Berichte ·Messen & Veranstaltungen

Hippologica 2016

Hippologica 2016

Hippologica 2016

Ich muss gestehen, ich war noch nicht oft auf der Hippologica – genau genommen ist es dieses Jahr mein drittes Mal. Wie letztes Jahr, gab es wieder 4 volle Hallen, die Shopping-Erlebnis, nette Gespräche, Show-Programm und Fachvorträge versprachen. Um auch wirklich nichts zu verpassen und alles sehen zu können, was ich mir vorgekommen habe, war ich am Freitag pünktlich um 10.00 Uhr da. Ich bin sogar extra mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren, damit ich mir nicht noch stundenlang mühselig einen Parkplatz suchen muss.

Fachvorträge

10.20 Uhr – 10.35 Uhr: „Magengeschwüre beim Pferd – Ursachen, Symptome, klinische Fütterungskonzepte“ – gehalten von einer Vertreterin von St. Hippolyt

Der Vortag war informativ und gut gegliedert, auch wenn man der Referentin ein wenig die Aufregung angemerkt hat – was natürlich nicht schlimm ist. Selbstverständlich wurde der Vortrag so gelegt, dass am Ende für ein firmeneigenes Produkt geworben werden kann. Ich finde das ok, solange es sich im Rahmen hält und der ganze Vortrag  nicht nur mit Werbung vollgepumpt ist und die Glaubwürdigkeit anzweifeln lässt. Was ich auch gut fand war, dass sie immer wieder betont hat, dass Magengeschwüre natürlich auch andere Ursachen haben können, die nicht mit dem Zusatzfutter „einfach weg zu füttern“ sind.

Die Aussage: „Getreide ist ein zusätzlicher Magensäure-Produzent.“, hat mich jedoch stutzig werden lassen. Diesen Satz habe ich mir dann doch noch extra notiert um noch einmal selbst nach zu forschen.

Sibylle Wiemer - Hippologica 2016

10.40 Uhr – 11.00 Uhr: „Franklinbälle und Co. – mehr Geschmeidigkeit im Sitz des Reiters durch innovative Hilfsmittel“ – gehalten von Sibylle Wiemer

Recht erheiternd ging es danach weiter mit Sibylle Wiemer, die, glaube ich, nicht nur mir ins Gewissen geredet hat. Ja, wir sollten uns vor dem Reiten aufwärmen und ja, es ist nicht fair vollkommen kalt und steif aufs Pferd zu steigen. Natürlich sollten wir uns auch sportlich betätigen und nicht nur das Pferd, sondern auch uns „gerade richten“ und beweglich halten.

Nach dieser eindringlichen (und leider so wahren und notwendigen) Predigt, erzählte sie von den Franklin-Bällen, dessen Herkunft und deren Einsatz. Der Hype um diese Bälle ist spurlos an mir vorbei gegangen. Ich habe erst vor kurzem eine Facebook-Gruppe zu diesem Thema gesehen und die ersten 1-2 Erfahrungsberichte (oder besser gesagt Schwärmereien). Dementsprechend war ich natürlich sehr neugierig!

Ich hätte mir, ehrlich gesagt, etwas mehr Informationen (und vor allem Übungen) über die Bälle gewünscht, kann aber auch verstehen, dass dafür die Zeit einfach zu knapp ist. Da man die Bälle an ihrem Stand jederzeit ausprobieren konnte – inklusive Beratung – konnte ich darüber hinwegsehen. Zumal es nicht die einzige Franklin-Bälle-Vorführung an diesem Tag war.

Frau Wiemers Erzählungen könnt ich jedoch stundenlang zuhören. Es gibt wenige in dieser Branche, die so locker, amüsant und trotzdem informativ vortragen können und dabei so herzlich sympatisch sind.

11.05 Uhr – 11.25 Uhr „Bowen-Griffe Faszien Technik“ – gehalten von Carola Missall

Recht neugierig war ich auch bei diesem Vortrag, da mir diese Technik bisher gar nichts sagte. Ich erinnere mich zwar daran, dass dieser Vortrag letztes Jahr schon gehalten wurde, ich aber zu dem Zeitpunkt anscheinend woanders war.

Carola Missall machte auf mich einen sehr leidenschaftlichen, wenn auch etwas aufgeregten Eindruck. Sie erzählte mit einem Herzblut von ihrem Job und der Bowen-Technik, das man regelrecht von ihr mitgezogen wurde. Neben dem geschichtlichen Hintergrund, zeigte sie noch Fallbeispiele von Kunden und klärte über die Wirkungsweisen der Technik auf.

Es nervte allerdings ein bisschen, dass sie die richtige Power Point Präsentation auf ihrem USB Stick nicht fand und dadurch immer wieder in den Folien sprang, sodass man sie nie ganz lesen konnte.

13.30 Uhr – 13.50 Uhr „Der Umgang mit Magenproblemen beim Pferd“ – gehalten von Constanze Röhm

Wenn Conny in den Raum kommt, fragt über welches Thema sie jetzt referiert und ich als erste rufe: „Magen!“, dann komme ich mir manchmal schon ein wenig nerdig (und auch ein wenig wie ein Groupie) vor. Ich muss gestehen, ich bin ein Fan von dieser Frau und konnte es mir natürlich nicht nehmen lassen, mir diesen Vortrag anzusehen.

Schräg gegenüber von mir saß eine ältere Frau, die beim vorherigen Vortrag (St. Hippolyt: Thema Kotwasser) fleißig mitgeschrieben und Fragen gestellt hatte. Als Conny die Bühne betrat, wollte sie schon aufstehen und gehen. Ich habe sie tatsächlich angesprochen und ihr den Wink gegeben: Sollte ihr Pferd Probleme mit Kotwasser haben, so sollte sie sich diesen Vortrag anhören – immerhin hat die Dame da vorne ein ganzes Buch darüber geschrieben!

Was soll ich sagen: Der Vortrag war zu Ende und die Dame bedankte sich sehr herzlich bei mir. Ich denke, sie ist nun in guten Händen!

15.30 Uhr – 15.50 Uhr „Franklinbälle und Co. – mehr Geschmeidigkeit im Sitz des Reiters durch innovative Hilfsmittel“ – gehalten von Sibylle Wiemer

Nachdem ich die Vorführung der Bälle verpasst habe, dachte ich, ich schau einfach noch mal in den Vortrag rein. Vielleicht habe ich ja Glück und es bleibt noch für ein paar mehr Infos Zeit. Diesmal kam ich dann auch auf meine Kosten und es wurden ein paar Übungen erklärt, deren Wirkungsweisen und was man von den Bällen erwarten kann (und was nicht).

15.55 Uhr – 16.35 Uhr „Mein Pferd kriegt keine Luft – Wege zum besseren Klima in Box und Offenstall“ – gehalten von Inge Schwenger

Bei diesem Vortrag, muss ich gestehen, hatte ich etwas ganz anderes erwartet und war dann trotzdem positiv überrascht.

Auch wenn es hauptsächlich ein Werbe-Vortrag für das spezielle Einstreu Hippodung war, so wurde zu Beginn des Vortrags doch sehr gut und genau auf die Anatomie des Pferdes eingegangen, erklärt wie Husten und Lungenschäden entstehen, was für Keime dabei eine Rolle spielen und wie man diese Situation verbessern sollte. Ich konnte noch so einiges lernen und habe Lust bekommen, mich in näherer Zeit weiter mit der Thematik auseinander zu setzen.

16.20 Uhr – 16.35 Uhr „Sportpferdefütterung – Fit, leistungsstark und fröhlich“ – gehalten von Constanze Röhm

Zum Abschluss gab es ein weiteren Vortrag von Conny, der ein eher selteneres Thema anspricht. Es ist seltsam zu hören, dass andere Probleme haben auf ihr Pferd überhaupt etwas „drauf zu kriegen“, während die meisten Freizeitreiter ja doch eher ein Verfettungsproblem haben. Der Vortrag war recht allgemein gehalten und riss einige Problematiken des Leistungsports an. Ich hätte mir jedoch schon gewünscht, dass zum Beispiel typische Mängel im Sportbereich näher erläutert werden. Es ist aber auch nicht leicht in so kurzer Zeit, so viel Informationen zu parken und natürlich ist es auch schwierig zu sagen, dass bei Sportpferden oft Mangel XY auftaucht, da man schon die Befürchtung hat, dass manche Leute dann einfach Nährstoff XY kaufen und blind zu füttern – man könnte das Problem ja auch haben!

Show-Programm

11.20 Uhr – 11.35 Uhr „Lehrstunde mit Sattelmeister Jörg Ladwig – Neustädter Gestüte“

Ich muss zugeben, ich habe etwas komplett anderes erwartet, als eine Reitstunde. Ich hätte mich definitiv vorher informieren sollen, was ein Sattelmeister ist. Man ahnt es, ich habe auf einen Vortrag über Sattel-Kunde gehofft und wurde bitter enttäuscht.

Angesehen habe ich es mir dann trotzdem – neugierig war ich dann ja schon. Beeindruckt hat mich vor allem die Uniform, ich wusste gar nicht, dass es teilweise noch so traditionell im Pferdesport zugeht. So wirklich gefallen hat mir der Unterricht allerdings nicht – es war dann einfach nichts meins.

Hippologica 2016

16.40 Uhr – 17.00 Uhr „Equikinetic – ein starker Rücken kennt keinen Schmerz – Frank Heinzeller und Saskia Rönspies nach Michael Geitner, lizensierter Trainer“

Ich kenne zwar Equikinetic, habe auch einiges schon darüber gelesen und auch schon Elemente im Unterricht gehabt, so richtig und 100%ig habe ich mich aber noch nicht mit der Thematik auseinander gesetzt und gehofft, dass ich dort noch ein paar tolle Informationen abgreifen kann. Dazugelernt habe ich dann allerdings nicht viel. Auch die Vorführung stieß mir ein wenig sauer hoch, da der Kappzaum beim Shetty so locker verschnallt war, dass er ständig im Auge hing. Die Longenführung beim Pony war auch sehr herzlos und nicht zielführend – da wäre eine Korrektur des Trainers so angebracht gewesen, was aber nicht passierte. Dafür wurde dann aber das Equipment groß beworben. Leider nicht mein Highlight dieses Jahr gewesen.

17.20 Uhr – 17.55 Uhr „Eine Bühne für Pferdeflüsterer – Horsemanship am Boden und auf dem Rücken der Pferde – Uwe Weinzierl“

Diese Show habe ich leider nicht voll mitbekommen. Ich kannte den Uwe bisher nur aus Erzählungen und habe mich noch nicht mit ihm beschäftigt. Eine Freundin von mir schwärmt allerdings öfter von ihm und so wollte ich die Gelegenheit nutzen und mir selbst ein Bild machen.

So richtig kann ich es allerdings immer noch nicht. Die paar Minuten haben mir dafür einfach nicht ausgereicht. Mir kam er viel zu hektisch und aufgeregt vor – mein Pferd wäre bei so viel Energie wahrscheinlich schon längst über alle Berge. Ich werde mir also noch Weiteres von ihm ansehen und mir dann ein richtiges Bild machen.

17.40 Uhr – 17.55 Uhr „Verbesserung von Anlehnung und Takt an der Doppellonge – Horst Becker“

Auf den Herrn habe ich mich allerdings schon sehr gefreut! Er ist einer von denen, auf die ich bei der letzten Hippologica überhaupt erst aufmerksam geworden bin. Ich bin ja schon ein kleiner Fan von seiner Unterrichtsart. Bei ihm sieht immer als so leicht und locker aus. Wenn er erzählt: „Seht ihr, wie er sich jetzt biegt, wie er jetzt lockert, etc.“ – ich sehe immer nichts, dabei reagiert das Pferd wie eine eins und ich stehe da am Rand und komme mir so winzig klein vor.

Eigentlich wollte ich auch die andere Vorführung über Paraden von ihm sehen, habe es aber leider verpasst.

Zur Doppellonge hat er noch einiges erzählt, was ich beim Günther Fröhlich zum Beispiel anders gelernt habe. Ich würde weiterführend gerne mal einen Kurs bei ihm machen um die Unterschiede kennen zu lernen.

Hippologica 2016

18.00 Uhr – 19.30 Uhr „Vom Pferdekauf zur hohen Schule“ Aus dem Leben eines Pferdebesitzers – Fachvorträge leicht humoristisch dargeboten vom Theater Löwenherz und Showteam Hof Repente

In diesem Programmblock gab es mehrere Unterblöcke. Leider hatte ich im Flyer es nicht so verstanden, dass alle Vorträge „humoristisch“ dargestellt werden. Wirklich spannende Themen wie „Zahngesundheit“, „Ankaufsuntersuchung“ oder „Das Prinzip der Osteopathie“ wurden so ins Lächerliche gezogen und waren so uninformativ, dass ich wirklich enttäuscht war. Dabei halte ich von den Vortragenden, wie Martin Grell und Ralf Döringshoff eigentlich sehr viel. Auch wenn sich da wirklich Mühe gegeben wurde, so wurde da auch leider viel Potential verschenkt!

Stände & Gespräche

Hippologica 2016

Reiterhof Zislow

Zu Beginn ist mir sofort der Stand vom Reiterhof Zislow aufgefallen. Hier habe ich als 9 jähriges Kind schon Reiterferien gemacht und mich natürlich wie ein Honigkuchenpferd gefreut, die Leute endlich mal in Berlin begrüßen zu dürfen. Besonders gefreut habe ich mich über den Tischkalender, den ich dann noch geschenkt bekommen habe. Jetzt habe ich jeden Monat ein neues Zislow-Pony auf meinem Tisch. Den Januar schmückt dann auch noch mein Lieblings-Hü namens „Balu“ (links).

Hippologica 2016

Constanze Röhm

Natürlich musste ich (ich kleiner Groupie!) noch einen Abstecher bei Conny machen. Ich habe sie ewig gesucht! Der Stand war diesmal wirklich sehr versteckt und unauffällig. Dafür hatte ich wieder ein tolles und informatives Gespräch mit ihr, das ich immer wieder gerne führe! Irgendwann stelle ich ihr dann auch endlich mal mein Hü vor.

Hippologia 2016

Petra Heidensohn

Ein überraschend tolles Gespräch hatte ich mit Petra Heidensohn. Eigentlich hatte ich neben ihrem Stand nur gestanden um auf Conny Röhm zu warten, die gerade noch selbst in einem Gespräch war. Eine andere Dame probierte während dessen bei Petra die Franklin-Bälle aus und saß dabei auf einem Testsattel. Da dies wirklich sehr interessant war, rückte ich also ein Stück näher und befand mich schlussendlich selbst im Sattel. Das nächste Mal muss ich übrigens unbedingt in einer Hose erscheinen! Während Petra also tapfer vor mir stand, damit mir niemand unter den Rock sehen konnte, schilderte ich meine Sitzprobleme und bekam prompt eine Franklin-Rolle unter den Hintern.

Eine tolle Erfahrung und eine sehr sympathische Frau, bei der ich unbedingt mal eine Reitstunde nehmen muss! Und so ein paar Bälle werde ich mir wohl auch anschaffen.

Shopping

Da mein Budget durch Pferde- und Sattelkauf dieses Jahr eigentlich gar nicht vorhanden war, habe ich ein Shopping-Erlebnis nicht wirklich gehabt. Nächstes Jahr! Umgeschaut habe ich mich natürlich trotzdem und einige tolle Dinge entdeckt. Von teurer Marke bis günstig ist alles dabei – ein wirkliches Spar-Feeling kommt jedoch nicht auf. Viele Schabracken, Abschwitzdecken oder Sets habe ich online schon viel günstiger gefunden – da sollte man immer mal vorher nachsehen!

Eine Kleinigkeit habe ich mir dann aber allerdings doch gegönnt! An einem Bücherstand bin zufällig über Günther Fröhlichs Buch gestolpert, was ich letztens wegen „führen wir nicht mehr“ nicht mehr bestellen konnte – und dann auch noch zu einen Sparpreis von 2,95 €. Darüber hab ich mich sehr gefreut und gleich zugeschlagen!

Fazit

Die Hippologica ist meist eine Woche nach der Pferd & Jagd Messe in Hannover. Man spürt es. Ich war noch nie auf der Pferd & Jagd (nächstes Jahr!), aber jeder sagt mir, dass die Hippologica dagegen sehr enttäuschend ist. Das kann ich natürlich nicht beurteilen, sparen kann man aber auf der Hippologica auf jeden Fall nicht unbedingt.

Auch fand ich es schade, dass das Programm und die Vorträge teilweise die gleichen wie vom Vorjahr waren. Man könnte doch meinen, dass sich in einem Jahr genug getan hat, um über etwas Neues zu referieren.

Aufgeregt wird sich auch über den Eintrittspreis von 12,00 €. Ja, ich verstehe, es ist viel Geld. Und ich sehe es manchmal auch nicht ein, so viel Geld zu zahlen um dann in ein „Einkaufszentrum“ gehen zu dürfen. Dennoch muss ich sagen, dass ich immer viel gelernt habe aus den Vorträgen, den Gesprächen und teilweise auch aus den Vorführungen. Mir waren es bisher die 12,00 € wert – bei weiterer Programm-Wiederholung kann sich meine Meinung da aber auch ändern.

Ich bin gespannt auf nächstes Jahr und hoffe darauf viele neue Trainer, Experten und Methoden zu sehen!