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Fachvortag: „Pferde gesunderhaltend Reiten“ von Sandra Schneider

Fachvortag: „Pferde gesunderhaltend Reiten“ von Sandra Schneider

bei der BritCars Riller & Schnauck GmbH

Am 11. Oktober 2017 lud BritCars Riller & Schnauck GmbH zum kostenlosen Fachvortrag „Pferde gesunderhaltend Reiten“ von und mit Sandra Schneider ein. Sandra Schneider ist nicht nur Pferdetrainerin, sondern auch bekannt aus der VOX TV-Serie „Die Pferdeprofis“, in der sie sich zusammen mit Pferdetrainer Bernd Hackl sogenannten Problempferden widmet.

Der Vortrag sollte um 19.00 Uhr starten, ab 18.30 Uhr war Einlass. Als ich gegen 18.20 Uhr bei BritCars einbog, sah ich schon eine große Traube an Menschen vor dem Eingang stehen. Ein Parkwächter kam derweil schon ganz aufgeregt zu mir angeflitzt, ich möge doch bitte 200 Meter weiter zu einem Mann mit einem weißen Fähnchen fahren – hier sind alle Parkplätze voll. Gesagt getan, kurbelte ich meinen kleinen Rolli wieder aus der Einfahrt und fuhr noch ein Stück weiter.

Endlich dann zu Fuß am Eingang angekommen, wurde ich von dem freundlichen Personal auch gleich in Empfang genommen und nach ein paar Formalitäten ging es endlich los.

Die erste Reihe war natürlich schon besetzt, ich hätte es ahnen müssen. Früher hat man sich darum regelrecht geprügelt ganz hinten zu sitzen, heute fühlt man sich wie der letzte Streber, wenn man enttäuscht ist, bei einem Fachvortrag keinen Platz mehr ganz Vorn zu bekommen. Ich musste mich also mit einem Platz in der vierten Reihe zufrieden gaben, hatte aber trotzdem noch einen sehr guten Blick auf die Bühne. Leider habe ich an dem Tag meine Kamera vergessen, weswegen es also leider nur Bilder von meinem uralt Smartphone gibt (sorry dafür!).

 

Nach ein paar einleitenden Worten beklagte sich Sandra über den Rassismus und der Intoleranz in der Reiterszene und betonte, dass ihr Vortrag reitweisenunabhängig an alle Formen und Sparten appelliert. Gut so. Auch ich erlebe das Gezanke der Reiterszene tagtäglich und bin manchmal nicht gerade stolz auf „Meinesgleichen“. Androhungen wie: „Ich werde kein Blatt vor den Mund nehmen, nichts schön reden und auch Unbequemes beim Namen nennen.“, haben mich dann allerdings schon sehr neugierig gemacht.

Der Vortrag wurde in zwei Teile gegliedert, mit einer rund 30 minütigen Pause zwischendurch. Der erste Teil befasste sich mit der seelischen Gesundheit des Pferdes, im zweiten Teil wurde dann auf die physikalische Gesunderhaltung des Pferdes eingegangen.

Teil 1: Der psychische Gesundheitszustand des Pferdes

Ehe Sandra Schneider direkt auf den seelischen Gesundheitszustand des Pferdes eingegangen ist, erzählte sie vorab, wie sie selbst mit dem Reiten begonnen hatte, fernab einer Reitschule auf einem kleinen Hof mitten auf dem Dorf. Und wie die Welt damals als Kind auf dem unbesattelten Rücken eines Pferdes, das gerade durch den Wald fegte, noch in Ordnung war. Dieses Gefühl kenne ich tatsächlich auch noch und auch ich weine ihm manchmal nach. Ich konnte zwar wie sie in diesem Moment nicht wirklich korrekt „reiten“, aber ich war dem Pferd näher und sorgenfrei.

Heute macht man sich mehr Gedanken um das Pferd (und das ist sicherlich auch gut so) und seine Bedürfnisse. Möchte es überhaupt geritten werden? Wie fühlt es sich für das Pferd an? Liegt es überhaupt in der Natur des Pferdes jemanden auf seinem Rücken tragen zu können? Spannende Fragen, die auch ich mir öfter schon gestellt habe. Sandra Schneider ging vor allem auf die Fluchttier-Problematik ein. Durch ihre Erfahrung in Namibia, wo sie über 5 Jahre Wildpferde zum Reitpferd ausgebildet hat, war sie sensibler, was das Thema anging. Man kann sich vorstellen, dass die Instinkte bei einem Wildpferd viel ausgeprägter sind, als bei einem domestizierten Jungpferd, dass den Menschen seit seiner Geburt kennt (und wahrscheinlich auch vertraut).

Auch wenn sie vollkommen Recht hat, muss ich gestehen, dass mir schon ein bisschen der „Wendy-Reiter“ Gedanke kam. Ist es für ein Pferd seelisch überhaupt ertragbar einen Reiter in seiner blinden Zone zu tragen? In seinem Fluchtverhalten eingegrenzt zu werden? Einen Sattel aus Leder (totem Tier!) zu tragen? Ein Gebiss aus kaltem Metall in das Maul gesteckt zu bekommen? Ich glaube kaum, dass sich diese Fragen heutzutage noch wirklich jemand bewusst stellt. Ich zugegebener Maßen auch nicht. Dennoch finde ich es nicht verkehrt, das Thema einmal anzusprechen und die Leute dafür zu sensibilisieren.

 

Ein weiteren Appell startete sie mit der Nutzung des Pferdes, indem sie betonte, dass auch Pferde ihren eignen Willen haben und auch, wenn sie vielleicht für den Spring- oder Dressursport gezogen wurden, vielleicht lieber etwas anderes machen wollen. Das Gebäude bestimmt nicht den Charakter des Pferdes. Und ganz wichtig: Mein Pferd hat einen Charakter!

Sehr treffend fand ich dahingehend auch ihre Aussage: „Muss ich mir ein neues Pferd kaufen, weil mein Jetziges meinen Ansprüchen nicht gerecht wird? Werde ich wirklich glücklich mit diesem Pferd und wird es glücklich mit mir?“ Darüber sollten wir alle nachdenken. Ich sehe es bei Facebook so oft, dass Menschen angefeindet werden, weil sie ihr Pferd genau aus diesem Grund verkaufen. (PS: Das wird definitiv mein nächstes Thema für die Diskussionsrunde bei Facebook!)

Auch Überforderung war ein großes Thema, dass sie ansprach. Besonders bei jungen Pferden in der Ausbildung, ist es heutzutage immer wieder zu sehen, dass sie nicht nur körperlich, sondern auch geistig vollkommen überfordert werden. Mit eindeutigen Stresssignalen, wie ein ausgiebiges Flehmen, Gähnen oder sogenannten Übersprungshandlungen, versucht das Pferd mit uns zu kommunizieren. Leider sind wir meist nur taub oder noch schlimmer: schauen bewusst weg.

Wo ich ein bisschen Bauchschmerzen bekam war, als sie von der Dominanztheorie erzählte: „Das Pferd kennt nur Schwarz und Weiß, es gibt keine Grauzonen. Es gibt nur einen Anführer in der Herde und das Pferd muss lernen, dass ich dieser bin. Wenn auch sanft.“ Naja, immerhin sanft. Wie man das auch immer interpretieren mag.

Da muss ich jetzt gestehen, das sehe ich dann doch etwas anders. Natürlich sollte mich mein Pferd akzeptieren und respektieren, ich denke aber, dass es mittlerweile genügend Fachbeiträge gibt, die sehr einleuchtend gegen die schwarz-weiße Dominanztheorie sprechen. Aber das mag auch Ansichtssache sein, da ziehe ich ihr jetzt keine Sympathiepunkte ab (es muss einem ja schließlich nicht immer alles gefallen). Würde aber gerne einmal genauer mit ihr darüber diskutieren wollen!

Ehe es in die Pause ging, sprach sie noch darüber, dass man, ehe man ein Pferd korrigiert oder ausbildet, immer die Geschichte des Pferdes hinterfragen sollte. Und da muss ich ihr wieder vollkommen zustimmen. Das wird sie auch in ihrer langjährigen Erfahrung mit Problempferden immer wieder durch haben. Ehe man ein Pferd korrigieren kann, muss man sich fragen: Was hat es erlebt? Warum reagiert es so? Hat es Angst?

Und mit diesen Fragen ließ sie uns in die Pause.

Pause: Mit Speis, Trank und guter Unterhaltung

Die Leute bei BritCars haben wirklich an alles gedacht: Kostenlose Getränke, kostenlose Häppchen und Give Aways von Meradog gabs es auch noch dazu. Und das alles auch noch wundervoll angerichtet. Da kann man wirklich nicht meckern. So viel hätte ich von einer kostenlosen Veranstaltung für so viele Menschen nicht erwartet – mein absolutes Lob dafür!

Nur an der Toilette musste man leider sehr lange anstehen, da es nur zwei Stück an der Zahl gab, aber sonst ist ja auch nicht so viel los in einem Autohaus.

Neben der guten Versorgung und dem schönen Ambiente von teuren Autos um mich herum (wer mich auf Instagram etwas mitverfolgt, der weiß, dass ich großer Freund von schönen Autos bin), hatte ich das Glück auch noch einen sehr angenehmen Sitznachbarn zu haben, mit dem ich in der Pause über ein paar Punkte des Vortrags diskutieren konnte. Lieber Ch. fühle dich hiermit herzlich von mir gegrüßt!

Teil 2: Der physische Gesundheitszustand des Pferdes

Im zweiten Teil ging es mit der Anatomie des Pferdes weiter. „Das Pferd und dessen Rücken ist eine Hängebrücke.“, besonders dieser Satz ist mit im Kopf hängen geblieben. Wie wir den Rücken schützen müssen um unser Pferd gesund zu erhalten, erläuterte sie danach. Zuerst gab es eine kleine Einführung in die Sattelkunde. Natürlich sollte kein Sattel zu lang sein, dem Pferderücken individuell angepasst werden und besonders am Trapezmuskel nicht zu eng sein.

Hat man den passenden Sattel gefunden, so sollte man immer mit einem Hocker auf das Pferd aufsteigen und zwar von beiden Seiten, denn auch unser Pferd besitzt (wie wir übrigens auch) eine natürlich Schiefe, die wir beidseitig trainieren müssen (und wir müssen unsere Schiefe natürlich auch beidseitig trainieren). Denn sonst kommt es zu krankhaften Veränderungen der Wirbelsäule, zu sogenannter Spondylose. Darunter fällt auch Kissing Spines, wie Sandra erklärte und zeigte anhand eines Bildes, was dabei alles passieren kann.

Die Rollkur. Ein weiteres, allseits bekanntes Thema, das natürlich nicht fehlen durfte und von ihr noch einmal sehr genau unter die Lupe genommen wurde. Ich hätte mich, ehrlich gesagt, auch gewundert, wäre das Thema nicht zur Sprache gekommen. Doch ich denke, dass gerade dieses Thema auch immer in aller Munde bleiben sollte, bis der Spuk endlich ein Ende hat – dazu trägt sie in solchen Vorträgen sicherlich bei und kann vielleicht bei dem einen oder anderen doch noch was bewirken.

Mit einer Folie zeigte sie auf, welche Folgeschäden für das Pferd bei der Rollkur entstehen können, welche psychischen Folgen das auch für das Pferd haben kann und wie eine korrekte Anlehnung eigentlich aussehen sollte.

Was noch sehr spannend war, dass sie neben dem korrekten Reiten (Schubkraft, Tragkraft, Anlehnung, etc.) und der nötigen Abwechslung im Training (Dressur, Springen, Gelände, etc.) auch auf das Thema Wiederaufbau eingegangen ist. Bei ihren Aussagen: „Pferde sollten erst wieder geritten werden, wenn der Muskel [Trapezmuskel] wieder da ist.“, und „Das Pferd hat ein sehr großes und langes Schmerzgedächnis!“, bin ich voll und ganz bei ihr und sehe da heute noch so viel Missstände, dass dies definitiv auch noch mal ausgesprochen werden sollte.

Mein persönliches Fazit

Der Vortrag von Sandra Schneider ging zwar knackige zwei Stunden, war aber dennoch sehr allgemein gehalten und riss viele wichtige Themen an, über die man sicherlich noch stundenlang hätte diskutieren können. Über geschichtlicher Ursprung, Pferdeverhalten, die korrekte Ausbildung, das passende Zubehör, verschiedene Trainingsansätze, No Gos des Reitsports, sowie ein kleiner Exkurs in Anatomie war alles dabei.

Ich hätte in einigen Themen gerne noch etwas mehr Tiefe gehabt, verstehe aber auch, dass man in zwei Stunden und bei einer kostenlosen Veranstaltung auch nicht zu viel erwarten darf. Schließlich zahlt man für einen guten Kurs oder andere Vorträge sonst auch gutes Geld (und das zurecht!). Ich war vor allem dort um mir mein eigenes, persönliches Bild von Sandra Schneider zu machen, fernab vom Fernsehen und fernab von den Facebook Profis an der Bande.

Neben ein bis zwei Kleinigkeiten, bei denen ich etwas anderer Meinung bin, hat sie viel Wahres, viel Notwendiges und viel Sinnvolles erzählt, wenn auch für mich nichts wirklich Neues dabei war. Trotzdem war es für mich definitiv ein gelungener und sehr gut organisierter Abend, sowie ein guter (und vor allem) wichtiger Vortrag, den man der Reiterwelt immer mal wieder vor Augen halten sollte.

An diesem Abend habe ich Sandra Schneider als eine sehr sympathische Reiterin kennengelernt, die sicherlich auch ihre Fehler hat und macht, die aber immer bemüht ist, dem Pferd gerecht zu werden und ihm gegenüber fair zu bleiben.

Vielen Dank für diesen Abend!