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HansePferd 2018

HansePferd Hamburg 2018 Eingang

HansePferd 2018

Tag 1 – Freitag, 20. April 1018

Der Tag ging utopisch früh los. Um 3.00 Uhr morgens bin ich aufgestanden, um pünktlich 4.50 Uhr im Flixbus nach Hamburg zu sitzen. Gar keine so leichte Aufgabe, wenn man es sonst gewohnt ist, nicht vor 8.00 Uhr aufzustehen. Erstaunlicher Weise war ich überraschend wach, woran wahrscheinlich die Aufregung Schuld war. Glücklicher Weise bekam ich im Bus noch einmal zwei erholsame Stunden Schlaf, sodass ich frisch und halbwegs ausgeruht mit meiner Freundin Ariane um 8.20 Uhr am Hamburger ZOB ankam. 

Nach einem unglaublich gesundem Frühstück bei McDonalds ging es dann auch endlich los zur Messe!

HansePferd Hamburg 2018 - Claudia Burmeister

10.30 – 11.00 Uhr: Wirbelsäulenbegradigung für Reiter und Pferd (Claudia Burmeister)

Mein erster besuchter Vortrag handelte um die Wirbelsäulenbegradigung beim Reiter. Zunächst gab es ein paar allgemeine Informationen, wie eine schiefe Wirbelsäule aussehen kann, woher sie kommen kann und wie die einzelnen Krankheitsbilder in dem Falle lauten können. Im zweiten Teil des Vortrags ging es dann darum, dass die Begradigung beim Menschen schnell und einfach vor Ort rein durch Energie von ihr durchgeführt werden könne. Dazu holte sich Claudia Burmeister eine Dame aus dem Publikum auf die Bühne, die laut eigener Angabe eine ärztlich diagnostizierte Schiefe hat.

Zuerst wurde die Freiwillige mit sogenannten Linealen vermessen, um dem Publikum zu zeigen, dass die Dame auch wirklich schief ist. Dabei wurden ihr zwei große Kunststoffbalken an die Hüfte und an die Schulterblätter gelegt. Danach durfte sich die Freiwillige auf eine Liege legen, auf der die Begradigung schlussendlich stattfinden sollte. Auch dort wurde durch ein Ziehen und Nebeneinanderlegen der Beine noch einmal die Schiefe verdeutlicht.

Dann kam der spannende Teil der Vorführung: Die Begradigung durch Energie. Dafür stellte sich Claudia Burmeister ans Ende der Liege und hielt einmal ihre Hand hoch. Und das war, laut ihrer Aussage, auch schon alles gewesen! Zur Beweisführung wurden der Freiwilligen danach noch einmal die Lineale angelegt, die nun zeigen sollten, dass die Begradigung erfolgreich war.

Nunja. Ich muss zugeben, für mich waren die Lineale auch hinterher schief und glaubwürdig war es für mich auch nicht, aber wer daran glauben mag und davon überzeugt ist, den werde ich auch nicht verurteilen. Es gibt sicherlich eine Menge zwischen Himmel und Hölle, das wir uns nicht erklären können. Warum dann nicht auch spontane Wunderheilung. Ich bin dafür einfach zu sehr Realist. Mich würde es allerdings wirklich brennend interessieren, wie es der Freiwilligen nun, ein paar Tage nach der Begradigung, geht und ob sie eine Veränderung bemerkt hat.

11.00 – 12.00 Uhr: Mensch. Tier. Wir. (Peter Kreinberg, Eckart Meyners, Nicole Künzel und Andrea Schmitz)

In der großen Showhalle kamen zu Beginn des Vortrags gleich alle Teilnehmer in die Reithalle. Während einer referierte, arbeiteten die anderen still, leise und im Hintergrund weiter mit ihren Pferden. 

HansePferd Hamburg 2018 - Peter Kreinberg

Zu Beginn stellte Peter Kreinberg eine junge Stute vor, die im Westernstil ausgebildet wurde. Dabei verdeutlichte er, wie er nach den Natural Horsemanship Prinzipien mit ihr arbeitete und sie auf alle Schrecksituationen vorbereitete. Dazu gehörte das Gehen über eine Plane, aber auch das Hinterherziehen und Tragen der Plane. Später kamen noch ein paar weitere, knisternde Gegenstände dazu. Mitnehmen konnte ich gute Ideen für neue Gelassenheitstrainingsstunden, allerdings hat mir die Dauer seines Trainings nicht zugesagt. In rund einer Stunde stellen sich alle Trainer und Reiter mit ihren Methoden vor, dabei arbeitete er die junge Stute die ganze Zeit mit vollem Elan und ohne längere Pause durch. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Rücksicht auf das Alter der Stute gewünscht.

HansePferd Hamburg 2018 - Nicole Künzel

Darauf folge Nicole Künzel, die mit ihrem Pferd und später noch mit ihrem Pony den Zuschauen die Arbeit am Boden näher brachte. Ich mochte ihre ruhige und freundliche Art dem Pferd gegenüber. Sie erläuterte, wie sie die Arbeit am Kappzaum beginnt, um dann langsam später auf einem Zirkel mit mehr Abstand zu arbeiten, sodass die korrekte Stellung und Biegung vorher schon erarbeitet und im Pferd verankert wurde. Dabei betone sie immer wieder, wie wichtig eine gute Basis bei Pferden ist, auf die man solide aufbauen kann. Rund herum eine sehr gelungene Vorstellung!

Zuletzt kam Eckart Meyners zu den anderen Referenten hinzu und erläuterte kurz die Nutzung der Franklin Bälle, ehe er Andrea Schmitz und einer anderen Reiterin eine Franklin Rolle unter das Gesäß legte. Beide Reiterinnen sollten ihr Reitgefühl während und nach der Nutzung der Rollen beschreiben, was ihnen sehr gut gelang. Leider gab es keine weitere genauere Erklärung von Eckart Meyners, warum diese Rollen nun Gutes bewirkt haben. Hier hätte ich mich wirklich mehr anatomische Tiefe gewünscht, um die Funktion der Rollen auch zu verstehen.

Wirklich bewundernswert fand ich, nebenbei gesagt, Andrea Schmitz, die auf einem unglaublich nervösen Spanier saß und mit einer Ruhe und Gelassenheit das Pferd unter Kontrolle hatte, während man eine Einwirkung auf das Pferd kaum bis gar nicht erkennen konnte. Ich hätte mir dort oben wahrscheinlich in die Hosen gemacht, doch sie lächelte nur und arbeitete das Pferd, als gäbe es nichts Normaleres auf der Welt. Meinen tiefsten Respekt vor so viel Fairness, Gelassenheit und Ruhe!

12.50 – 13.00 Uhr: Wege aus der Schiefe (Sonja Kutter, Oliver Kutter)

Während Sonja Kutter in der Mitte stand und alle Einzelheiten zur Schiefe des Pferdes erläuterte, arbeitete Oliver Kutter ein mitgebrachtes Pferd an der Hand. Dieses Pferd wurde im schlecht bemuskelten Zustand von den beiden aufgenommen und seither trainiert. Sie erzählten von dem Pferd und dessen Problemen und wie man ihm nun durch sinnvolles Training helfen kann. Mit sanfter Hand und einer angenehmen Ruhe wurden die verschiedensten Lektionen gezeigt. Eine wirklich schöne und informative Darbietung.

HansePferd Hamburg 2018 - Marc Lubetzki

13.00 – 13.30 Uhr: Rangordnung – die Leithengstlüge (Marc Lubetzki)

Auf diesen Vortrag war ich sehr gespannt! Marc Lubetzki ist leidenschaftlicher Tierfilmer und dafür monatelang in den tiefsten Einöden unterwegs, um wilde Pferde zu erforschen und mit der Kamera zu begleiten. Für die HansePferd hatte er ebenfalls einen halbstündigen Film zusammen geschnitten, den er dann live kommentierte und das Verhalten der Wildpferde so dem Publikum näher brachte.

Der Schwerpunkt lag dabei auf dem Thema Leithengst. Anschaulich erklärte er den Unterschied zwischen dominieren und führen, wobei er immer wieder unterstrich, dass die Pferde nicht immer nur vom Leithengst, sondern von den verschiedensten Pferden innerhalb der Herde, ganz je nach Ausgangssituation, geführt wurden.

Dabei stellte sich Marc nicht eine Sekunde lang den anderen Referenten als überlegen dar, sondern saß meist bescheiden auf dem Bühnenboden und schaute selig lächelnd mit einer Sehnsucht seinen eigenen Film. Man hatte fast das Gefühl, dass er sich wieder dahin zurück wünschte, weit weg vom Messelärm und der menschlichen Zivilisation. Ein unglaublich sympathischer Mensch, dem das unendliche Wissen der Natur ins Gesicht geschrieben stand und ein berührender Vortrag, der in der heutigen Zeit von Dominanz und falsch verstandenem Horsemanship unglaublich wichtig ist. 

HansePferd Hamburg 2018 - Bernd Hackl HansePferd Hamburg 2018 - Bernd Hackl

13.30 – 14.00 Uhr: Faszination Extreme Trail (Bernd Hackl)

Eigentlich hätte ich es besser wissen müssen und mich schon eine halbe Stunde vorher an den Indoor Extreme Trail der HansePferd stellen sollen, um eine garantierte Sicht auf Herrn Hackl zu bekommen. Es war unglaublich voll, sodass der Stand gegenüber nicht nur vor einem gewaltigen Platzproblem stand, sondern auch der Durchgang im Grunde komplett versperrt war. Hier hätte die Organisation der HansePferd besser darauf Rücksicht nehmen können.

Nichtsdestotrotz habe ich mich natürlich in die Masse gewagt, um mir Bernd Hackl live ansehen zu können. Zu Beginn sprach er vor allem über die Notwendigkeit der Grunderziehung eines Pferdes und was er persönlich von einem Reitpferd erwartet. Dabei ist Bernd einer der wenigen Trainer, die offen und ehrlich zugeben, dass das Pferd bis zu einem gewissen Grad für ihn auch zu funktionieren hat, rein aus Sicherheitsgründen. Natürlich weiß er, dass dies nicht immer möglich ist, doch er plädiert dafür, dafür immer wieder ordentlich zu trainieren. 

Dabei nannte er den Extreme Trail als eine Möglichkeit, um sein Pferd bestens für das Gelände und das nötige Sicherheitstraining vorzubereiten. Entspannt und ruhig ging er mit seinem Pferd alle Stationen ab, ermahnte das Publikum dabei, dass es seinem Pferd auch einmal vertrauen soll und „seinen Job selbstständig erledigen lassen soll“. Am beeindruckensten war dabei eine Brücke, die links und rechts eine Treppe besaß. Gekonnt erklomm er diese mit seinem Pferd und brachte dabei nicht nur mich zum Staunen.

Man mag von Bernd Hackl halten was man mag und auch ich stimmte nicht immer seinem Trainingskonzept zu. Ich habe ihn an diesen Tag aber als sympathischen und unglaublich humorvollen Trainer erlebt, von dem man sicherlich noch so Einiges lernen kann.

HansePferd Hamburg 2018 - Birger Gieseke

14.30 – 15.00 Uhr: Digitales Lernen mit EQS (Birger Gieseke)

In diesen Vortrag erklärte Birger Gieseke sein System EQS anhand von verschiedenen Tabellen und Pyramiden. Ich kannte dieses System vorher gar nicht und war dementsprechend gespannt, was mich erwartet. Anhand von den verschiedensten Handlungen des Pferdes soll man mit Hilfe einer Tabelle seine Reaktion darauf ablesen können. Dies garantiere ein Training, in dem kein Trainer mehr vor Ort sein muss und der Schüler bei Problem X einfach Lösung Y aus der Handlungstabelle ablesen kann.

Zumindest habe ich es so verstanden. 

Mir kam das System zu theoretisch vor. Kein Pferd ist gleich und handelt aus gleichen Gründen, daher kann ich dieses System so, wie ich es verstanden habe, nicht befürworten. Ich würde mir das Training dazu gerne einmal genauer ansehen, um zu verstehen, wie es schlussendlich funktionieren soll.

HansePferd Hamburg 2018 - Horst Becker

15.30 – 16.00 Uhr: Paraden richtig reiten (Horst Becker)

Horst Becker ist ja für mich immer noch ein bisschen der Justin Bieber der Reiterszene. Und das meine ich gar nicht negativ. Ich bewundere immer wieder, wie alle Frauen auf der Messe tuschelnd und schwärmend am Rand stehen, wenn dieser Mann den Ring betritt. Und dazu hat er auch noch geballtes Wissen parat – sicherlich eine attraktive Kombination!

Ruhig und logisch begleitete er eine Reiterin durch die Trainingsstunde und erklärte dem Publikum dabei, was eine Parade aus macht, wie oft sie falsch erklärt wird und wie sie schlussendlich korrekt angewandt wird. Die Reiterin versuchte  jederzeit seine Aufgaben gewissenhaft umzusetzen und gab sich dabei alle Mühe, wobei das Pferd die ganze Zeit ruhig und aufmerksam unter ihr war. Ein schönes Pferd-Reiter-Bild, das jederzeit harmonisch wirkte.

Und auch ich muss nun ins Schwärmen kommen, denn mit seiner ruhigen und humorvollen Art macht es nicht nur Spaß zu zuschauen, man lernt dadurch auch unglaublich schnell.

HansePferd Hamburg 2018 - Silke Valentin HansePferd Hamburg 2018 - Silke Valentin

16.30 – 16.30 Uhr: Mit Horsemanship zur Hohen Schule (Silke Valentin)

Von dieser Frau wurde mir schon viel berichtet, sodass ich natürlich gespannt darauf war, wie sie nun live ist. Mit dabei hatte sie eine Co-Trainerin und eine Country Band, die passend zur ihrer Vorführung Livemusik spielte. Nun, eines ist tatsächlich wahr (wovor ich schon im Voraus gewarnt wurde): Silke Valentin scheint eine leidenschaftliche Sängerin zu sein, denn man durfte bei fast jedem Song ihren Gesang mitverfolgen. Das kann man mögen, muss man nicht. Mir war es im Endeffekt egal, ich singe auch gern, wenn vielleicht auch nicht gerade beim Pferdetraining, aber da sollte jeder frei sein zu tun, was er möchte.

Mit dem Trainingskonzept des Natural Horsemanships nach Parelli werde ich allerdings auch nach ihrer Darbietung nicht warm. Es ist und bleibt mir einfach zu viel Dominanz, Herumgewirbel auf zu engen Zirkeln mit zu jungen Pferden und zu viel Gezerre am Seil. Einfach zu viel Show. Aber das ist und bleibt Geschmackssache. 

Zusammenfassend bat sie dem Publikum eine gute Show, zeigte Lektionen sowohl am Seil als auch komplett frei und erklärte dabei ihre Trainingsschritte.

HansePferd Hamburg 2018 - Philippe Karl

17.30 – 18.00 Uhr: Philippe Karl und High Noon

Eines der Highlights der HansePferd war definitiv Philippe Karl und sein außergewöhnliches Pferd High Noon. Man bekommt schließlich nicht alle Tage solche Reitmeister zu Gesicht, schon gar nicht, wenn sie nicht aus Deutschland kommen. Ich bin froh, dass wir uns gleich am ersten Tag dazu entschieden haben, die Vorstellung zu besuchen, da ich nicht wissen möchte, wie voll es am Samstag und Sonntag war. 

Auch am Freitag war der Zuschauerraum gut gefüllt und das Publikum schaute gebannt auf die Bühne. Philippe Karl ließ sich nicht foppen und kam mit musikalischer Untermalung und mehreren Fahnenreitern pompös eingeritten. Ich fand es unglaublich, wie schlank und filigran High Noon ist. Ein wirklich sehr edles Pferd, das sich in Szene zu setzen weiß. Von Philippe Karl habe ich reiterlich, ehrlich gesagt, ein wenig mehr erwartet, besonders, da er selbst immer so streng und kritisch wirkt. Allerdings muss man  auch dazu sagen, dass dieser Mann schon über 70 Jahre alt ist und das für sein Alter immer noch eine grandiose Leistung ist!

In einem kurzen Interview nach der Show merkte man auch, wie abgöttisch er dieses Pferd liebt und verehrt, was mich sehr rührte. Ich hoffe dieser Mann und sein Pferd bleiben uns noch lange erhalten!

Tag 2 – Samstag, 22. April 1018

Der zweite Tag war für mich eigentlich fast der Härteste. Nachdem mir vom Vortag schon die Füße brannten, versuchte ich an Tag zwei so viel wie möglich zu sitzen, um sie so gut es eben ging entlasten zu können. Dafür war ich allerdings deutlich ausgeschlafener. Und das musste ich auch sein, denn Samstag war eindeutig der Tag mit den meisten Besuchern auf der Messe. Ich habe kaum meinen Zeitplan einhalten können, da ich mich immer wieder von Halle zu Halle durch die Menschenmassen drängen musste. 

Meine Shoppingpläne verschob ich von Anfang an gleich auf Sonntag, damit ich alles nicht unnötig mit mir herumtrage und am Samstag nicht mit der Masse kollidierte.

HansePferd Hamburg 2018 - Leonie Bühlmann

10.30 – 11.00 Uhr: Klassische Arbeit an der Hand (Leonie Bühlmann)

Der Morgen startete mit Leonie Bühlmann vom Gestüt La Perla, über das sie am Anfang auch ziemlich lange sprach, ehe es mit dem eigentlichen Thema los ging. In der ganzen Zeit hatte sie Hilfe von einem Mädchen, dass ein Pferd an der Hand arbeitete und umsetzte, wovon Leonie sprach. Auch das Pferd kam natürlich von ihrem Gestüt und hatte für sein junges Alter ein unglaublich ruhiges Wesen. Der Spanier war erst seit circa einem Jahr in der Ausbildung und demensprechend noch wenig bemuskelt, machte aber auch so schon einen unglaublich stolzen Eindruck.

Das Mädchen ging mit dem Pferd sehr sanft um und konnte dem Publikum die Handarbeit gut vorführen. Mit ruhiger Hand führte sie das Pferd souverän durch das Viereck und hielt sich dabei genau an Leonie Bühlmanns Anweisungen. 

Zum Schluss merkte man, dass es dem Pferd langsam zu viel wurde und seine Aufmerksamkeitsspanne, sowie auch seine Leistungsgrenze erreicht war. Schade fand ich, dass dann trotzdem noch für die letzten fünf Minuten weiter alles vom Pferd verlangt wurde. Bis dahin war es so unglaublich harmonisch und pro Pferd – ich hätte mir wirklich gewünscht, dass sie dem Pferd dann den wohlverdienten Feierabend gönnen und die letzten Minuten einfach ohne bildliche Darstellung weiter referieren. Es hätte jeder verstanden und wunderbar zu dem pferdegerechten Konzept gepasst.

Nichtsdestotrotz war es eine unglaublich schöne Darbietung, die zeigte, dass ein Pferd auch ohne große Show und Einwirkung sanft aber solide ausgebildet werden kann.

HansePferd Hamburg 2018 - Philippe Karl

11.30 – 12.00 Uhr: Hauptsache durchs Genick? (Philippe Karl)

Nachdem ich am Vortrag Philippe Karl live in Aktion erleben durfte, durfte ich natürlich auch nicht seinen Vortrag über seine Reitphilosophie verpassen. Wie erwartet, war es unglaublich voll, wodurch ich leider nur noch einen Stehplatz weiter hinten erhaschen konnte. Machte aber nichts, da meine Sicht trotzdem gut war und der Ton, Gott sei Dank, laut genug.

An Philippes Seite war immer eine Dolmetscherin, die ihn nach kurzen Sequenzen immer übersetzte. Zu meinem Erstaunen referierte er in Englisch und nicht, wie von mir erwartet, in Französisch. Fand ich aber persönlich sehr klasse, da ich ihn so auch ohne Dolmetscherin gut verstehen konnte und seine Worte eins zu eins aufnehmen konnte.

Der Vortrag selbst war unglaublich spannend und sehr lehrreich. Die Zuschauer waren dabei unglaublich leise und hingen ihm regelrecht an den Lippen. Es ist immer wieder faszinierend, wie ein einzelner Mensch einen so großen Hype auslösen kann. 

HansePferd Hamburg 2018 - Lisa Kittler HansePferd Hamburg 2018 - Lisa Kittler

12.00 – 12.30 Uhr: Mit ganzheitlichem Training zu schönen Pferden (Lisa Kittler)

Von Lisa Kittler habe ich schon viel gehört, sie aber bis dato leider noch nie live gesehen. Viele meiner Pferdefreunde hatten schon mehrere Kurse bei ihr besucht und waren immer unglaublich begeistert, sodass ich natürlich mit einer gewissen Erwartung zu der Vorführung gekommen bin. Und was soll ich sagen? Ich wurde keineswegs enttäuscht!

Lisa hat ein unglaublich sanftes Wesen, das beim Pferdetraining Gold wert ist. Mit Geduld und Ruhe erklärte sie ihrer Schülerin, wie sie mit ihrem Pferd arbeiten soll und was die jeweilige Übung für eine Wirkung auf das Tier hat.

Ich glaube, ich werde wohl auch mal einen ihrer Kurs besuchen müssen!

HansePferd Hamburg 2018 - Jana Tumovec HansePferd Hamburg 2018 - Jana Tumovec

12.30 – 13.00 Uhr: Reitpferdemuskulatur und ihre praktische Bedeutung im Training (Jana Tumovec)

Als Physiotherapeutin und Osteopathin widmete sich Jana Tumovec ihren Spezialgebiet, der Muskulatur des Pferdes. Dabei ging sie sehr tief ins Detail und zeigte die kleinsten Strukturen bestimmter Muskeln auf. Ich muss zugeben, zwischendurch hatte ich so meine Probleme noch hinterher zu kommen, war aber von der Tiefe des Vortrags sehr begeistert. Man bekommt auf Messen selten tiefer gehenderes Wissen vermittelt, da es zeitlich einfach oft nicht möglich ist. 

Jana Tumovec hat den Sprung zwischen solidem Allgemeinwissen und fachlicher Tiefe wunderbar gemeistert. 

HansePferd Hamburg 2018 - Klaus Schöneich

13.00 – 13.30 Uhr: Kraft der Diagonalen (Klaus Schöneich)

Auch mit der Schiefentherapie von Klaus Schöneich hatte ich mich schon ein paar Jahre zuvor eingehender beschäftigt. Umso gespannter war ich, den Erfinder einmal live sehen zu können und mir die Ansätze noch einmal persönlich erklären lassen zu können.

Er begann damit aufzuzeigen, wo die Schiefe des Pferdes liegt, welche Schwächen sie mit sich bringt und was für Probleme daraus resultieren können. Mit Videos und eindrucksvollen Bildern konnte man ihm und seiner Erläuterung gut folgen und die Problematik verstehen. Leider erwähnte er immer nur, dass die Pferde dann zu ihm ins Training kommen und er diese Problematik mit seinem Team löst.

Wie das Training und die Lösungsansätze dazu schlussendlich aussehen, darauf wurde leider gar nicht näher eingegangen, was ich sehr, sehr schade fand. Hier hätte ich mir noch ein bisschen mehr gewünscht, um  von seiner Trainingstheorie überzeugt zu werden. 

HansePferd Hamburg 2018 - Dr. Christina Fritz

13.30 – 14.00 Uhr: Freizeitpferd und Stress – Wie geht das? (Dr. Christina Fritz)

Dr. Christina Fritz ist ja vor allem für ihre Futterkunde bekannt. Auf der Messe hielt sie jedoch einen Vortrag über ein komplett anderes Thema (wobei Stress natürlich auch auf den Magen des Pferdes geht und das nicht zu knapp – somit eigentlich schon ganz gut in ihre Thematik passt), was mich neugierig machte.

Sachlich und kompetent ging sie die verschiedensten Arten von Stress durch und zeigte mit anschaulichen Bildern, wie sich der Stress beim Pferd äußern kann. Viele selbstverständlichen Dinge wurden dabei immer wieder kritisch in Frage gestellt, wie zum Beispiel die Haltung, das Training und natürlich auch die Fütterung des Pferdes. 

Ein schöner und informativer Vortrag, der die Pferdebesitzer für das Thema sensibilisierte.

HansePferd Hamburg 2018 - Eckart Meyners

14.30 – 15.00 Uhr: Der Dialog mit dem Pferd: Ein beweglicher Reiter (Eckart Meyners)

Spätestens seit der Nutzung der Franklin Bälle im Reitsport ist Eckart Meyners, eigentlich Dozent für Sportpädagogik, allgemein bekannt und beliebt. Doch auch schon vor dem Bälle-Hype habe ich mich intensiver mit seinen Ansätzen und den dazugehörigen Büchern auseinander gesetzt und war begeistert. Dementsprechend hoch waren natürlich meine Erwartungen an diese Vorführung.

Zum Glück ging es dieses Mal nicht um die Franklin Bälle, sondern um den von ihm entwickelten Balimo. Ein Stuhl, dessen Sitzfläche so beweglich ist, dass er den Reiter lockern und trainieren soll, um sich der Bewegung des Pferdes besser anpassen zu können. Um die Funktion zu verdeutlichen, war ein kleines, 12 jähriges Mädchen mit ihrem Pferd dabei, dass sich immer wieder abwechselnd auf den Balimo und dann aufs Pferd setzen sollte.

Ich muss zugeben, dass ich mir etwas mehr erwartet hatte. Mir haben vor allem tiefergehende Erläuterungen gefehlt, warum Bewegung X auf dem Balimo nun auf dem Pferd zum besseren Sitz und Sitzgefühl verhilft. Leider wurde dem Mädchen einfach nur gesagt, wie es sich bewegen soll, mehr Erklärung gab es dazu kaum. Faszinierend, wie das Prinzip funktioniert war es natürlich trotzdem, mein Wissensdurst wurde dennoch nicht wirklich befriedigt.

HansePferd Hamburg 2018 - Dr. med. vet. Ende
HansePferd Hamburg 2018 - Dr. med. vet. Ende   HansePferd Hamburg 2018 - Dr. med. vet. Ende

16.00 – 16.30 Uhr: Kolik – eine vermeidbare Krankheit? (Dr. med. vet. Helmut Ende)

Dr. Ende war definitiv mein persönliches Highlight der Messe!

Nicht nur, dass er auf der Messe selbst noch eine große Ausstellung im Stil von Körperwelten präsentierte, bei der sogar eine echte, noch rohe Pferdelunge künstlich beatmet wurde, auch seine Vortragsweise war einfach genial. Mit unglaublicher Gelassenheit und einem trockenden Humor erzählte er von den schlimmsten Krankheiten und überzeugte dabei nicht nur mit geballtem Wissen sondern auch mit unglaublicher Sympathie. Und das in einem stolzen Alter von über 80 Jahren! Ich war so begeistert von ihm, dass ich noch am selben Tag beschloss, mir auch seinen anderen Vortrag über Husten am nächsten Tag anzusehen. Meinen großen Respekt an diesen Mann, ich hoffe, er bleibt uns noch lange erhalten!

Tag 3 – Sonntag, 23. April 1018

Am Sonntag habe ich mir zwar noch ein paar weitere Vorträge angesehen, der Fokus an diesem Tag lag jedoch eher auf schöne Gespräche und dem Shopping Erlebnis der Messe. Da ich meinen Einkauf nicht die ganzen Tage über mit mir herumtragen wollte, hatte ich mir vorgenommen, erst am Sonntag wirklich aktiv und aufmerksam durch alle Hallen zu schlendern und die Stände genauer zu betrachten. 

HansePferd Hamburg 2018 - Meine Ausbeute HansePferd Hamburg 2018 - Meine Ausbeute

Stände & Shopping-Erlebnis

Meiner Meinung fehlte es eigentlich an nichts auf der Messe. Es waren viele Händler vertreten; von günstigem No-Name bis hochpreisiger Marke war alles dabei und lies das Reiterherz höher schlagen. War ich die ersten zwei Tage durch meine selbst auferlegte Shopping Abstinenz noch sehr kritisch und der Meinung, dass ich doch sowieso nichts brauchte, weil ich ja schon alles habe, so konnte ich am Sonntag dann natürlich trotzdem nicht widerstehen. Ihr kennt das Problem mit Sicherheit.

Meine Ausbeute war ein Halfter in Braun / Sand mit goldenen Beschlägen für unseren Ricky und ein bordeauxfarbenes Reitpad mit Steigbügeln – wobei ich diese gleich abgemacht habe – für Vita. erst vor Kurzem hatte ich einen Voltigiergurt für sie gekauft, sodass ich zwischendurch immer einen Reiter für 5 bis 10 Minuten auf sie setzen kann, damit sie sich wieder langsam an das Reitergewicht gewöhnt. Mit dem Reitpad hat sie nun noch einmal eine zusätzliche Polsterung, die ihr sehr gut tut.

HansePferd Hamburg 2018 Planung
Meine Planung – Vorbereitung ist alles!

Fazit

Die HansePferd gab mir die Gelegenheit einmal Trainer live zu erleben, die schon einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht haben, man aber trotzdem seltener auf Messen sieht. Dazu gehören allem voran Philippe Karl, Eckart Meyners, Silke Valentin, Peter Kreinberg, Dr. Christina Fritz und Klaus Schöneich. Für mich war die Messe schon allein deswegen ein großer Erfolg.

Mein persönliches, größtes Highlight auf der HansePferd war definitiv Dr. med. vet. Helmut Ende, dessen Humor und Wissen mich unglaublich gefangen hat.

Erstaunlicher Weise war es auch die erste Pferdemesse, die ich mitgemacht habe, bei der sogar öfter mal kleine, kostenlose Produktproben (meist Futter) verteilt wurden. Früher war das ja noch Gang und Gebe, bis sich das irgendwann stark gewandelt hatte. Dass der Trend nun wieder dahin zurück geht, finde ich (als Konsument) natürlich sehr schön. Was mir auch aufgefallen ist, dass ich dieses Mal oft von Vorträgen oder Vorführungen eine andere Erwartung hatte. Ich weiß nicht, ob es dabei an den Überschriften im Programm lag oder daran, dass ich die Personen nicht kannte und dadurch ein anderes Bild vor Augen hatte. Überrascht wurde ich dabei mal positiv, mal negativ.

Ich habe natürlich noch mehr Vorführungen und Vorträge besucht, als oben notiert. Alle aufzuschreiben, würde allerdings den Rahmen dieses Berichtes sprengen. Weiterhin habe ich mich diesmal auch dafür entschieden, wenn mir etwas so überhaupt gar nicht zugesagt hat, lieber höflich zu schweigen, als zu mosern. Man hat bei vielen Vorträgen gemerkt, dass wieder ein großer Wandel durch die Reiterwelt geht. Die meisten Trainer und Pferdemenschen machen sich immer mehr Gedanken um die artgerechte Haltung, Fütterung und Bewegung des Pferdes, legen dabei alte Glaubensätze ab und versuchen nun mit gutem Beispiel voran zu gehen. Da hebe ich doch lieber das heraus, als dem Negativen eine Stimme zu geben.

Ich freue mich über diese Entwicklung und hoffe sie noch sehr lange beobachten zu können!

Wer genug hat von kleinen Messen, die man im Endeffekt an einem halben Tag durch hat, für den ist die HansePferd genau das Richtige! Alle drei Tage haben sich vollkommen gelohnt. Auch das Programm war diesmal sehr besucherfreundlich. Statt täglich einen komplett anderen Zeitplan vorzugeben (wie es bisher auf allen anderen Messen der Fall war), war hier das Programm, mit minimalen Ausnahmen, immer gleich. So musste ich mir keine Woche vorher einen genauen Zeitplan ausarbeiten, sondern konnte mir gemütlich die Vorträge und Vorführungen markieren, die ich unbedingt sehen wollte und der Rest ergab sich dann für die nächsten Tage automatisch.

Die HansePferd war somit rundherum ein tolles Erlebnis und ein voller Erfolg.