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Finden einer passenden Reit- und Pflegebeteiligung

Finden einer passenden Reit- und Pflegebeteiligung

Nichts scheint die Reiterwelt so zu entzweien, wie das Thema Reitbeteiligung. Die einen wettern gegen die anderen, es entstehen in jedem Social Media Umfeld die wildesten Diskussionen über das Preis- / Leistungsverhältnis und wie unmöglich sich doch beide Seiten oft benehmen würden. Dabei kann man sich, mit der Berücksichtigung von ein paar wichtigen Punkten, viel Ärger und Stress bei der Suche ersparen!

Auch ich habe viele gute aber auch schlechte Erfahrungen machen dürfen und könnte da so einiges aus dem Nähkästchen plaudern. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich selbst Reitbeteiligung war oder Besitzer. Mittlerweile klappt die Suche jedoch sehr gut und eine wirkliche Enttäuschung erlebe ich nur noch selten.

1. Was genau suchst du?

Egal, ob du selbst eine Reitbeteiligung für dein Pferd suchst oder auf der Suche nach einem geeigneten Pferd für dich bist: Du solltest dir über alle Punkte vorher Gedanken und Notizen machen. Stelle dir zu allererst die Frage, was du wirklich suchst und von einer Reitbeteiligung erwartest.

Entfernung

Suchst du ein Pferd, das zu dir passt, lege dir vorher eine maximale Entfernung fest, die du bereit wärst für das Pferd zurück zu legen. Achte dabei nicht unbedingt auf die Anzahl der Kilometer, sondern eher auf die Zeit, die du für diesen Weg brauchst. Solltest du mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu deinem Pferd gelangen, sieh vorher nach, ob du das Pferd an jedem Tag erreichen kannst. Oft haben Verkehrsbetriebe in ländlichen Gegenden am Wochenende unterschiedliche Abfahrtszeiten.

Bedenke auch, dass du diesen Weg zu jeder Jahreszeit zurück legen musst. Hast du eine lange Strecke, die du zum Beispiel mit dem Fahrrad oder zu Fuß bewältigen willst, überlege dir gut, ob du das im Winter auch noch schaffst.

Als Besitzer kannst du deiner zukünftigen Reitbeteiligung dabei helfen den Weg zu euch vorher einzuschätzen. Gib dazu nicht nur deine Postleitzahl an, sondern mindestens eine Straße, sodass deine Reitbeteiligung sich schon vorher informieren kann. Gibt es öffentliche Verkehrsmittel oder ist ein Auto ein Muss? Erwähne auch dies unbedingt in deiner Anzeige!

Zeiteinteilung

Um die Zeiteinteilung sollten sich beide Parteien vorher Gedanken machen. Wie oft in der Woche möchtest du zum Pferd? Beziehungsweise für wie viel Tage in der Woche suchst du Unterstützung? Auch sollte man sich vorher gut überlegen, welche Tage denn wirklich für einen infrage kommen und diese am besten schon in seiner Anzeige erwähnen. Passen die Tage nicht, können sich beide Seiten viel Zeit und Energie sparen und weiter suchen.

Doch der Zeitfaktor spielt auch noch in anderen Dingen eine Rolle. So solltest du dir als Besitzer die Frage stellen, ob dein Pferd auch wirklich Zeit für deine neue Reitbeteiligung hat. Hat es Mittwochs immer eine hoch anstrengende Trainingsstunde, so solltest du dir überlegen, was die Reitbeteiligung mit deinem Pferd am Donnerstag wirklich machen darf. Auch diese gegenseitige Rücksichtnahme gehört zur Fairness. Sollten solche Situationen häufiger vorkommen, ist es sinnvoll dies mit der potentiellen Reitbeteiligung vorher abzusprechen. Immerhin macht sich diese im besten Falle auch Gedanken darüber, wie sie ihr Training einteilt.

Dazu solltest du dir als Besitzer immer überlegen, ob du wirklich dauerhaft eine Reitbeteiligung suchst oder ob du nur situationsbedingt gerade wenig Zeit für dein Pferd hast. Nichts ist schlimmer, als einer Reitbeteiligung nach einem Jahr zu kündigen, nur weil du sie dann nicht mehr brauchst. Sie hat sich in dieser Zeit auch an dein Pferd gewöhnt, es ins Herz geschlossen und versteht die Welt nicht mehr. Sprich also unbedingt auch vorher mit ihr ab, für welchen Zeitraum du mit ihr zusammenarbeiten möchtest.

Anders herum solltest du als Reitbeteiligung dir natürlich vorher Gedanken machen, ob du wirklich genug Zeit für das Pferd und die gegebenenfalls zusätzlich anfallenden Aufgaben hast. Musst du jedes Mal hetzen, um pünktlich den Bus zu erreichen und erledigst deswegen deine Aufgaben nur halbherzig oder wirst ruppig im Umgang mit dem Pferd, solltest du dir mehr Zeit einplanen. Beobachte dein Zeitkontingent vor allem in den ersten ein bis zwei Wochen und sage frühzeitig wieder ab, ehe sich Pferd und Besitzer an dich gewöhnen. Auch dir fällt der Abschied sonst unnötig schwer und einen guten Eindruck hinterlässt du dabei natürlich auch nicht.

Statur, Ausbildungsstand und Charakter von Pferd und Reiter

Hier ist es besonders wichtig, wirklich ehrlich zueinander zu sein!

Ist man kein Turniergänger, ist es manchmal schwer sein Können als Reiter wirklich korrekt einzuschätzen. Ob A / E Niveau oder Ähnliches, kannst du es nicht genau sagen, beschreibe dein Können, so gut es geht und erzähle, was du bisher mit Pferden für Erfahrung gemacht hast. Erwähne dabei nicht nur deine Reitkenntnisse, sondern auch deine Erfahrungen mit der Bodenarbeit, dem Logieren, deine Geländeerfahrung und inwieweit du selbstständig mit einem Pferd im Stallalltag umgehen kannst (Fütterung, Koppelgänge, etc.). Gibst du eine Anzeige auf, darfst du hier gerne weiter ausschweifen, um Besitzern einen bestmöglichen Eindruck zu hinterlassen, inwieweit du für sein Pferd geeignet bist.

Vergiss auch nicht zu erwähnen, wo deine besonderen Interessen liegen! Bist du ein begeisterter Springreiter, Dressurreiter oder eher ein Geländefreund, solltest du das unbedingt gleich zu Anfang erwähnen. Auch wenn du Fortbildungspläne hast, seien es Turniergänge, Abzeichenlehrgänge, Kurse oder Trainerstunden mit deinem Wunschtrainer, solltest du diese mit angeben. So kann der Besitzer sich ein gutes Bild von dir machen und weiß, worauf er sich einlässt. Es gibt zudem Besitzer, die möchten nicht, dass das Pferd zum Beispiel auf Turniere oder Kurse geht. Erwähnst du all deine Vorstellungen, kannst du deinen potentiellen Kreis besser definieren und deine Chancen auf die wirklich für dich passende Reitbeteiligung erhöhen.

Als Besitzer solltest du ebenfalls ehrlich sein und das Können deines Pferdes realistisch einschätzen. Kannst du auch kein Niveau angeben, ist das nicht schlimm. Beschreibe, was du bisher mit deinem Pferd gemacht hast, in welchen Gangarten es sicher ist, welche Sparten ihr bisher bedient habt (Springen, Gelände, Dressur) und nach welcher Reitweise ihr arbeitet (klassisch, akademisch, spanisch, etc.).

Vergiss dabei nicht, auch den Charakter deines Pferdes zu beschreiben. Ist es sehr temperamentvoll oder eher schwermütig? Ist es sehr sicher oder doch eher von der ängstlichen Sorte? Es gibt Reiter, die mit bestimmten Eigenschaften nicht umgehen können, denen solltest du die Chance geben, das Pferd vorher ein zu schätzen. Dazu kannst du erwähnen, was du von deiner Reitbeteiligung erwartest. Soll sie dein Pferd mit dir zusammen weiter fördern oder soll sie an ihren Tagen etwas Abwechslung und Lockerung in den Trainingsalltag bringen? Erwartest du auch regelmäßige Bodenarbeit von deiner Reitbeteiligung? Soll die Reitbeteiligung eine Mindestanzahl an Unterrichtsstunden nehmen?

Natürlich sollte der Reiter auch zur Statur des Pferdes passen. Es ist also unabdinglich, dass beide Parteien eine Beschreibung zur körperlichen Eignung abgeben. Beim Pferd kann das Rasse, Stockmaß und maximales Traggewicht sein, beim Reiter kann das die Angabe zu Körpergröße und Gewicht sein. Natürlich streiten sich bei Gewichtsangaben immer die Geister. Ob ihr für euch ein Maximalgewicht festlegen wollt oder nicht, ist natürlich eure Sache. Wichtig ist schlussendlich nur, dass das Pferd den Reiter tragen kann und ihr euch gegenseitig schnell und problemlos einschätzen könnt, um nicht unnötig Zeit und Nerven zu vergeuden.

Reitplatz, Halle und weitere Hofangebote

Besonders als Reitbeteiligung kann es wichtig sein zu wissen, welche Annehmlichkeiten der Hof bietet. Auch hier spielt der Zeitfaktor wieder eine bedeutende Rolle. Kann man zum Beispiel nur Abends nach der Schule oder nach der Arbeit zum Pflegepferd, so sollte im Winter genügend Licht vorhanden sein, damit das Arbeiten mit dem Pferd auch möglich ist.

Als Besitzer solltet ihr deswegen unbedingt angeben, wie viel Reit- und Longierplätze (Round Pens) es gibt, ob eine Halle vorhanden ist, ob es ein gutes Ausreitgelände gibt, ob es eine Reiterkammer und eine Toilette gibt und inwiefern alles beleuchtet und beheizt ist. Manche Reitbeteiligungen kommen auch direkt von Arbeit und brauchen ein wenig Platz für ihre Kleidung, auch diese Möglichkeiten solltet ihr mit angeben.

Achtung: In vielen Ställen gibt es Hallenzeiten, die für Einsteller oder Fremdtrainer gesperrt sind. Das können Unterrichtszeiten sein, aber auch einzeln gebuchte Trainerstunden. Gebt eure Platz- und Hallensituation unbedingt vollständig mit an!

Als Reitbeteiligung solltet ihr währenddessen natürlich angeben, was ihr davon unbedingt braucht und worauf ihr gegebenenfalls verzichten könntet.

Arbeitsumfang

Manchmal sucht man als Besitzer nicht nur jemanden, der sich um sein Pferd kümmert, sondern auch jemanden, der einen bei der Stallarbeit unterstützt. Das ist heutzutage Gang und Gebe und sollte vorher mit der potentiellen Reitbeteiligung abgesprochen werden.

Notiere als Besitzer ganz genau, was alles an den Tagen der Reitbeteiligung zu erledigen ist und lege diese Erwartungen von Anfang an offen dar. Muss die Reitbeteiligung Misten oder noch Fremdpferde füttern, so kann es hilfreich sein, eine realistische(!) Zeiteinschätzung mit dazu zu schreiben, sowie kurze Beschreibungen der jeweiligen Abläufe und Besonderheiten, die dabei berücksichtigt werden müssen.

Als Reitbeteiligung solltest du dir derweil natürlich vorher Gedanken machen, welche Arbeiten du rund um das Pferd wirklich zu jeder Jahreszeit erledigen möchtest und ob du dafür auch die nötige, zusätzliche Zeit hast, diese Dinge auch wirklich sauber und gewissenhaft zu erledigen. Solltet ihr im Nachhinein merken, dass diese Aufgaben doch nicht von euch zu stemmen sind, ist das kein Problem. Ihr solltet es jedoch frühzeitig beim Besitzer ansprechen, damit schnell eine Lösung dafür gefunden werden kann und die Pferde unter keinen Umständen darunter leiden.

Preis

Ein sehr sensibles Thema ist der Preis der Reitbeteiligung, dabei kann man es für sich ganz einfach handhaben. Wer unsicher ist, was er für einen Preis für sein Pferd verlangen kann, schaut sich viele andere angebotene Reitbeteiligungen im Netz an. Ansonsten solltest du dir als Besitzer folgende Fragen stellen: Brauche ich das Geld wirklich? Ist das Geld meinem Pferd und den Annehmlichkeiten des Hofes entsprechend? Gibt es durch zu erledigende Stallarbeit Vergünstigungen?

Es gibt Pferdebesitzer, die durch veränderte Lebensumstände momentan vom Geld der Reitbeteiligung abhängig sind. Das mag nicht angenehm sein, dennoch kann das jedem einmal passieren. Wichtig ist, dass ihr dann ehrlich zu der Reitbeteiligung seid und dies auch so deutlich macht. Hat sie dafür kein Verständnis, werdet ihr auch auf Dauer nicht glücklich mit einander und könnt euch so gleich gegen eine Zusammenarbeit entscheiden und viel Streitereien ersparen.

Dann gibt es Pferdebesitzer, die nicht unbedingt das Geld brauchen, sondern durch veränderte Lebensumstände einfach viel zu wenig Zeit für ihr Pferd haben. Hier darf man auch ruhig eine kostenlose Reitbeteiligung anbieten, wenn man das möchte. Wichtig ist doch hier im Endeffekt, jemand wirklich zuverlässiges zu finden, der einem eine Menge Arbeit abnimmt und jederzeit unterstützt.

Natürlich gibt es aber auch Besitzer, die das Potential ihres Pferdes weiter ausschöpfen möchten und eine ebenbürtige Reitbeteiligug suchen, die das Pferd genauso fördert. Dementsprechend ist der Preis einer Reitbeteiligung von vielen Faktoren abhängig. Dazu zählen die Stallbedingungen, die gegebenfalls von der Reitbeteiligung zu entrichtende Stallarbeit, die überlassenen Freiheiten der Reitbeteiligung, die zur Verfügung gestellten Utensilien, Unterrichtsabsprachen und natürlich der Ausbildungsstand von Pferd und Reiter.

Für welchen Preis ihr euch auch schlussendlich entscheidet: Gibt eure Preisvorstellungen immer in eurer Anzeige mit an und vermeidet VB (Verhandlungsbasis) Angaben! Egal ob ihr Reitbeteiligung oder Besitzer seid. Seid ihr wirklich bereit zu handeln, könnt ihr eure potentiellen Verhandlungsfaktoren, wie zum Beispiel die optionale Übernahme von Stallarbeit, gerne mit angeben und somit dem Suchenden euer Anliegen offen darlegen.

Es ist auch kein Verbrechen eine kostenlose Reitbeteiligung anzubieten. Ich höre oft den Satz: „Was nichts kostet, wird behandelt, als sei es nichts wert.“ Seid ihr auf das Geld nicht angewiesen, möchte ich euch nahelegen, noch einmal genau darüber nach zu denken, ob es dann nicht eher an der Person als am Geld scheitert. Menschen, die euch oder euer Pferd nicht ordnungsgemäß behandeln, nur weil ihr das Pferd kostenlos zu Verfügung stellt, solltet ihr generell vermeiden. Genauso würde ich niemanden an meinem Pferd haben wollen, der nur regelmäßig kommt, weil er sonst Geld verliert.

Denkt immer genau darüber nach, was ihr tatsächlich wollt und was es euch wirklich wert ist.

2. Die Form der Anzeige

Mit den Tipps solltet ihr nun definitiv eine handfeste, stichpunktartige Liste von dem erstellen können, was ihr wirklich wollt und sucht. Damit könnt ihr nun eine Anzeige aufsetzen und in den verschiedensten Kanälen streuen. Mögliche Kanäle wären: Zeitungen, Aushänge im Stall, eBay Kleinanzeigen oder andere Kleinanzeigendienste, darauf spezialisierte Webseiten und Sozial Media Kanäle, wie zum Beispiel Facebook.

Legt der Anzeige unbedingt Fotos von euch oder dem Pferd bei, damit Suchende eine guten ersten Eindruck bekommen. Dazu solltet ihr natürlich ein wenig auf eure Schriftform achten. Zu förmlich würde etwas seltsam wirken, vermeiden solltet ihr allerdings Slang- und Dialektsprache. Natürlich ist auch niemand böse über ein oder zwei Rechtschreibfehler, sie sollten sich jedoch in Grenzen halten. Achtet also hier auch auf die korrekte Setzung von Punkt und Komma. Solltet ihr unsicher sein, lasst die Anzeige vorher einfach von Freunden oder der Familie quer lesen und korrigieren. So seid ihr auf der sicheren Seite!

3. Kontaktaufnahme

Auch bei der ersten Kontaktaufnahme ist es wichtig, einen guten Eindruck zu hinterlassen. Erfolgt diese in schriftlicher Form, sollte auch hier wieder auf die Rechtschreibung und die verwendete Sprache geachtet werden. Welche Partei die andere auch immer anschreibt, ihr solltet euch in eurem Anschreiben stets vorstellen.

Antwortest du als Besitzer auf eine Anzeige einer potentiellen Reitbeteiligung, stelle ihr dein Pferd vor, gehe auf die von ihr wichtigen Punkte in der Anzeige ein und erwähne gegebenenfalls abweichende Bedingungen. Antwortest du als Reitbeteiligung einem Besitzer, so solltest du dich kurz vorstellen und einen ersten Eindruck deiner Pferdeefahrung mitgeben.

Umso mehr Informationen ihr gleich zu Beginn mitliefert, umso weniger unnötige Rückfragen muss man sich gegenseitig stellen. Zudem macht es einen guten Eindruck, sich auf eine mit Mühe gestaltete Anzeige, ebenfalls mit Mühe zurück zu melden und damit auch zu zeigen, dass man die Anzeige auch wirklich aufmerksam gelesen hat und sich aller Bedindungen bewusst ist.

Bei Telefonaten solltest du dir zusätzliche Fragen vorher auf einem Zettel notieren, damit du keine vergisst. Ich kann dir ebenfalls empfehlen, dir während des Telefonats auch Notizen zum Reiter beziehungsweise zum Pferd zu machen, damit du später bei einem Kennenlernen nicht alles vergessen hast.

4. Das Kennenlernen

Hat man im ersten Gespräch alle Fragen geklärt und möchte sich nun weiter Kennenlernen, trifft man sich üblicherweise bei dem Pferd im Stall. Dort geht man alle Absprachen noch einmal durch und schaut, als Besitzer, wie die potentielle Reitbeteiligung mit dem Pferd umgeht und als Reitbeteiligung, ob Pferd und Besitzer auf den ersten Eindruck wirklich zu einem passen.

Dabei gibt es verschiedene Arten von Besitzern: Die einen möchten zuerst, dass du das Pferd als Boden- und Pflegebeteiligung näher kennen lernst, ehe du in den Sattel steigen darfst. Andere Besitzer möchten gleich sehen, wie du vom Boden und vom Sattel aus mit dem Pferd umgehen kannst. Ich persönlich habe mir als Besitzer immer beides zeigen lassen. Nicht nur, damit ich eine sofortige Entscheidung für mich treffen kann, sondern damit auch die Reitbeteiligung für sich entscheiden kann, ob sie mit dem Pferd in späterer Zukunft umgehen kann oder nicht.

Habe ich eine Reitbeteiligung, die vom Boden aus super mit meinem Pferd arbeiten kann, aber im Sattel nicht, wird sie wahrscheinlich nicht dauerhaft bleiben. Denn schließlich hat sie auch ein Pferd zum Reiten gesucht und bezahlt auch dementsprechend dafür. Es wäre also nicht nur unfair, wenn ich ihr die Leistung, die ich ihr versprochen habe, zu Beginn verbiete, es kann auch sein, dass sie mich später deswegen verlassen muss und ich mich wieder auf die Suche begeben muss, obwohl mein Pferd sich gerade an den fremden Menschen gewöhnt hat.

Trifft man solche besonderen Bedingungen, sollte man immer vorher gemeinsam darüber sprechen und auch alle anderen Konditionen (Stallarbeit, Preis, etc.) dementsprechend anpassen. Niemand möchte sich schließlich ausgenutzt oder benachteiligt fühlen.

Was ich euch noch unbedingt mitgeben möchte: Niemand sollte sich am Vorstellungstag als Unterlegener oder Bittsteller fühlen! Dieses Kennenlernen ist für beide Parteien, um zu sehen, ob es passt oder nicht. Beide Parteien haben die gleichen Rechte Forderungen zu stellen und gewünschte Punkte zu verhandeln.

Passt Pferd oder Reiter nicht zu eurer Vorstellung, dann ist das nicht tragisch. So etwas kann passieren. Sprecht das höflich an und verabschiedet euch freundlich von einander, denn dafür ist das erste Treffen ja da.

5. Regeln, Absprachen und der Reitbeteiligungsvertrag

Meist bespricht man beim Kennenlernen auch die ersten klaren Regeln und Absprachen zur gemeinsamen Nutzung des Pferdes. Wurde dies nicht besprochen, solltet ihr es unbedingt danach ansprechen. Ihr solltet vor allem klären, was alles mit dem Pferd gemacht werden darf, welche Utensilien genutzt werden dürfen (Sporen, Gerten) und ob Futterlob erlaubt ist und welche Futterumstände gegebenenfalls zu beachten sind (Rehegefahr, Erkrankungen).

Natürlich steht es zudem jedem frei einen gemeinsamen Reitbeteiligungsvertrag aus zu arbeiten. Aus versicherungstechnischen und aus persönlichen Gründen kann ich das jedem von euch nur empfehlen. Hier könnt ihr noch einmal alle mündlichen Absprachen schriftlich festlegen. So kann im Nachhinein keiner der Parteien später etwas Gegenteiliges behaupten oder etwas vergessen.

6. typisches Gerede

Zuletzt möchte ich noch etwas über das typische Gerede und Gemecker über Reitbeteiligung loswerden und euch einen Rat mit auf den Weg geben.

Wahrscheinlich haben wir alle schon gute und schlechte Erfahrungen zu diesem Thema machen dürfen, egal ob wir die Reitbeteiligung selbst oder der Besitzer sind. Lasst euch jedoch nicht auf das Gehetze und Gemecker anderer ein. Niemand möchte einen Besitzer, der sich bei Facebook oder woanders abfällig über seine bisherigen Reitbeteiligungen geäußert hat und anders herum möchte niemand eine Reitbeteiligung, die ihre vorherigen Pferdebesitzer öffentlich denunziert hat.

Denkt immer daran, wie ihr euch fühlen würdet und behaltet manches einfach lieber für euch. Lernt lieber daraus und achtet bei eurer weiteren Suche genau darauf.

Niemand hat etwas dagegen, wenn ihr bei Freunden oder in der Familie mal kräftig Dampf ablasst, weil ihr gerade verärgert seid. Andere Personen damit zu belästigen ist jedoch nicht nur unfair der denunzierten Person gegenüber, weil sie sich nicht wehren kann, es zeugt auch nicht unbedingt von Respekt und Anstand.

Seid besser als diese Person, erspart euch den Ärger und sucht euch einfach etwas Neues.