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Apportieren

Apportieren | © Bernd Appel
© Bernd Appel | pixelio.de

Das Apportieren

Einige werden das Apportieren vor allem aus der Hundeausbildung kennen. Doch nicht nur Hunde sind für diese Übung bestens geeignet, sondern auch Pferde sind in der Hinsicht sehr lern- und spielfreudig. Hast du also keine Lust mehr deine Trainingsmaterialien selbst aufzubauen? Lass es doch dein Pferd machen! Als Beispiel-Übung nehmen wir die Übung: „Hütchen apportieren“.

Die Lektion

Apportierübungen sind eine Frage des Pferdecharakters: Hat man ein Pferd, das sowieso in alles hinein beißt oder schnappt, wird diese Übung euch leichter fallen. „Maulfaule“ Pferde dagegen müssen erst einmal auf die Idee des „ins-Maul-Nehmens“ gebracht werden, aber auch hier ist es natürlich kein Ding der Unmöglichkeit.

Hast du ein (ich nenne es jetzt mal) beißfreudiges Pferd, dürften die ersten Schritte für euch sehr schnell gehen: Führe das Pferd zum Hütchen und lasse es ausgiebig daran schnuppern. Wenn du Glück hast, beißt es gleich von selbst hinein, wenn nicht, halte das Hütchen an sein Maul, spätestens dann wird es meist angeknabbert oder zumindest die Lippen darum gelegt. Das ist der Zeitpunkt für ein ausgiebiges Lob. Sei es durch gutes Zureden, Leckerli oder Streicheleinheiten – nimm das, was dein Pferd am liebsten hat und wiederhole diese Übung, bis sie einwandfrei klappt.

Hier hilft die 5er-Ampel-Regel: Klappen 5 von 5 Versuchen ist die Ampel auf grün und ihr könnt eine Stufe weiter gehen. Klappen 3 von 5 Versuchen ist die Ampel auf gelb, eure Herangehensweise scheint gut zu sein, ihr müsst aber noch ein wenig üben. Klappen nur 2 oder weniger Versuche von 5, ist eure Ampel auf rot. Hier sollte die Herangehensweise überdacht werden. Versteht das Pferd was es tun soll? Ist das Pferd ausreichend motiviert?

Hast du eher ein „maulfaules“ Pferd, musst du die Übung in kleine Stücke aufteilen. Zu Beginn belohnst du jede noch so kleine Aufmerksamkeit, die dein Pferd dem Hütchen schenkt, bis das Pferd dieses berührt. Jetzt belohnst du jede weitere Berührung. Dein Pferd wird schnell merken, dass es jetzt nur noch für Berührungen belohnt wird. Klappt dies wirklich einwandfrei, warte jetzt bei den Berührungen etwas ab. Das Pferd muss nun nach einer neuen Lösung suchen, da es nicht gleich für die Berührung belohnt wird. Sollte es den Ansatz dazu machen es ins Maul zu nehmen oder auch nur mit dem Lippen daran zu spielen, fängst du sofort wieder mit der Belohnung an, sodass ihr Stück für Stück ans Ziel kommt.

Sollte dein Pferd keinen Ansatz dazu machen, kannst nach dem Berührungsschritt auch ein wenig nachhelfen und das Hütchen vorsichtig (!) ein wenig ans bzw. ins Maul schieben und das Pferd, sofern das Hütchen auch nur minimal im Maul ist oder mit den Lippen berührt wird, überschwänglich loben. Achtung: Der Grad zwischen Bitten und Zwingen ist schmal! Hier sollte kein Zwang entstehen und nicht grob gehandelt werden. Diese Übung soll lediglich helfen dem Pferd eine Idee zu geben, was wir von ihm möchten, nicht mehr und nicht weniger! Sollte es auch damit nicht klappen, muss ein anderer Weg gefunden werden, ehe wir uns die Übung zerstören und das Pferd demotivieren.

Haben wir es bis hier hin geschafft, arbeiten wir nun an der Dauer. Um das Hütchen von A nach B zu tragen, muss das Pferd den Gegenstand länger im Maul behalten. Wir versuchen also nun die Übung zeitlich auszureizen. Für jedes „in-den-Mund-Nehmen“ wird unser Pferd gelobt. Nun warten wir ein bisschen länger und loben unser Pferd erst dann. Wichtig ist, den Zeitpunkt gut einzuschätzen: Loben wir es zu früh, kommen wir nicht weiter, loben wir es zu spät und es lässt den Gegenstand schon vorher los oder ist gerade dabei, dann loben wir unser Pferd für das Loslassen. Dieses Timing ist eine frage der Übung und ein wenig Intuition – lasst euch hier nicht demotivieren.

Schaffen wir es also den Zeitpunkt heraus zu zögern, sollten wir auch schnellstmöglich ein Signal für das Loslassen integrieren. Sei es eine Handbewegung, das Wort LOS oder Ähnliches. Hier seid ihr vollkommen frei. Immer wenn das Pferd das Hütchen loslässt, gebt ihr dieses Signal und lobt eurer Pferd.

Wenn ihr es bis hier hin geschafft habt, habt ihr schon die halbe Miete und viel erreicht! Als letzter Schritt, folgt das ganze in Bewegung, was manchmal nicht so einfach ist. Teilt euch diese Übungen wieder in minimale Schritte ein. Festhalten – einen Huf vorwärts – loslassen. Mehr braucht es zu Beginn nicht. Alle weiteren Schritte können Stück für Stück mit Geduld erarbeitet werden.

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