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Der Weg

Der Weg

Der Weg

Wie heißt es doch so schön? Der Weg ist das Ziel! So auch bei dieser Formation, die besonders für die Bodenarbeit geeignet ist und aus zwei Pylonen und gegebenenfalls einer Stange besteht. Man stellt zwei Pylonen mit einer beliebigen Weglänge gegenüber und bei manchen Übungen legt man einfach noch eine Stange dazwischen. Theoretisch kann hier natürlich auch etwas vollkommen anderes genutzt werden, da die Pylonen eigentlich nur zur Wegmarkierung dienen sollen. Dies hilft zu erfassen, welche Strecke geschafft werden muss, wie viel Schritte ich von meinem Pferd verlange und wie viel Fortschritte gemacht wurden. Auch mein Pferd kann sich an den Pylonen orientieren und weiß nach ein paar Übungen wie viel ich von ihm erwarte.

Man mag es kaum glauben, aber mit diesem Stück Weg ist nun alles möglich: Zu Beginn gehe ich das Stück einfach nur entlang, von einem Hütchen zum anderen. Ganz banal, rein zur Lockerung und mentalen Vorbereitung – dann geht es auch schon zur ersten Übung.

Übung 1: Der einfache Weg

Schritt 1 Schritt 2

  1. Ich stelle mich mit meinem Pferd an das erste Hütchen. Wir bleiben mindestens 10 Sekunden still stehen.
  2. Wir starten im Schritt und gehen geradeaus auf die zweite Pylone zu.
  3. Wir stoppen pünktlich und gemeinsam an der zweiten Pylone.
  4. Ich drehe mich um und bleibe dabei auf der Stelle, mein Pferd muss also meiner Schulter folgen, um mich herum laufen und wieder geschlossen am Hütchen neben mir zum Stehen kommen.

Auch wenn es banal klingt: Ich kann jedem empfehlen mit dieser einfachen Übung anzufangen, denn hier fängt die Arbeit oft schon an. Kann mein Pferd punktuell und geschlossen Stehenbleiben? Kann mein Pferd überhaupt ruhig stehenbleiben? Kann es auf Kommando sofort losgehen? Drängelt das Pferd? Muss ich mein Pferd treiben, zieht es mich gar hinterher oder läuft es folgsam mir?

Die einfachsten Dinge können zur größten Aufgabe werden, denn man glaubt gar nicht, wie schwer solch eine banale Übung sein kann. Ich habe lange gebraucht, bis mein Pferd wirklich sauber mitgearbeitet hat und so konzentriert war, dass alles reibungslos lief. Besonders Vollblüter haben mit dieser ruhigen Übung oft große Schwierigkeiten. Hier könnt ihr Aufmerksamkeit, Konzentration und Ruhe rein bringen.

Klappt die erste Übung kann ich es mit unterschiedlichem Tempo versuchen. Achtet dabei aber darauf, dass der Weg dementsprechend lang genug ist und euer Pferd vorher aufgewärmt wurde. Auch die Zäumung kann variiert werden. Ihr könnt Trense, Kappzaum oder auch ein einfach Halfter verwenden – bis hin zur Freiarbeit.

Übung 2: Der Stellungswechsel

Übung 1.2 Übung 1.2

  1. Ich stelle mich mit meinem Pferd an das erste Hütchen. Wir bleiben mindestens 10 Sekunden still stehen.
  2. Ich stelle mein Pferd zu mir nach innen.
  3. Wir starten gestellt im Schritt und gehen geradeaus auf die zweite Pylone zu.
  4. Wir stoppen pünktlich und gemeinsam an der zweiten Pylone.
  5. Ich drehe mich um und bleibe dabei auf der Stelle, mein Pferd muss also meiner Schulter folgen, um mich herum laufen und wieder geschlossen am Hütchen neben mir zum Stehen kommen.
  6. Ich stelle mein Pferd gerade.
  7. Wir bleiben mindestens 10 Sekunden still stehen.
  8. Ich stelle mein Pferd nach außen.

Diese Übung ist der Übung 1.1 ähnlich und verlangt nun eine zusätzliche Innen- bzw. Außen-Stellung vom Pferd. Natürlich sollten alle anderen Schritte ebenfalls wieder einwandfrei funktionieren. Auch hier können weiterführend wieder Tempo-Wechsel eingebaut werden.

Übung 3: Der halbe Zirkel

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  1. Ich stelle mich mit meinem Pferd an das erste Hütchen. Wir bleiben mindestens 10 Sekunden still stehen.
  2. Wir starten im Schritt und gehen geradeaus auf die zweite Pylone zu.
  3. Wir stoppen pünktlich und gemeinsam an der zweiten Pylone.
  4. Ich stelle mein Pferd zu mir nach innen.
  5. Ich führe mein Pferd im Schritt einen halben Zirkel um die Pylone herum und verlange dabei Stellung und Biegung ab.
  6. Wir stoppen wieder pünktlich auf der anderen Seite der Pylone.
  7. Ich stelle mein Pferd gerade.

Hier solltet ihr auf die korrekte Ausführung der Stellung und Biegung achten, denn mit einem halben Zirkel habt ihr nicht viel Zeit für Korrekturen. Wer zu Beginn noch mehr Raum braucht, startet etwas weiter von der Pylone weg und vergrößert sich somit den Radius. Durch die Stellungs- und Biegungswechsel macht ihr euer Pferd geschmeidig und fördert die Durchlässigkeit.

Natürlich solltet ihr auch hier wieder auf Genauigkeit achten um die Annahme der Hilfen zu verbessern. Weiterführend können auch komplette Zirkel um die Pylonen eingebaut werden. Wichtig ist jedoch immer Takt und Losgelassenheit zu erhalten. Zwingt ihr hier euer Pferd zu Leistungen, die es nicht erbringen kann, kann es sein, dass ihr wieder zur ersten Übung gehen müsst, da die Mitarbeit durch fehlende Motivation hier nicht mehr gewährleistet werden kann.

Übung 4: Der Slalom

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  1. Ich stelle mich mit meinem Pferd an das erste Hütchen. Wir bleiben mindestens 10 Sekunden still stehen.
  2. Wir starten im Schritt und gehen geradeaus auf die zweite Pylone zu.
  3. Wir stoppen pünktlich und gemeinsam an der zweiten Pylone.
  4. Ich stelle mein Pferd zu mir nach innen.
  5. Ich führe mein Pferd im Zirkel um die Pylone herum und verlange dabei Stellung und Biegung ab.
  6. Ich wechsel mit meinem Pferd aus dem Zirkel und führe mein Pferd nun im Zirkel um die erste Pylone.

Ob von Oben oder vom Boden aus, der Slalom ist eine wichtige und sinnvolle Übung um sowohl unsere Hilfen zu überprüfen als auch unser Pferd maximal zu stellen und zu biegen. Wichtig ist vor allem, dass der Abstand der Hütchen korrekt ist. Sollte euer Pferd noch in den Anfängen der Biegungsarbeit sein, dürfen die Hütchen nicht zu eng stehen, da das Pferd diese Biegung noch gar nicht leisten kann und sich dann eher verkrampft oder verwirft. Sind die Abstände allerdings zu groß, werdet ihr keinen Biegungseffekt haben.

Da jedes Pferd anders groß und biegsam ist, ist es schwer hier Standardmaße zu präsentieren, zumal ich auch nicht glaube, dass jeder mit einem Maßband in der Halle steht. Alle bisherigen Pferde, mit denen ich gearbeitet habe, waren zwischen 1,50m und 1.70m Stockmaß, ich selbst bin 1.75m groß und nutze als Abstand immer 3 – 4,5 große (!) Schritte, je nach Können des Pferdes. Bisher hat das einwandfrei funktioniert.

Beginnt ihr diese Übung, achtet darauf, dass bei jeder Biegung das Pferd korrekt gestellt ist, sich korrekt biegt und dabei trotzdem locker und flüssig vorwärts läuft. Wird das Pferd langsamer, geht einen Schritt zurück und verlangt weniger Biegung, denn Losgelassenheit und Takt dürfen niemals unter Übungen leiden.

Übung 5: Der Rück-Weg

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  1. Ich stelle mich mit meinem Pferd an das erste Hütchen. Wir bleiben mindestens 10 Sekunden still stehen.
  2. Wir starten im Schritt und gehen geradeaus auf die zweite Pylone zu.
  3. Wir stoppen pünktlich und gemeinsam an der zweiten Pylone.
  4. Wir bleiben mindestens 10 Sekunden still stehen.
  5. Ich gehe mit meinem Pferd im Rückwärts wieder zur ersten Pylone.
  6. Wir stoppen pünktlich an der ersten Pylone.

Wer hier im Rückwärts noch stark eiert oder generell Schwierigkeiten hat, der geht zu Beginn nur ein paar Schritte zurück und dann wieder Vorwärts. Stück für Stück können die Schritte dann erhöht werden. Durch den markierten Weg, könnt ihr immer euren Fortschritt nachvollziehen. Am Anfang könnt ihr auch noch eine Stange zwischen die Pylonen legen an der sich das Pferd orientieren kann. So seht ihr auch besser ob und wann das Pferd nicht mehr gerade läuft.

Übung 6: Das Schulter-Rein und -Raus

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  1. Ich stelle mich mit meinem Pferd etwas weiter hinten an das erste Hütchen. Wir bleiben mindestens 10 Sekunden still stehen.
  2. Wir starten im Schritt. Dabei stelle ich mein Pferd an dem ersten Hütchen ins Schulter-Rein und gehe dann geradeaus auf die zweite Pylone zu.
  3. Ich stelle mein Pferd an der zweiten Pylone wieder gerade und wir stoppen pünktlich und gemeinsam hinter der zweiten Pylone.
  4. Wir bleiben mindestens 10 Sekunden still stehen.
  5. Ich gehe mit meinem Pferd um die zweite Pylone herum und starte wieder mit Schritt 1.

Auch hier eignet sich der Weg wieder bestens um Lektionen wie diese langsam und Stück für Stück mit seinem Pferd zu erarbeiten. Ich sehe an dem Weg jederzeit meine Fort- und Rückschritte, mein Pferd hat immer eine Orientierungshilfe und weiß wie viel ich von ihm erwarte. Fordert hier zu Beginn wieder nicht die komplette Strecke, sondern immer nur ein paar Schritte um das Pferd nicht zu überfordern.

Übung 7: Die Schenkelweiche

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  1. Ich stelle mich mit meinem Pferd gerade zwischen Stange und der ersten Pylone. Wir bleiben mindestens 10 Sekunden still stehen.
  2. Ich stelle mein Pferd zu mir nach innen.
  3. Ich gehe seitwärts mit meinem Pferd über die Stange.
  4. Ich stoppe pünktlich mit meinem Pferd zwischen Stange und zweiter Pylone.
  5. Ich stelle mein Pferd gerade. Wir bleiben mindestens 10 Sekunden still stehen.
  6. Wir verlassen die Formation.

Nun geht es ans Eingemachte! Mit einer Stange zur Orientierung, klappt das Erlernen des Schenkelweichens oft wie am Schnürchen. Ihr seht sofort, wenn das Pferd zu weit nach vorn oder nach hinten tritt und könnt somit auch schnell reagieren und mit verschiedenen Hilfen dagegen wirken. Klappen zu Beginn nur ein paar Schritte, lobt euer Pferd ausgiebig und verlasst vorzeitig die Formation, dann Motivation ist Alles!

Fazit

Der besondere Vorteil dieser Formation ist: Ihr habt ein Maß!

Wie viel Strecke haben wir geschafft und wie viel wollen wir noch schaffen. Man verhaspelt sich nicht Bahn um Bahn, beißt sich nicht stundenlang an Übungen fest, sondern hat eine Selbstkontrolle. Auch für das Pferd seid ihr in der Übungsphase besser berechenbar, denn dieses merkt irgendwann auch, dass ihr „nur“ für dieses Stück Arbeit abverlangt. Der Weg ist somit absehbar, das Pferd kann seine Energie besser einsetzen, hat das Ziel jederzeit vor Augen und ist somit auch bei letzten Schritten sind oft motivierter.

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