Fütterung ·Kraftfutter

Hafer

Hafer | © Carolin Daum
© Carolin Daum | pixelio.de

Der Hafer – Das Gold der Landwirtschaft

Hafer ist das Standardfutter schlechthin, wenn es um Kraftfutter in der Pferdefütterung geht. Er zählt zu den gesündesten und leicht bekömmlichsten Getreidesorten überhaupt und ist dabei auch noch kostengünstig.

Inhaltsstoffe vom Hafer

Allgemein

Eiweiß 11,69 g
Fett 7,09 g
Kohlenhydrate 59,80 g (davon 58,24 g in Form von Stärke)

Vitamine

B-Vitamine 4758.00 µg
Vitamin E 841.00 µg
Vitamin K 50.00 µg

Minaralstoffe

Kalium 335.00 mg
Magnesium 129.00 mg
Phosphor 342.00 mg

Spurenelemente

Kupfer 470.00 µg
Zink 4.50 mg

Aminosäuren

Leucin 807,00 mg
Lysin 397,00 mg
Arginin 713,00 mg

Quelle

Wie man sieht, ist Hafer reich an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und Aminosäuren, wobei diese Werte natürlich immer nur Durschschnittswerte sind und im Einzelfall abweichen können.

Da Hafer von Natur aus eher calciumarm aber dafür reich an Phosphor ist, ist das Calcium – Phosphor – Verhältnis im Hafer zu unausgeglichen und sorgt bei regelmäßiger Fütterung für einen Calcium-Mangel. Man sollte dieses Verhältnis auf jeden Fall mit einem Mineralfutter ausgleichen, denn Calcium ist nicht nur wichtig für den Aufbau von Knochen und Zähnen, sondern auch für die Übertragung von Nervenimpulsen, die Muskelkontraktion und die Blutgerinnung.

Erwähnenswert ist auch der hohe Anteil an ungesättigten Fettsäuren im Hafer, wie zum Beispiel Linol- und Linolensäure. Diese sorgen nicht nur für ein glänzendes Fell, sondern sind auch als gesundheitsfördernde und entzündungshemmende Fettsäuren bekannt. Auch der im Hafer befindliche hohe Anteil an essentiellen Aminosäuren, wie Leucin, Lysin und Arginin sollte nicht unbeachtet gelassen werden. Essentielle Aminosäuren sind Aminosäuren, die nicht vom Köper hergestellt werden können und somit über das Futter zugeführt werden müssen.

Verträglichkeit und Verdaulichkeit von Hafer

Die Verdauung von Stärke passiert hauptsächlich im Dünndarm. Dieser ist, je nach Größe und Rasse des Pferdes, ca. 20 -30 Meter lang und somit recht klein im Gegensatz zum weiteren Darmverlauf. Dadurch hat er auch eine recht kurze Durchlaufzeit, die nur bei 45 – 90 Minuten liegt.  In dieser Zeit wird der im Magen angesäuerte Verdauungsbrei durch verschiedene Sekrete für die Weiterverarbeitung neutralisiert, während sich Amylasen um den Abbau der Stärke kümmern und diese zu Glukoseeinheiten aufpalten. Wie oben in der Tabelle zu sehen, besteht Hafer zu über 90% aus leicht verdaulicher Stärke, die als umgewandelter Zucker somit schnell ins Blut geht und effektiv Energie liefert.

Das Magen- und Dünndarmmilieu ist vom pH-Wert eher sauer und mit Darmbakterien besiedelt, die das Futter zur Weiterverarbeitung aufspalten. Das Dickdarmmilieu ist dagegen eher alkalisch und dementsprechend mit anderen Darmbakterien besiedelt. Gelangt die Stärke nun unverdaut in den Dickdarmbereich oder ist der Speisebrei noch zu sauer, kann es auf Dauer zu einer pH-Wert-Verschiebung führen, die auch den Bakterienhaushalt des Dickdarms durcheinander bringt. Durch die pH-Wert-Verschiebung siedeln sich Darmbakterien an, die sich in dem sauren Milieu wohler fühlen, während sich die Darmbakterien des alkalischen Milieus absterben. Somit ist die Verdaunng gestört und das Pferd kann das Futter nicht mehr richtig verwerten.

Doch nicht nur die Verschiebung alleine ist dann ein Problem. Die toten Darmbakterien wandern als Endotoxine in das Blut des Pferdes, die zusätzlich noch zu einer Belastung der Entgiftungsorgane werden. Als Folgeschäden treten dann im schlimmsten Fall Leber- und Nierenschäden auf, es kommt zu Fehlgährungen und dadurch entstehen Aufgasungen, das Pferd bekommt Koliken und auch Hufrehe kann durch die Stoffwechselentgleisung entstehen.

Dabei kann Hafer in richtigen Mengen eigentlich sogar Koliken vermeiden, denn er besitzt, je nach Art, einen sehr hohen Anteil an Spelzen, die beim Fressen zusätzlich zum Kauen anregen und dafür sorgen, dass das Pferd den Speisebrei sehr gut einspeichelt. Weiterhin lockern sie im Magen- und Darmtrakt den Verdauungsbrei auf und verhindern dabei das Verklumpen.

Fütterung von Hafer

In bedarfsgerechten Mengen ist Hafer also ein sehr gutes, verträgliches und Leistung bringendes Futtermittel, dessen Wirkung man sich beim Training zu Nutze machen sollte. Die Energie des Hafers steht nach der ersten Verdauung im Dünndarm zur Verfügung und sollte dann auch effektiv genutzt werden.

In den meisten Ställen wird morgens und / oder abends gefüttert. Für Mineralfutter oder Medikamente ist dies eine gute Routine, für eine Kraftfuttergabe eigentlich ungünstig. Denn so kann man den Energieschub, der dadurch entsteht, kaum Nutzen und das Pferd steht, im ungünstigen Falle, unruhig und voller Tatendrang in der Box. Sollte man die Möglichkeit haben, so ist eine Kraftfuttergabe eher 1 – 2 Stunden vor dem Training zu empfehlen.

Zubereitung von Hafer

Hafer gibt es heutzutage in allen möglichen Formen: Gequetscht, gewalzt, gepoppt; um nur einige davon zu nennen. Dabei ist dies durch die leicht verdauliche Stärke eigentlich gar nicht nötig, denn Quetschhafer ist mit nur ca. 2 – 5% verdaulicher als ganzer Hafer und dabei aber längst nicht mehr so lange haltbar. Wurde der Hafer gequetscht, sollte er binnen 1 – 2 Tagen verfüttert werden, da er sonst sauer wird und verschimmelt (und das ohne, dass man es sofort sieht). Natürlich sollte man bei alten Pferden oder Pferden mit Zahnproblemen entgegenkommen. Hier wäre das Quetschen sinnvoll und angebracht.

Hafer im Vergleich zu anderen Getreidesorten

Andere Getreidesorten, wie Weizen, Mais oder Gerste, besitzen nicht die leicht verdauliche Stärke und müssen dadurch thermisch aufgeschlossen werden. Bei genauerem Hinsehen, findet sie man meist gepoppt im Müsli. Weiterhin enthält Hafer im Vergleich zu Mais und Gerste einen wesentlich höheren Anteil an essentiellen Aminosäuren, wie zum Beispiel das Lysin.

Im Gegensatz zu anderen Getreidesorten hat Hafer auch keine Ähren sondern Rispen. Die Spelzen, die das Korn fest umschließen sind nicht einmal durch das Dreschen des Korns trennbar.

Hafersorten

Auf dem Markt findet man heute hauptsächlich Weiß-, Gelb-, Grün- oder Schwarzhafer, wobei diese sich rein ernährungsphysiologisch im Grunde kaum bis gar nicht unterscheiden.

Dem Schwarzhafer wird eine geringere Staubbelastung nachgesagt, was aber hauptsächlich an dem Anbauland Frankreich liegt – hier sind die klimatischen Verhältnisse etwas anders. Wird der Hafer in Deutschland angebaut, so sollte es auch hier keinen Unterschied mehr zu den anderen Hafersorten geben.

Lagerung und Qualität von Hafer

Hafer kann gut und gerne ein Jahr lang an einem kühlen, dunklen und trockenen Ort gelagert werden. Doch so einfach wie es klingt, ist es jedoch nicht, da Hafer sehr anfällig für Schimmelpilze ist.  Man sollte beim Kauf also immer auf eine gute Qualität achten und Qualitätsproben durchführen.

Gewicht & Form

Einen guten Hafer erkennt man am Litergewicht. Er sollte mindestens ein Litergewicht von über 550g haben. Ein Gewicht unter 450g sollte als Warnsignal wahrgenommen werden. Leichte, kleine und schmale Körner haben durch den hohen Schalenanteil zwar mehr Eiweiß, enthalten dafür aber weniger Stärke und sind dadurch schlechter verdaulich. Er sollte also einen dicken Kern haben, dünnschalig und schwer sein. Weiterhin sollte er immer eine gleichmäßige, natürlich Färbung aufweisen. Andere Verfärbungen können auf Verschmutzungen oder Schimmel hindeuten. Er sollte weiterhin trocken sein und nicht Verklumpen.

Die Wasser-Methode

Der Test mit dem Wasserglas ist allseitsbekannt und beliebt. Dafür gibt man einfach etwas Hafer in ein Glas voll Wasser und schaut, wie viel Körner dabei oben schwimmen. Umso mehr Körner den Weg nach oben finden, umso geringer ist die Qualität. Wasserverfärbungen geben hierbei auch noch Aufschluss über die Sauberkeit des Hafers.

Der Geruchs- und Geschmackstest

Hafer sollte immer gut und angenehm riechen. Ist der Geruch modrig, muffig oder gar säuerlich: Finger weg!

Mythen und Fakten

Und warum sticht nun der Hafer? Hierzu gibt es mehrere Erklärungen!

Früher ging das Gerücht herum, dass die Spelzen des Hafers im Darm stechen sollen, sodass die Pferde während der Verdauung und des Äppeln Schmerzen erleiden und „wie vom Hafer gestochen“ unruhig und spinnig werden. Heutzutage weiß man, dass dies nicht der Fall ist und braucht sich in der Hinsicht überhaupt keine Sorgen zu machen.

Weiterhin rennen Pferde „wie vom Hafer gestochen“ davon, wenn sie zu viel Hafer bekommen und sie die überschüssige Energie durch Toben, Rennen und Bocken loswerden wollen. Eine maßvolle und zeitlich sinnvolle Haferfütterung löst dieses Problem von ganz alleine.

Weiterführendes

Die Landwirtschaftskammer von Nordrhein-Westfalen hat einen sehr informativen und aufschlussreichen Beitrag über Haferqualität verfasst, den ich sehr empfehlen kann: Hier gehts zum Beitrag.

Eine Dissertation mit dem Thema: „Bildung (Menge und Dynamik) von Fermentationsprodukten von Futtermitteln mit unterschiedlichen Gehalten an fermentierbaren Kohlenhydraten in einem in-vitro System mit Faeces von Pferden“ aus dem Institut für Tierernährung der Tierärztlichen Hochschule Hannover ist ebenfalls zu empfehlen: Hier klicken.

Das Team von Natural Horse Care hat sich ebenfalls schon mit dem Thema Hafer befasst und dazu einen informativen Beitrag verfasst: Zum Beitrag.

Auch das Team von Saaten Union hat einen sehr informativen und gut aufbereiteten Beitrag über Hafer geleistet, den ich sehr empfehlen kann: Zum Beitrag.

Über Arginin und dessen Zusammenspiel mit Herpes, gibt es hier einen Beitrag: Hier klicken.

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