Bodenarbeit & Zirkuslektionen ·Training

Farbdiskriminierung

Farbdiskriminierung

Wir kennen das Wort Diskriminierung meist nur als Bedeutung dafür, etwas zu benachteiligen, in wissenschaftlichen Kontext wird es jedoch oft für das Wort unterscheiden genutzt. Farbdiskriminierung klingt im ersten Moment also zwar sehr negativ, bedeutet aber im Endeffekt nichts anderes, als dass das Pferd lernt Farben zu unterscheiden.

Diese Übung ist nicht unbedingt eine Lektion, die unser Pferd unbedingt können muss, es ist aber eine perfekte Übung für das kognitive Training unserer Vierbeiners. So kann man an schlecht Wetter Tagen, bei körperlichen Trainingspausen oder auch verordneter Boxenruhe sein Pferd wunderbar beschäftigen und geistig fördern. Durch dieses Training erfährt man auch mehr über das Lernverhalten seines Pferdes und kann bei vermehrtem kognitiven Training auch beobachten, wie schnell das Pferd auf einmal „gelernt hat zu lernen“ und wie sicher, selbstbewusst und neugierig es dabei wird.

Die meisten Pferde entwickeln durch solche Trainingseinheiten ein unglaubliches Potential, das es lohnt ausgeschöpft und gefördert zu werden.

Übungsaufbau

Für ein besseres Verständnis, kannst du dir parallel zur Übung auch das Video ansehen:

Ehe wir anfangen, ein kleiner Hinweis meinerseits: Ich erarbeite solche Übungen immer mit dem Clicker plus dem darauf folgenden Leckerli. Man kann an diese Übung natürlich auch jederzeit anders herangehen, wenn man möchte, es wird hier aber natürlich der Clicker mit eingebunden sein. Sollte euer Pferd bisher noch nicht mit dem Clicker in Berührung gekommen sein, so sollte es vorher „angeclickert“ werden – ihm sollte Sinn und Funktion des Clickers also vorher näher gebracht werden.

Weiterhin habe ich mein Pferd darauf trainiert, die Farben beim Erklingen eines zur Farbe zugeordneten Tones aus einem Stimmstern (Pitch Pipe) zu erkennen. Welchen Ton ihr nun schlussendlich nehmt oder ob ihr lieber ein Stimmkommando, ein Handzeichen oder etwas ganz Anderes wählt, ist natürlich euch überlassen. Für diesen Aufbau beschreibe ich jetzt vor allem meinen Weg, der mich zum Ziel gebracht hat.

 

Als Target zur Farberkennung nutze ich die PS UNDERBAR Sitzkissen von IKEA, diese sind leicht, handlich, haben die perfekte Größe und die Farben sind schön kräftig. Weiterhin sind die Sitzkissen wasserdicht beziehungsweise generell wetterfest und stabil genug, dass das Pferd auch mal hineinbeißen oder drauf treten kann.

1. Schritt: Verbindung von Ton 5A und der Farbe Gelb

Wir beginnen mit der Farbe Gelb und dem dazugehörigen Ton 5A.  Zu allererst möchte ich, dass das Pferd nach meinem Signalton auf den gelben Target zeigt. Um ihm zu Beginn etwas entgegen zu kommen (denn ich möchte ja vor allem, dass es mich versteht), halte ich den Target sehr nah an seine Nase, sodass eine „zufällige“ Berührung mit dem Target sehr wahrscheinlich ist. Kommt das Pferd selbst da nicht zufällig gegen, so kann man den Target auch vorsichtig(!) an die Nase stupsen.

Wichtig ist, dass sofort geclickt wird, wenn das Pferd dem Target näher kommt oder es gar berührt.

Nach ein paar Wiederholungen hat das Pferd dann meistens begriffen, dass es die Nase an den Target halten soll und später könnt ihr auch die Position des Targets verändern, um sicher zu gehen, dass das Pferd seinen Kopf auch wirklich in die Richtung des Targets bewegt. Halten ihn also immer mal wieder abwechselnd links, rechts, oben oder auch unten vom Pferd aus hin.

Dieser Schritt ist für eine erste Trainingseinheit vollkommen ausreichend und sollte in weiteren Trainingseinheiten zuerst gefestigt werden, ehe es weiter geht mit Schritt 2.

Setzt euch am besten ein vorher ausgedachtes Trainingsziel: Klappt diese Übung nach fünf Einheiten fehlerfrei, so könnt ihr weiter gehen, klappt die Übungen nach fünf Einheiten noch nicht korrekt und das Pferd scheint euch noch nicht genau zu verstehen, dann übt diesen Schritt noch mindestens zwei Einheiten weiter und überlegt, warum das Pferd noch nicht genau versteht, was wir ihm beibringen möchten. Am Ende des Beitrages sind noch einmal Möglichkeiten aufgelistet, warum diese Übung vielleicht nicht klappt und wo man bei der Fehlersuche anfangen könnte.

2. Schritt: Überprüfung der Verbindung mit Hilfe der Farbe Blau

Im zweiten Schritt überprüfe ich den Erfolg meines ersten Schrittes genauer und nehme den blauen Target hinzu.

In diesem Versuchsaufbau wird dem Pferd jetzt also der blaue und der gelbe Target gezeigt und ich möchte, wenn ich den Signalton 5A gebe, dass das Pferd weiterhin auf den gelben Target zeigt und somit die Farbe Gelb wiedererkennt. Versucht zu Beginn die Position der Targets immer gleich zu lassen und erst später auch die Position der Targets zu wechseln (also erst links Gelb, rechts Blau und später auch mal rechts Gelb, links Blau oder oben Gelb, unten Blau, etc.).

Ist man alleine, kann das Handling aller Gegenstände etwas schwierig sein. Meist habe ich den Clicker hinter einem Target zusätzlich mit in der Hand, sodass ein Clicken jederzeit möglich ist und den Stimmstern halte ich dabei die ganze Zeit im Mund. Ist zu Beginn etwas ungewohnt, sieht auch sicherlich sehr merkwürdig aus, funktioniert aber nach einigen Versuchen einwandfrei und stört nicht beim Ablauf der Übung.

Wenn Schritt 1 und Schritt 2 gut sitzen, könnt ihr immer wieder zwischen beiden Schritten wechseln, damit sich diese Übung in Kopf eures Pferdes festigt. Auch diesen Schritt solltet ihr mindestens drei bis fünf Mal an verschiedenen Tagen (mit Pausen zwischendurch!) geübt haben, ehe es zu nächsten geht.

3. Schritt: Verbindung von Ton 6E und der Farbe Blau

Nachdem wir dem Pferd erfolgreich die Farbe Gelb beigebracht haben, müssen wir nun das Gleiche mit der Farbe Blau machen. Ich nehme also nun den blauen Target und weise ihm den Ton 6E zu. Da das Pferd mittlerweile gelernt hat, dass ein antippen mit der Nase eine gute Lösungsidee ist, wird dieser Schritt meist schneller klappen, als zu Beginn.

Hier könnt ihr als gutes Beispiel bewundern, wie schnell euer Pferd lernt, „lernt zu lernen“ und wie es unterschiedliche Situationen mit einander verknüpfen kann!

4. Schritt: Überprüfung der Verbindung mit Hilfe der Farbe Gelb

Auch dieser Schritt ist nicht anderes als eine Wiederholung von Schritt 2 mit der Farbe Blau. Geht hier nicht zu voreilig zu Schritt 5 über, weil diese Übung auf Anhieb zu funktionieren scheint. Absolviert hier wieder mindestens drei bis fünf Einheiten, ehe ihr zum finalen Schritt übergeht, damit für das Pferd kein Lernstress und Leistungsdruck entsteht.

5. Schritt: Überprüfung beider Farben

Jetzt ist der Moment der Wahrheit gekommen!

Ehe ihr nun beide Farben und Töne abwechseln in einer neuen und frischen Trainingseinheit miteinander kombiniert, rate ich euch, in minimalen Wiederholungen von Schritt 1 bis 4 euch aufzuwärmen und dann erst mit der Kombination anzufangen.

Klappt die Unterscheidung, hat euer Pferd tatsächlich die Unterscheidung von Blau und Gelb auf Tonsignal gelernt!

6. Schritt: Überprüfung beider Farben mit anderen Gegenständen

Schritt 6 ist vor allem eine weiterführende Übung, um noch einmal zu überprüfen, ob das Pferd wirklich die Farbe gelernt hat oder nicht doch die Targets in anderen Merkmalen unterschieden hat. Hierfür bastelt ihr euch entweder andere Targets oder nehmt andere Gegenstände, die gut sichtbar blau und gelb sind. Nun könnt ihr erst einen Target durch einen Gegenstand ersetzen und später auch den zweiten.

Ziel ist es, dass das Pferd auf Signal sich einen farblich passenden Gegenstand in seiner Nähe sucht und auf ihn zeigt!

Die Übung klappt nicht?

Die Gründe dafür können natürlich vielseitig sein. So kann es deinem Pferd zum Beispiel an der richtigen Motivation fehlen, um freudig mit dir zu trainieren. Wenn du mit Futterlob arbeitest, kann es sein, dass die Leckerlies einfach nicht gut schmecken, wenn du mit Kraulen oder Streicheleinheiten arbeitest, scheint es vielleicht einfach nicht die richtige Stelle zu sein. Für eine gute Mitarbeit braucht das Pferd eine gute Motivation, schließlich muss es sich ja für das Pferd lohnen.

Ein anderer Grund kann das Timing deines Lobs sein. Achte hier noch einmal genau darauf, dass du nicht davor oder nach der gewünschten Reaktion des Pferdes clickst oder lobst, sondern genau in dem Moment, wenn die gewünschte Reaktion passiert. Das Lob muss also genau zu dem Zeitpunkt kommen, wenn das Pferd den Target berührt, nicht, wenn es seine Nase wieder davon entfernt.

Weitere Ursachen können natürlich auch Stress, Unsicherheit oder Ablenkung sein. Ist dein Pferd mit der Situation überfordert, hat in der Herde momentan viel Stress oder ist durch andere Umstände momentan sehr gereizt, ist ein aktives Lernen kaum möglich. Sieh dich in deiner Umgebung also noch einmal genauer um und sieh dir auch dein Pferd noch einmal genauer an, ob es an diesem Tag in dieser Situation wirklich in der Lage ist, frei und motiviert zu arbeiten.

Weiterführendes

Hier findest du das passende Equipment:
Tipps & Tricks > Equipment Hacks > Equipment Hack: IKEA PS UNDERBAR Sitzkissen

Weitere spannende Übungen findest du hier:
Training > Bodenarbeit & Zirkuslektionen

Werbung

*Alle Links in diesem Block sind Affiliate-Links.