn das Pferd davon überzeugen, dass diese Übung ihm auch Spaß machen kann.

Wir sind hier also von der Mitarbeit des Pferdes abhängig, da wir es ja hauptsächlich geistig beschäftigen wollen, statt es nur motorisch funktionieren zu lassen. Und dafür brauchen wir die nötige Motivation: Lob und nochmals ganz viel Lob!

Schritt 1: Gelassenheit mit der Hupe überprüfen

Ehe wir mit der Hupe näher an das Pferd gehen, sollten wir zunächst die Hupe etwas weiter weg, zum Beispiel auf einem Paddock auf dem es sich wohl und sicher fühlt, ausprobieren und schauen, wie das Pferd auf den unbekannten Laut reagiert. Manche Pferde nehmen es gelassen, andere wiederum reagieren sehr schreckhaft. Auf einem Paddock oder Ähnlichem kann das Pferd seiner Angst durch Bewegung Luft machen und ihr reißt euch nicht die Hände am Strick auf.

Hat man so ein schreckhaftes Exemplar, sollte also der erste Schritt besonders darin bestehen, das Pferd nach und nach an den Hupton zu gewöhnen und ihm mit der Hupe Stück für Stück näher zu kommen, ohne, dass es dabei angespannt und gestresst ist. Verharrt das Pferd angespannt und rennt nicht weg, ist auch hier die optimale Trainingsgrundlage noch nicht erreicht, da das Pferd in dem Moment nur „aushält“, aber in dem Zustand definitiv nicht richtig lernbereit ist.

Hier kann zunächst ein häufigeres Hupen (vielleicht mit einer darauf folgenden Gabe von einem Leckerli) oder auch sanftes Beschwichtigen helfen, bis das Pferd merkt, dass der Ton ungefährlich ist. Für welchen Weg ihr euch entscheidet, hängt von eurem Pferd ab. Manchmal kann das Beschwichtigen genau das Gegenteil bewirken und dem Pferd die Situation dadurch erst recht als „gefährlich“ darstellen. Manchmal hilft das Wunder.

Ihr kennt euer Pferd besser und werdet sicherlich den richtigen Weg für euch beide finden!

Schritt 2: Das Pferd mit der Hupe vertraut machen

Regiert das Pferd gut auf die Hupe, kann man es im zweiten Schritt nun mit der Hupe näher vertraut machen.

Dazu haltet ihr die Hupe dem Pferd einfach hin und schaut, was passiert. Jede Bewegung zu der Hupe hin sollte ausgiebig belobigt werden, damit das Pferd versteht, was wir von ihm möchten und, dass die Hupe etwas Schönes, Positives ist. Das kann bei einem Pferd schneller gehen, bei einem anderen Pferd langsamer. Das hängt vor allem vom Charakter und der bisherigen Erfahrung des Pferd ab. Viele Pferde sind von Natur aus sehr neugierig und müssen mit ihrem Maul alles abtasten, andere wiederum sind überhaupt nicht oral fixiert und müssen das für sich erst entdecken.

Seid also nicht frustriert, wenn dieser Schritt nicht in der ersten Übungseinheit klappt. Macht eine Pause und versucht es an einem anderen Tag noch einmal. Das Pferd konnte in der Zeit die Informationen in Ruhe verarbeiten und ist für die nächste Einheit bestens vorbereitet.

Schritt 3: Die Hupe ins Pferdemaul nehmen lassen

Nun möchten wir einen Schritt weiter gehen und wollen, dass das Pferd die Hupe in das Maul nimmt. Verharrt dafür bei Schritt 2 intensiver und belobigt das Pferd erst, wenn es anfängt etwas mehr mit den Lippen an der Ballhupe zu spielen. Die kleinste Reaktion solltet ihr hier wieder vom Pferd belohnen!

Dieser Schritt kann, je nach Pferd, sehr lange dauern, bis das Pferd begreift, dass wir die Hupe tatsächlich im Maul haben wollen. Gebt hier nicht zu früh auf und versucht diesen Schritt immer mal wieder. Ihr werdet sehen, irgendwann kommt der Aha-Effekt und auf einmal ist es ein Kinderspiel!

Wer es gar nicht schafft, kann mit ein paar Tricks arbeiten und den Ball der Hupe mit etwas Leckerem einschmieren. Das könnte zum Beispiel etwas Mash, etwas Tee oder auch Apfelmus sein. Hier müsst ihr schauen, was euer Pferd bevorzugt.

Schritt 4: Das Pferd in die Hupe reinbeißen lassen

Ist der Ball der Hupe erst einmal im Maul, dauert es meist nicht lange, bis das Pferd probeweise und vorsichtig versucht ihn mit den Zähnen an zu knabbern.

Auch hier müsst ihr jeden Schritt in die richtige Richtung wieder sofort loben! Besonders in diesem Schritt ist das ganz wichtig, da Pferde in ihrer Erziehung ja meist gelernt haben, nicht in irgendwas hinein zu beißen. Sie werden zu Beginn also sehr vorsichtig und verhalten sein, manche vielleicht auch aus Angst vor Strafe. Zeigt eurem Pferd hier, dass das Verhalten in diesem Fall vollkommen erwünscht ist und es keine negativen Konsequenzen zu befürchten hat.

Schritt 5: Ein Hup-Geräusch erzeugen

Nun kommt der letzte Schritt: Das Pferd soll so fest zubeißen, dass es ein Hupgeräusch erzeugt.

Die Ballhupen haben meist den Nachteil, dass nur mit genug Druck das Geräusch auch tatsächlich erzeugt wird. Solange das Geräusch also noch nicht zu hundert Prozent zu hören ist, ist meine Empfehlung, weiterhin jeden Schritt mit einem Klick vom Clicker (solltet ihr ihn nutzen) zu belohnen, damit man genau den richtigen Moment des Lobs erwischt.

Hat das Pferd einen Ton erzeugt, ist dieser meist Belohnung genug und ihr braucht das Pferd nur noch überschwänglich nach dem Hupen belohnen und könnt den Clicker weglassen. Bringt die Übung immer mal wieder in euer Training mit ein, dann wird das Hupen irgendwann zur Selbstverständlichkeit und das Pferd wird von alleine wissen, dass es den Ton erzeugen muss.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Hinweis

Die Gummibälle sind meist nicht fest mit der Metallhupe verbunden! Wenn das Pferd mit seinem Maul die Ballhupe betätigen soll, ist es daher ratsam, immer die komplette Ballhupe fest zu halten, damit das Pferd den Ball nicht aus Versehen verschluckt.

Weiterführendes

Hier findest du das passende Equipment:
Tipps & Tricks > Equipment Hacks > Equipment Hack: Ballhupe

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Training > Bodenarbeit & Zirkuslektionen

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